Ein Großteil der folgenden Informationen sind von der Tourist-Info Worms und den Sonderbeilagen der Wormser Zeitung, das Bildmaterial stammt vom Stadtarchiv Worms.
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Wie die überragende Leistung eines einzelnen das Schaffen der Menge ausrichten kann, so vermag erst recht auch der schöpferische Einfall einen allgemeinen oder besonderen Lebensablauf ausschlaggebend zu bestimmen. Beides braucht sich nun nicht bewußt zu vollziehen, sondern kann völlig aus dem Augenblick heraus geschehen.
Als der Mann der Feder Konrad Fischer, ein Sohn unserer Stadt, der im Jahre 1928 ihr Verkehrsdirektor geworden war, das Backfischfest gedanklich aus der Taufe hob, saß er am Stammtisch der Gaststätte "Fürst Bismarck" in der Wallstraße beim Backfischessen. Der Wirt Heiner Schreier, auch "Uschbes" genannt, und die übrige Tafelrunde werden nicht schlecht gestaunt haben, als sie den Vorschlag vernahmen, das Sedan- und später Deutsche Fest auf eine solche Art abzulösen. Aber nomen est omen, und warum sollte der Name Fischer für den Fisch, der zum Backen gefangen wird, nicht bedeutsam sein ? - Hatte sein Träger doch, der eine stattliche Erscheinung, ein erlesener Zecher und ohne seinen Schweizer Stumpen nicht zu denken war, schon als Urheber einer Nibelungen-Festspielwoche, eines Rosenfestes en miniature und als Veranstalter von Revuen, die in ihrem örtlichen Einschlag alte Wormser Originale wiederbelebten, im Festspielhaus sein musisches Wollen und Können bewiesen. Jedoch auch sein erfolgreicher Einsatz als Narrhallese und Präsident des Elferrates der Narrhalla, seine zahlreichen Zeitungsartikel, seine Lustspiele und nicht zuletzt Romane zeugten von ihm als von einem schwungvollen, fruchtbaren Jünger des Pegasos. Sein Sinn für die handgreiflichen humorigen Freuden hatte indessen auch den letzten Berliner Droschkenkutscher, nämlich den Eisernen Gustav, auf seiner Abschiedsfahrt von Berlin - Paris und zurück in die zwölf Apostel gebracht.
Weil nach Goethes Faust ein großer Vorsatz im Anfang toll scheint, bedurfte es eines ganzen Jahres, um den Einfall, den Konrad Fischer im Jahre 1932 vor den gebackenen Fischen beim Uschbes hatte, heranreifen und verwirklichen zu lassen. Hatte das in seiner ursprünglichen Idee überholte Sedan- und Deutsche Fest vier Tage gedauert, so bemaß man das geplante Backfischfest gleich auf die volle Woche zwischen dem letzten Sonntag im August und dem ersten im September. Man mißtraute ihm darum nicht nur in Schaustellerkreisen, sondern auch unter den Wormser Wirten. Der Schaustellerberuf war im Jahre 1933 noch nicht so übersetzt wie heute, und an Festlichkeiten fehlte es gerade auch nicht.
Für eine Woche schienen den Gastronomen die Wormser wiederum dem Trinken und Essen nicht gewachsen zu sein. So hielt man den Pfingst- und Allerheiligenmarkt für hinreichend, und es war ein langes, schwieriges Hin und Her erforderlich, bis das Backfischfest als solches tatsächlich im August-September 1933 steigen konnte.
Auf dem Sportgelände der Turngemeinde 1846 an der linken Wormser Brückenauffahrt hatte die Stadt den Festplatz hergerichtet. Fischers Freunde Heiner Schreier vom Fürst Bismarck und Karl Bastian vom Nibelungenhof hatten das Bierzelt, den Backfischbratstand und das Weinzelt übernommen. Auch die Schausteller waren gekommen und füllten das Viereck völlig aus. Allen Unkenrufen zum Trotz wurde das Fest zu einem bombigen Erfolg. Allein der vom Hausfrauenverein Worms am Samstag der Eröffnung durch Lena Shüßler aufgezogene Kindermärchenfestzug hatte die Wormser schon hell begeistert. Das Backfischfest war geboren und lebte.
Als sein geistiger Vater, der mittlerweile nach Mannheim berufen worden war, in den Festtagen des Jahres 1935 seinem langjährigen Adlatus Hans Schambach vom Verkehrsverein Worms begegnete, ermahnte er ihn, das Fest in seinem Sinne fortzuführen und zu erweitern. Alles, was sich mit dem Rheinstrom verbunden fühle, solle an der Volksfeier mitwirken und ihr Wesen erhalten helfen. Seine Ermahnung fiel auf einen aufnahmebereiten Boden. Denn seit dem Jahre 1949, in dem das Fest wiederauflebte, sind durch die Initiative von Hans Schambach der Gesellentanz, der Ausbau der Fischerweider Kirchenweihe, die vorher mehr ortsgebundene Angelegenheit war, das Fischerstechen, das Feuerwerk und über die Ausstellungen in der Karmeliterschule und im Gymnasium noch der Wonnegauer Weinkeller hinzugekommen.
Der Jünger hat sonach den Auftrag seines Meisters, der am 1. Januar 1945 starb und dessen Aschenurne in der Trauerhalle des Hochheimer Friedhofes in einer Wandnische beigesetzt ist, getreulich erfüllt. Konrad Fischer der im verflossenen Jahr die Achtzig erreicht hätte - seine Witwe lebt noch in Worms -, bleibt aber im Backfischfest lebendig.
Sonderbeilage der Wormser Zeitung 1957
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