Der Wormser Dom in seiner heutigen Baugestalt ist ein Stauferdom (1181), das Nibelungenlied ist das große Epos der Stauferzeit (um 1200) und die Stauferkaiser von Barbarossa bis zu Friedrich II. haben in Worms zahlreiche Reichstage abgehalten.
Am Nordportal des Doms erinnert eine Darstellung Friedrichs I. (1122–1190) an das Freiheitsprivileg, das er 1184 der Wormser Bürgerschaft verlieh. Die häufigsten Aufenthalte nördlich der Alpen führten den "Reisekaiser" nach Worms, genau achtzehn Mal. Sein Chronist Otto von Freising schrieb in den Gesta Frederici: "Von dort [Verona] begab er sich an den Rhein und feierte das nächste Geburtsfest des Herrn in Worms (1155). Dieses Gebiet nämlich, das der hoch berühmte Rhein, einer der drei bedeutendsten Ströme Europas, durchschneidet, ist reich an Getreide und Wein und bietet eine Fülle von jagdbarem Wild und Fisch […] und kann daher die Fürsten, wenn sie sich jenseits der Alpen aufhalten, am längsten versorgen."
Auch zur Domweihe im Jahre 1181 hielt sich Barbarossa in Worms auf. Als er 1156 Beatrix von Burgund heiratete, wurde das hochmittelalterliche Burgund stärker an die rheinischen Zentren des Reichs gebunden und die Grundlage für seine Krönung zum König von Burgund in Arles gelegt. Die romanischen Kirchen und Kreuzgänge im Wormser Stadtbild erzählen ebenso wie die Synagoge von der stadtbildprägenden Bautätigkeit der Stauferzeit vor Ort.
Ein besonderes Ereignis für die Stadt war die Heirat Friedrichs II. (1194–1250) mit Isabella von Anjou-Plantagenet. Sie war die Tochter König Johanns Ohneland und somit die Nichte von Richard Löwenherz. Als Friedrich II. im Frühjahr 1235 von Sizilien aus zur Hochzeit Richtung Worms aufbrach, hatte sein Sohn, Heinrich (VII.) gerade die Belagerung der Stadt beendet.
Worms war kaisertreu geblieben. Kein Wunder, dass sich der Kaiser dafür mit einem fulminanten Einzug am 4. Juli 1235 bedankte. In einer zeitgenössischen Chronik heißt es: "Er aber fuhr, wie es der kaiserlichen Majestät geziemt, in großer Pracht und Herrlichkeit einher, mit vielen Wagen, beladen mit Gold und Silber, Batist und Purpur, Edelsteinen und kostbaren Geräten, mit vielen Tieren, nämlich Kamelen und Dromedaren, geführt von Sarazenen, die verschiedener Künste kundig waren, schließlich Affen und Leoparden, geführt von Äthiopiern, die sein Geld und seine Schätze bewachten."
Im Rahmen der Eröffnung des rheinland-pfälzischen Kultursommers 2009 hat das Wormser Netzwerk Lebendiges Mittelalter den Umzug und die Hochzeit in einem Historienspiel unter großem Beifall von Tausenden Besuchern nachgestellt.
Es gelang Friedrich II. aber trotz seiner heftigen Konflikte mit dem Papst als einzigem Kaiser, Jerusalem friedlich durch Diplomatie zu erobern. Am 18. Februar 1229 schloss er mit Sultan al-Kamil, der in Kairo residierte, den Friedensvertrag von Jaffa. Darin erhielten die Christen Jerusalem, Betlehem und Nazaret zurück, den Muslimen verblieb allerdings der Tempelberg mit al-Aqsa-Moschee und Felsendom, in dem die Christen allerdings ihre Andachten halten durften. Die Muslime erhielten dafür wiederum Freizügigkeit rund um Bethlehem sowie eine eigene Gerichtsbarkeit unter einem Kadi in Jerusalem.
Das war aus heutiger Sicht eine politisch kluge und ausgewogene Friedensvereinbarung. Da Worms in seiner Geschichte immer wieder ein zentraler Ort interreligiöser Konflikte und Befriedungen war – angefangen vom Wormser Konkordat 1122 bis zum Luther-Reichstag 1521 – sind die politischen Strategien Friedrichs II. gegenüber dem Islam ein spannendes Thema, das sowohl zum kulturellen Selbstverständnis der Stadt als "Stadt der Religion" passt als auch in die aktuellen Debatten der Gegenwart.
Im Nibelungenlied verortet der unbekannte Dichter die Überlieferung aus der Frühzeit der Burgunder, die mit dem Drachentötermythos verknüpft wurde, im staufischen Worms und beschreibt an vielen Textstellen den Alltag und die Ausstattung eines hochmittelalterlichen Königshofs. Vor allem in der Handschrift C finden sich Hinweise darauf, dass deren Verfasser den Wormser Dom, die Stadt und ihre Region gekannt hat.
Von Worms aus hat sich der heute kurpfälzische Raum mit den Residenzen Heidelberg und Mannheim entwickelt. Von daher ist es eine Selbstverständlichkeit, dass sich die Stadt in der Metropolregion Rhein-Neckar engagiert, vor allem in Fragen der Kultur und Geschichte, und sich auch am Netzwerk der Stauferregion beteiligt.
Herzlich bedanken möchte ich mich bei den Reiss-Engelhorn-Museen in Mannheim, die nicht nur durch die Ausstellung "Die Staufer und Italien" den Anstoß zum Stauferjahr 2010/2011 gegeben haben, sondern auch das regionale Netzwerk vorbildlich betreuen. Ein ebensolcher Dank geht an die rheinland-pfälzische Generaldirektion Kulturelles Erbe, die das Netzwerk linskrheinisch betreut. Freundlicherweise fördert die BASF das Projekt der Stadt in den Bereichen alte Musik und kulturelle Bildung. Auch allen Institutionen, Vereinen, Firmen und Privatpersonen, die sich mit Programmangeboten beteiligen, gilt mein Dank.
Ich lade Sie ein, die Stauferstadt Worms kennenzulernen und die Veranstaltungsangebote des Stauferjahrs wahrzunehmen, die in Worms unter dem Thema "Musik und Literatur der Stauferzeit" stehen. Fühlen Sie sich genauso wohl bei uns wie Barbarossa oder Federico secondo, wie Beatrix und Isabella und ihr Gefolge, die nicht nur die Gastlichkeit der Stadt, sondern auch die Fruchtbarkeit der Landschaft von Wein bis Korn und Wild geschätzt haben.
Michael Kissel
Oberbürgermeister der Stadt Worms