"Bürgertum – Mäzenatentum – Adel"

Das Stadtarchiv Worms setzt dieses Jahr mit einer Reihe von Partnern einen Schwerpunkt bei der Beschäftigung mit der für Worms und die Region wichtigen, in ihrer Wirkungsgeschichte weit darüber hinaus einflussreichen großbürgerlichen Industriellenfamilie von Heyl.

 
Bild: Reichsstädtisches Archiv Worms

Familienwappen im ausgemalten Gewölbe des Reichsstädtischen Archivs im Rathaus Worms, 1886

Bild: Gottliebenkapelle Herrnsheim

Gottliebenkapelle, Familiengrablege, erbaut 1890/91, Herrnsheim (Fotos Stadtarchiv Worms)

Die Wormser Industriellenfamilie von Heyl und ihr Wirken

Nachdem in den letzten Jahren umfangreiche und wertvolle Familien- und Firmenunterlagen in das Archiv gelangt und dort verzeichnet worden sind, soll in der Wernerschen Verlagsgesellschaft (Worms) bis Ende Oktober ein von Gerold Bönnen und Ferdinand Werner herauszugebender Sammelband erscheinen, der (mit reicher Bebilderung) vielfältigen Aspekten der Wirksamkeit der Familie vom 19. bis nach der Mitte des 20. Jahrhunderts nachgeht.

Die Spannweite der Themen reicht dabei von Aufstieg und Wandel der 1886 geadelten Industriellenfamilie, ihrem wirtschaftlichen, politischen, mäzenatischen Wirken, den Funktionen als Stifter, Förderer von Kunst, Kultur, Kirche und Wohlfahrtseinrichtungen in kulturgeschichtlicher Sichtweise. Anlass für die Aktivitäten ist das im Dezember bevorstehende hundertjährige Jubiläum der Fertigstellung des nach 1945 nicht wieder aufgebauten, von der Familie gestifteten ‚Cornelianums’ als Volkshaus 1910.

 

Vielfältige Aktivitäten von Stadtarchiv, Heylshof und Altertumsverein 2010

Neben dem Sammelband wird für den Herbst gemeinsam mit dem Heylshof, dessen exzellente Kunstsammlungen das wichtigste Vermächtnis der Familie darstellen, eine Kabinettausstellung zu Aspekten der Familie vorbereitet, das Museum der Stadt im Andreasstift zeigt die Leistungen der Familie für die archäologische Forschung der Region auf, das Stadtarchiv gibt Einblicke in die Nachlässe (Fotoalben, private Dokumente).

Der Altertumsverein wird seine Vortragsreihe 2010/11 ganz unter dem Zeichen der vielfältigen Aspekte der Wirkungen der Familie von Heyl durchführen, es werden Führungen zu weniger bekannten Orten angeboten, die mit der Familie verbunden sind (Gottliebenkapelle, Reichsstädtisches Archiv, Sophienstift etc.) usw.

Ziel der Aktivitäten ist es, auf die enorme Bandbreite der Verbindungen zwischen der Familie zum einen und der Stadt und der Region zum anderen aufmerksam zu machen, die vielfältigen Einwirkungen der Familie auf verschiedenste Feldern der jüngeren Stadtgeschichte aufzuzeigen und die Entfaltung der Familie in den Zusammenhang der Entwicklung des deutschen Bürgertums im 19. und 20. Jahrhundert einzuordnen.

 

Gliederung geplanter Sammelband

Bürgertum – Mäzenatentum – Adel. Die Wormser Industriellenfamilie von Heyl und ihr Wirken
(Sammelband, Wernersche Verlagsgesellschaft, Worms, hg. Gerold Bönnen/Ferdinand Werner)

  • Einleitung/Vorwort
  • 1. Bürgertumsforschung, bürgerliches Mäzenatentum und Orientierung am Adel in allgemeiner Perspektive (G. Clemens)
  • 2. Zur Überlieferung der Heylschen Firmen- und Familiennachlässe (M. Rinker-Olbrisch)
  • 3. Die Familie von Heyl und ihr Wirken (ca. 1850 bis 1970) (G. Bönnen)
    - Die Familie im Aufstieg und im Wandel (um 1800 bis
      etwa 1980) (mit Stammtafel)
    - Lederindustrie, betriebliche Wohlfahrtseinrichtungen,
      Wohnungsfürsorge (um 1840-1974)
    - Besitz und Bauten, Stiftungen und Künstlerkontakte
      der Familie
    - Stadtarchiv – Stadtgeschichte - Ehrenbürgerschaft
    - Das politische Wirken in Kommune und Staat
    - Vereine und Verbände, karitatives Engagement und
      Evangelische Kirche
  • 4. Vertiefungsbeiträge
    - Gerold Bönnen, Fabrikant und Händler, Politiker und
      Konsul: Leonhard Heyl II. (1814-1877), sein
      gesellschaftlich-wirtschaftlicher Aufstieg und die
      Wormser Gründerzeit;
    - Petra Blachetta, Die Wormser Lederindustrie und der
      Aufstieg der Lederwerke Cornelius Heyl bis 1914;
    - Gunter Mahlerwein, Die Heyls und das bürgerliche
      Vereinswesen im 19. Jahrhundert;
    - Ferdinand Werner, Zu den Bauten der Familie (von)
      Heyl 1870 bis 1945;
    - Uwe Hinkfoth, Theodor Fischer und das Cornelianum
      (1907-1910);
    - Oswald G. Bauer, Die Familie Heyl, die Familie Wagner
      und die Bayreuther Festspiele;
    - Peter Engels, Die Familie von Heyl und Darmstadt;
    - Busso Diekamp, Die Familie von Heyl und die
      Wormser Stadtbibliothek;
    - Josef Mattes, Die Familie von Heyl und der Wormser
      Altertumsverein;
    - Mathilde Grünewald, Die Heyls und die Archäologie
      im Wormser Raum;
    - Ines S. Heisig, Bemerkungen zur Künstlerkorres-
      pondenz der Familie von Heyl;
    - Olaf Mückain, Entstehung und Charakteristika der
      Sammlung Kunsthaus Heylshof;
    - Jörg Koch, Das Museum Kunsthaus Heylshof von
      seiner Gründung 1926 bis heute;
    - Irene Spille, Nachleben und Spurensuche;
  • 5. Zusammenfassende Charakterisierung (G. Bönnen)
  • 6. Anhang
    Zeittafel, Bibliographie, Bildnachweis, Register

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