Backfischfest kostete im Jahre 1933 zweihundert Mark

 

 
Bild: Der Backfischfest Platz 1933

Der Backfischfest Platz 1933

Wormser Extrapost, Kundenzeitschrift der Werbegemeinschaft Worms e.V. 1979

Erich Janson, letzter lebender Mitbegründer des Wormser Backfischfestes erzählte uns nachfolgende Geschichte aus dem Gründungsjahr des Backfischfestes.
"Ja, wenn ich Ihnen vom Jahre 1933 erzählen soll, aus Worms, als ich Pächter des Johanniterhofes in der Hardtgasse war, bleibt als erstes zu sagen, dass es damals wie auch in vielen Teilen Deutschlands, eine sehr, sehr arme Zeit war. So war der Verkehrsverein, der von dem hervorragenden Dr. Illert geleitet wurde, immer auf der Suche nach Ideen um etwas Leben nach Worms zu bringen. Ich selbst war seinerzeit Vorstandsmitglied im Wirtverein, und wurde als solcher in den Vorstand des Verkehrsvereins gewählt, und zwar als Schatzmeister. Weitere Vorstandsmitglieder waren unter anderem der Kaufmann Marzenell aus der Peterstraße und Vereinsbank Direktor Fischer. Da legte eines Tages der Geschäftsführer Konrad Fischer eine Idee auf den Tisch, das heißt, er bot uns seine Idee für 200 Mark zum Kauf an.

Nach kurzer Beratung nahmen der Vorstand das Angebot an und Konrad Fischer erläuterte uns seine Idee von einem Backfischfest, einem Fest mit Backfischen, Wein und Bier. Die Idee erschien uns allen so sehr gut, dass wir uns sofort an die Ausarbeitung machten. Als Festplatz wählten wir den Sportplatz links neben der Rheinbrücke, der immer im Winter überflutet wurde und zur Eisbahn angelegt wurde. Es wurde dort ein großes Zelt aufgebaut. Erste Pächter für Wein und Bier und einen Bratfischstand waren die Kollegen Bastian aus der Mainzer Straße und Julius Lenz vom Postplatz, der den Spitznamen "Lautsprecher" hatte, seiner mächtigen Stimme wegen.

Die beiden zerstritten sich dann zwar, aber bis zum zweiten Backfischfest wurde wieder ein Pächter gefunden. Das erste Festabzeichen ließen wir bei einer Blechwarenfabrik aus Abfällen stanzen. Es bestand aus zwei Fischen, die zu einem "W" für Worms gebogen waren. Wir verkauften das Abzeichen für 5ß Pfennige und bekamen so die gröbsten Unkosten wieder rein. Ganz allgemein war dieses erste Backfischfest schon ein guter geschäftlicher Erfolg für unsere Stadt.

Ein Erlebnis von diesem Fest habe ich nicht vergessen: Der Lastenschwinger Gammentaler zog ohne fremde Hilfe einen Acht-Meter-Möbelwagen der Firma Schuch durch die Stadt. Ich habe nach dem Krieg schon einige Male das Backfischfest besucht und hoffe es auch in diesem Jahr wieder, obwohl ich bald 84 Jahre alt werde."

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