am Sonntag, 09. September 2007 auch in Worms
Am 09. September 2007 findet zum 15. Mal der bundesweite "Tag des offenen Denkmals statt. Auch in Worms öffnen zahlreiche "Kulturschätzchen" ihre Pforten, die sonst der Öffentlichkeit verschlossen bleiben. Das Schwerpunktthema in diesem Jahr: "Orte der Einkehr und des Gebets – Historische Sakralbauten".
Von den 18 Objekten, die dieses Jahr in Worms und den Stadtteilen angemeldet sind, befassen sich 15 mit diesem Motto. Der Dom, die Liebfrauenkirche, die Magnuskirche und die Martinskirche bieten ein besonders umfangreiches, anspruchsvolles Programm an. Mit zwei speziellen Kinderführungen im Dom und in der Magnuskirche wurde auch wieder an die jüngsten Denkmalbesucher gedacht. An der Andreaskirche, am Dom, an der Liebfrauenkirche und am Lutherdenkmal wird aus berufenem Mund über die aktuellen Restaurierungsarbeiten informiert.
Aber auch bislang noch nie gezeigte Denkmäler sind dabei, so die Lukaskirche im Norden der Stadt, die 1950 im Rahmen des damals spektakulären Notkirchenprogramms von Prof. Bartning erbaut wurde.
Worms Innenstadt:
Die doppelchörige dreischiffige Basilika mit Querhaus, Vierungsturm und vier Ecktürmen, Kapellen- und Sakristeianbauten wurde im 12. Jh. innerhalb von sieben Jahrzehnten geschaffen. Ostchor, Quer- und Langhaus stehen auf den Grundmauern des 1005 begonnenen Burcharddoms, auch in den Westtürmen noch aufgehendes Mauerwerk des ottonischen Vorgängers. Der Neubau 1130 im Osten begonnen, 1145 Ostteile bis zum ersten Langhausjoch fertiggestellt, Langhaus 1160-70, Westchor gegen 1200 vollendet; das gotische Südportal mit seinem reichen Skulpturenschmuck gegen 1300 begonnen, etwa gleichzeitig die Annen- und Georgskapelle. Weitere bedeutende Kapellen sind die hochgotische Nikolauskapelle (etwa 1280-1315), die Heiligkreuzkapelle bzw. Silberkammer (Ende 13. Jh.) sowie die spätgotische Ägidien- oder Marienkapelle (2. Hälfte 15. Jh.).
Die 1909 gestaltete Saliergruft nimmt die Sarkophage der Angehörigen und Vorfahren des salischen Kaiserhauses auf. Zur mittelalterlichen Ausstattung gehören bedeutende Steinreliefs aus dem Kreuzgang. Höhepunkt der barocken Ausstattung ist der Hochaltar nach Entwurf Balthasar Neumanns mit Figuren von Johann Wolfgang von der Auwera (1738-42); Rokoko-Chorgestühl 1755-59 vom Mainzer Hofschreiner Franz Anton Hermann.
Die Wormser Dombauhütte prägte nicht nur die übrigen romanischen Bauten von Worms, sondern beeinflusste auch die Bauten im Oberrheingebiet und im Elsaß.
Gegründet im 11. Jh., zeigt das heutige Erscheinungsbild die durchgreifende spätromanische Erneuerung am Ende des 12. Jh. mit den gotischen Veränderungen. Das Hauptportal der Pfeilerbasilika im Nordseitenschiff, der Chor von zwei mächtigen Rechtecktürmen flankiert. Anfang des 19. Jh. säkularisiert, dient der Komplex seit 1930 als Museum der Stadt Worms. Bei der Wiederherstellung der Baulichkeiten zur musealen Nutzung wurden denkmalpflegerische Kriterien besonders beachtet, der Charakter eines mittelalterlichen Stifts ist deutlich erkennbar.
Bei der Planung des in die Straßenzeile eingestellten Saalbaus mit zweigeschossigem Dachreiter von 1744 hatte sich der pfälzische Ingenieurhauptmann Johann Georg Baumgratz aus Mannheim an die Mannheimer Garnisonskirche angelehnt. Ihren Namen erhielt die Kirche aufgrund der Förderung des Baus durch König Friedrich den Großen. Mit ihren klaren barocken Formen ist sie ein charakteristisches Beispiel für den reformierten Kirchenbau dieser Zeit. Erhalten sind auch das zugehörige reformierte Pfarr- und Schulhaus von 1899 sowie das "Rote Haus" von 1624, das als Gemeindehaus dient.
