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Jüdische Synagoge und Mikwe

Über Jahrhunderte befand sich hier der Mittelpunkt eines ununterbrochenen jüdischen Lebens. Das ehemalige Judenviertel lässt sich nach Sanierungen der 70er und 80er Jahre heute wieder in seiner ursprünglichen Gestaltung erfahren.

Innenansicht der Synagoge (Foto: R. Uhrig) 
Innenansicht der Synagoge (Foto: R. Uhrig)
Synagoge - Mikwe (Foto: R. Uhrig) 
Synagoge - Mikwe (Foto: R. Uhrig)

Die erste Synagoge

Vom ältesten Bau (1034) ist lediglich die Stiftungstafel aus Stein erhalten. Nach den Verwüstungen bei den Kreuzzügen des 11./12. Jahrhunderts wurde ein Neubau in romanischen Formen der Dombauschule 1174/75 errichtet. An diese sogenannte "Männersynagoge" erfolgte 1212/13 der Anbau der "Frauensynagoge". Bereits 1185/86 erfolgte der Bau einer unterirdischen Badeanlage (Mikwe). Die "Männersynagoge" wurde als zweischiffige Halle auf zwei Säulen, der Toraschrein in einer Apsis errichtet. Neben Veränderungen infolge mehrerer Zerstörungen (Pogrome) erfolgte 1624 der Anbau eines kleinen Lehrhauses (sogenannte Raschi-Kapelle, Jeschiwa). Der gesamte Komplex, war Mittelpunkt der alten und bedeutenden Wormser Judengemeinde. 1938-42 niedergebrannt und zusammengerissen, wurde die Synagoge teilweise mit Originalbauteilen wiedererrichtet und 1961 neu geweiht. Eine jüdische Gemeinde besteht in Worms nicht mehr, zuständig ist die Gemeinde in Mainz.

Der vom Nord-Ost-Bogen der mittelalterlichen Stadtmauer umschlossene Bereich mit seinen typischen mehrgeschossigen Häusern war seit dem späten 10. Jahrhundert von Juden bewohnt. Die erste überlieferte Synagoge in Worms ist im Jahre 1034 entstanden. Über die genauen Umstände berichtet die Stifterinschrift, die neben dem Eingang der heutigen spätromanischen Männersynagoge eingemauert ist. Sie besagt, dass Jakob ben David und seine Ehefrau Rahel ihr Vermögen aufwandten, um "ein Haus", die Synagoge, zu bauen und mit Ausstattungsstücken zu verschönern. Diese Synagoge war aus Stein gebaut und stand im Bereich des heutigen Raschi-Lehrhauses (Jeschiwa).

Voraussetzung für den Bau einer solchen Synagoge war das Vorhandensein einer ansehnlichen Gemeinde. Dieser ersten Synagoge angegliedert war ein renommiertes Lehrhaus, das sich jedoch als Gebäude im Synagogenbereich nicht feststellen lässt. Der Student, der später als einer der bedeutendsten Gelehrten des abendländischen Judentums größten Ruhm erlangen sollte, war Rabbi Salomon ben Isaak aus Troyes (Frankreich), genannt Raschi. Er studierte hier in der Zeit um 1060. Ein Denkmal für ihn, geschaffen 1995 von dem Speyerer Künstler Wolf Spitzer, steht im Hof der Synagoge. Beschädigt wurde die erste Synagoge während des Kreuzzugs 1096.

 
Siebenarmiger Leuchter (Foto: R. Uhrig) 
Siebenarmiger Leuchter (Foto: R. Uhrig)

Die Männersynagoge

Ein Synagogenneubau erfolgte 1174/75, zeitgleich mit dem neuen romanischen Dom. Neu errichtet wurde die Männersynagoge von den Handwerkern der Dombauhütte. So ist auch die Bauornamentik am Portal und an den Säulenkapitellen im Innenraum mit Formen am Dom vergleichbar.

Die Männersynagoge ist eine geostete, zweischiffige Halle, gegliedert durch zwei Säulen, die das Gewölbe tragen. Der Kämpfer des östlichen Säulenkapitells trägt eine Bauinschrift, die auf das Jahr 1174/75 verweist. Diese Säulenkapitelle zählten zu den schönsten Beispielen des sog. Wormser oder Straßburger Kapitells.

Die Originale sind im Zuge der Verwüstungen in der NS-Zeit zerstört worden; das Portal hingegen ist das ursprüngliche.

Sehen Sie hier eine Bildergalerie zur Synagoge.

 

Das Kultbad: Mikwe

Nach Norden wurde 1212/13 ein Frauenraum angebaut, eine frühgotische, gewölbte Halle mit einer Mittelstütze; der Raum dient heute als Gedenkraum für die in der NS-Zeit ermordeten Wormser Juden. Das Eingangsportal außen (innerhalb des Vorraums) ist in typischen Formen der Wormser Schule gestaltet.