Die ehem. Stiftskirche ist die einzige erhaltene der einst zahlreichen gotischen Wormser Kirchen. Die Pfeilerbasilika mit Doppelturmfassade 1276 begonnen und nach mehrfachem Planwechsel (Stifts- und Wallfahrtskirche) erst 1465 vollendet - trotz der extrem langen Bauzeit verhältnismäßig einheitlich. Sie fällt nicht nur durch die Lage in den Weingärten, sondern auch durch ihre stattliche Größe und die künstlerische Qualität und Ausgestaltung auf.
Der schlichte Saalbau 1950 als 38. der 49 "Notkirchen" nach Plänen von Otto Bartning errichtet (vgl. Mainz) und aus Spendenmitteln der amerikanischen Abteilung des Lutherischen Weltbundes finanziert. Die markante, aus Sandstein gemauerte Giebelfassade mit vorspringendem Eckturm geht auf den Entwurf von Philipp Hotz zurück. Typisch für die Zeit des Wiederaufbaus sind die klaren Formen und der Verzicht auf Zierrat.
Dreischiffige, im wesentlichen romanische Basilika spätmerowingischen Ursprungs. Bei der Zerstörung von Worms 1689 durch Mélac wurde auch die Magnuskirche niedergebrannt und erst 1756 barockisierend wiederhergestellt. Beim Bombenangriff 1945 erneute Zerstörung bis auf die Grundmauern. Der Wiederaufbau in den Jahren 1952/53 brachte innen und außen die ursprüngliche romanische Baugestalt neu zur Geltung. Der Turm wurde höher und schlanker nach einem Entwurf von Stadtoberbaurat Walter Köhler errichtet. Von der historischen Ausstattung der spätgotische Taufstein erhalten; zehn Wappengrabsteine des 15.-17. Jh., ursprünglich auf dem die Kirche umgebenden Friedhof, an den Wänden aufgestellt. Die ehem. Pfarrkirche beim Andreasstift wurde 1521 zum Ausgangspunkt der evangelischen Bewegung; sie gilt als älteste evangelische Kirche Südwestdeutschlands.
Die dreischiffige Basilika wohl schon im 1. Viertel des 11. Jh. begonnen, das heutige Erscheinungsbild gibt die spätromanische Erneuerung um 1200 wider. Das frühgotische Westportal mit Renaissance-Rahmung von 1625. Durch Stadtbrände immer wieder zerstört und wiederaufgebaut, wurde sie 1945 erneut zerstört und anschließend in ihrer ursprünglichen Form wiederhergestellt. Zur Ausstattung gehören zahlreiche mittelalterliche und frühneuzeitliche Grabsteine von Klerikern und den Kämmerern von Worms.
Die Kirche des ab 1002 von Bischof Burchard erbauten Stifts ist ein herausragendes Werk romanischer Baukunst. Neben sichtbar erhaltenen Teilen des spätottonischen/salischen Gründungsbaus (Giebelwand des Ostchors und Westtürme) ist der plastische Bauschmuck der Apsis (um 1200) besonders qualitätvoll. Im monumentalen Westbau beispielhafte spätromanisch-frühgotische Formen. Das Kirchenschiff durch Stadtbrände mehrfach beschädigt, bis 1717 als barocke Halle wiederhergestellt. Seit 1929 Dominikanerkloster. Der östliche Kreuzgangflügel tlw. noch vom Gründungsbau, Renaissancefenster, Obergeschoss mit gotischen Maßwerkfenstern um 1300.
Konzipiert als "Weltdenkmal der Reformation", geplant und errichtet 1856-68 nach Entwurf des Bildhauers Ernst Rietschel, gestiftet auf Initiative der ev. Bürgerschaft von Worms von ev. Gemeinden aus aller Welt. Luther als zentrale Figur überragt die dreiseitig angelegte Architektur aus Syenit mit Bronzefiguren.
Worms-Heppenheim:
Der fünfseitige kreuzgratgewölbte Chor 1597 vollendet, das Langhaus mit spätgotischen Maßwerkfenstern erhielt um 1700 eine kassettierte Flachdecke. Triumphbogen mit außergewöhnlich üppiger Renaissanceornamentik. Die Orgel von Wilhelm Sauer, die Glasmalereien aus der berühmten Frankfurter Werkstatt Gebr. Linnemann.
Worms-Hochheim:
Von der Anfang des 11. Jh. von Bischof Burchard gegründeten romanischen Kirche sind die drei unteren Geschosse des Westturms erhalten, ebenso die Krypta mit Altarplatte; die beiden Turmobergeschosse datieren um 1200. Anstelle des ursprünglichen Langhauses der 1609 vollendete Saal mit Maßwerkfenstern angefügt.
Worms-Horchheim:
Der in eine Grünanlage eingebettete Saalbau mit steilem Satteldach bildet zusammen mit dem östlich angeschlossenen Pfarrhaus einen bemerkenswerten Gebäudekomplex in Formen des Jugendstils, einmalig in der Wormser Umgebung. Das erhöht über einer Treppenanlage gelegene Ensemble 1907/08 vom Gustav-Adolf-Verein nach Plänen von Friedrich Becker erbaut. Im Altarraum Jugendstilornamente freigelegt.
Worms-Pfeddersheim:
Nachdem 1705 im Zuge der Pfälzer Kirchenteilung das Simultaneum eingerichtet wurde, erfolgte 1708-21 der Bau der reformierten Kirche auf den Grundmauern des mittelalterlichen Langhauses. Der ruinöse Chor, 1789 neu aufgebaut und mit beachtenswerter barocker Ausstattung, dient den Katholiken. Im schlicht eingerichteten evangelischen Teil Stumm-Orgel, gegen 1800. Die Pfeddersheimer Kirche ist eine der wenigen Simultankirchen, die mit Trennwand wieder aufgebaut wurde und unverändert geblieben ist.
Worms-Pfiffligheim:
Der Saalbau mit aufwändiger Barockfassade und kuppelbekröntem Dachreiter 1763 erbaut, der Chorraum 1936 erweitert. Die barocke Ausstattung tlw. erhalten; die spiegelgewölbte Decke mit Barockmalerei in Stuckkartuschen, das Hauptbild nach 1936, Kruzifix der 1950er Jahre von Gustav Nonnenmacher, Worms.
Worms-Rheindürkheim
Der schlichte barocke Saalbau mit sandsteingerahmten Rundbogenfenstern und dem Sandsteinrelief des Hl. Andreas über dem Portal wurde 1776 errichtet. Die Ausstattung barock; die gründerzeitlich-historisierende Orgel gegen 1900.
Außerdem:
1897-1900 von Stadtbaumeister Hoffmann im sog. "Nibelungenstil" errichteter siebengeschossiger Brückenturm der ehem. Ernst-Ludwig-Brücke, der ersten Wormser Rheinbrücke.

Von den Kämmerern von Worms, gen. von Dalberg, unter Einbeziehung älterer Bauteile im frühen 19. Jh. errichteter hochbedeutender Schlossbau mit wertvollen Bildtapeten und englischem Park.
Bedeutendster englischer Landschaftsgarten in Rheinland-Pfalz, 1788-92 durch den berühmten Gartenarchitekten Friedrich Ludwig von Sckell gestaltet, 1808 von dem gleichfalls bekannten Gartenarchitekten Johann Michael Zeyher umgestaltet. Wesentliche Gestaltungselemente sind die große Wiesenmulde, ausgedehnte Teichanlagen mit Brücken, Inseln, Kanälen und Amorgrotte, waldartige Baumbestände, Sichtachsen und Durchblicke zur St. Anna-Kapelle, zum Teehaus oder zum romantischen Schillerturm; Pleasure-Ground und Orangerie im Schlosshof.
Der "Tag des offenen Denkmals" ist ein Aktionstag der Deutschen Stiftung Denkmalschutz. Seit 1993 ist er der deutsche Beitrag zu den "European Heritage Days" unter der Schirmherrschaft des Europarats. Ziel des Tages ist es, Denkmale für ein breites Publikum zu öffnen, die sonst nicht zugänglich sind. Mit dieser Idee zählt die Aktion zu den erfolgreichsten Kulturveranstaltungen in Deutschland.
Alle Veranstaltungen am 09. September 2007 und weitere Informationen finden Sie auf der Internetseite zum
(Alle Angaben ohne Gewähr / Änderungen vorbehalten)
Bei Fragen zum Programm in Worms:
Dr. Spille, Irene
Stadtarchiv der Stadt Worms
Untere Denkmalschuzbehörde
Hintere Judengasse 6
67547 Worms
Telefon: (0 62 41) 8 53 - 47 04
Telefax: (0 62 41) 8 53 - 47 10
E-Mail: irene.spille@worms.de
Bei allgemeinen Fragen zum Aktionstag bzw. zum bundesweiten Programm:
Deutsche Stiftung Denkmalschutz
Tag des offenen Denkmals
Koblenzer Straße 75
53177 Bonn
Telefax: (02 28) 3 90 63 43