Bereits 1185/86 war laut einer weiteren, ebenfalls erhaltenen Bauinschrift das Kultbad, die Mikwe, geschaffen worden. Hier tragen die Stützen schlichte Würfelkapitelle. Im Mittelalter wie in der Neuzeit wurde die Synagoge mehrfach beschädigt und wiederhergestellt, aber auch aus zeitgemäßen Gründen verändert. Schlimm wirkten sich die Pogrome 1349 und 1615 aus. Das Raschi-Lehrhaus wurde laut Inschrift 1624/24 im Westen an die Männersynagoge angebaut, ebenso der Vorbau zum Synagogenplatz hin.

Tuch am Thoraschrein (Foto: R. Uhrig) 
Tuch am Thoraschrein (Foto: R. Uhrig)

Wiederaufbau 1961

In der Pogromnacht 1938 wurde die Synagoge niedergebrannt und in den Folgejahren wurde die Ruine mutwillig verwüstet. Wegen der besonderen geschichtlich-religiösen Bedeutung der Wormser Synagoge entschieden sich Stadt, Land und Bund nach dem Krieg für einen Wiederaufbau im Jahre 1961 unter Verwendung zahlreicher originaler Bauteile der alten Synagoge, obwohl sich keine jüdische Gemeinde mehr angesiedelt hat. An der Nordwestecke der Männersynagoge erkennt man noch das ursprüngliche Mauerwerk bis in eine Höhe von etwa 1,5 m. So vermittelt die Wormser Synagoge mit ihren Nebengebäuden den Eindruck eines mittelalterlichen Synagogenkomplexes mit starkem spätromanischem Anteil.

Die Wormser Jüdische Gemeinde ist durch die Emigration bzw. die Ermordung ihrer Mitglieder während der NS-Zeit erloschen, die Synagoge wird jedoch von ihrer Eigentümerin, der Jüdischen Gemeinde Mainz, wieder verstärkt zu Gottesdiensten genutzt.


 

Die wichtigsten Ausstellungsstücke

  • Aron ha-kodesch (heilige Lade) in der Ostwand. Sie dient der Aufnahme der Thorarollen (Fünf Bücher Moses).
  • Ner-Tamid (Ewige Lampe) zeigt an, dass Thorarollen vorhanden sind und Gottesdienst gehalten werden kann.
  • Bima (Podest) mit dem Lesepult zum Ausrollen und Verlesen der Thora


Davidstern (Foto: R. Uhrig) 
Davidstern (Foto: R. Uhrig)

Festakt 50 Jahre Wiederaufbau 2011

Mit einem Festakt in der Synagoge feierten die Jüdische Gemeinde Mainz-Worms und die Stadt 2011 den Wiederaufbau der Synagoge vor 50 Jahren. Zur Feier hatten sich zahlreiche Gemeindemitglieder sowie Vertreter aus Politik und öffentlichem Leben versammelt.

Stella Schindler-Siegreich, Vorsitzende der Jüdischen Gemeinde Mainz-Worms, und Oberbürgermeister Michael Kissel konnten zum Festakt am 02.12.2011 in der Wormser Synagoge unter anderem den Vorsitzenden des Zentralrats der Juden, Dieter Graumann, den Generalkonsul des Staates Israel in München, Tibor Shalev-Schlosser, und den rheinland-pfälzischen Ministerpräsidenten Kurt Beck als Ehrengäste begrüßen. 

 

Buchtipp:

"... und dies ist die Pforte des Himmels", Synagogen Rheinland-Pfalz, Saarland

Buchband über mehr als 400 Synagogengemeinden. Erhältlich unter anderem im Jüdischen Museum im Raschi-Haus Worms. mehr

 

öffnungszeiten:

  • April - Oktober: 
    täglich 10 - 12.30 und 13.30 - 17 Uhr

  • November - März: 
    täglich 10 - 12 und 14 - 16 Uhr 

Über aktuelle Hinweise zu besonderen Öffnungszeiten informieren Sie sich bitte hier

Eintrittspreise:

Der Eintritt ist frei !

Adresse:

Jüdische Synagoge
Synagogenplatz
(in der Judengasse)
67547 Worms

die Synagoge im Stadtplan

Kontakt:

Jüdisches Museum im Raschi-Haus
Hintere Judengasse 6
67547 Worms
Telefon: (0 62 41) 8 53 - 47 07
Telefax: (0 62 41) 8 53 - 47 99
E-Mail  : stadtarchiv@worms.de

das Jüdische Museum im Stadtplan