Die Andreaskirche - genutzt für Sonderausstellungen - und die früheren Stiftsgebäude gehören zum reichen romanischen Bauerbe der Stadt und wurden seit dem Beginn des 13. Jahrhunderts neu errichtet. St. Andreas bestand zwischen der Zeit kurz nach 1000 und dem Jahre 1802 als Kollegiatstift und liegt direkt an der Stadtmauer.
Zu Beginn des 19. Jahrhunderts profaniert und von der Stadt unter anderem als Fruchtlager sowie für die Feuerwehr genutzt, wurde das vormalige Andreasstift mit seinem spätromanischen Kreuzgang in den Jahren 1928 bis 1930 umgebaut und beherbergt seither die seinerzeit der Stadt Worms geschenkten Sammlungen des Altertumsvereins. Dieser hatte seit seiner Gründung 1879 vor allem reiche archäologische Funde gesammelt, die bis heute den Schwerpunkt der Museumsbestände ausmachen. Das erste Museum richtete der Verein 1881 im vormaligen Paulusstift ein, das in den 1920er Jahren geräumt werden musste. Die Museumseinweihung fand am 01. Juli 1930, dem Tag der "Befreiung" des linken Rheinufers von französischer Besetzung, in Anwesenheit des hessischen Staatspräsidenten statt.
Nach Kriegszerstörungen am Kreuzgang ist die Sammlung nach 1945 wieder in das Museum eingezogen, das Archäologie und Stadtgeschichte miteinander verbindet.
Im "Weißen Saal" im Erdgeschoß befindet sich seit einigen Jahren das eindrucksvolle Stadtmodell, das das Erscheinungsbild der Stadt vor ihrer Zerstörung im Jahre 1689 anschaulich macht. Alte Worms-Filme der 1920er bis 1950er Jahre vermitteln einen lebendigen Eindruck von den Brüchen der jüngeren Geschichte.
In der Dauerausstellung werden zahlreiche Grabungsfunde aus Worms und der näheren rheinhessischen Umgebung aus der Jungsteinzeit (Neolithikum) und der Bronzezeit gezeigt.
Vor etwa 7000 Jahren wurden die Menschen am Rhein sesshaft und betrieben Landwirtschaft. Die seither folgenden Epochen sind durch wertvolle Grabungsfunde dokumentiert, darunter die namengebende "Adlerbergkultur" in der Bronzezeit.
Aus der Zeit um 500 v. Chr. stammen Schmuck und andere Kostbarkeiten aus Fürstengräbern Rheinhessens.
Besonders eindrucksvoll ist die Römische Abteilung des Museums. Zur Zeit des Kaisers Augustus wurde in der "Varusschlacht" 9 n. Chr. die Expansion der Römer zur Elbe hin gestoppt. In der Folge wurde der Rhein zur Grenzlinie und auch Worms erhielt eine kleine Militäranlage. Romanisierte Kelten vor allem aus Gallien besiedelten Rheinhessen.
Ab etwa 80 n. Chr. entwickelte sich das Städtchen Borbetomagus als Hauptort der Citivas Vangionum. Ein Forum (unter dem Dom), Tempel und regelmäßige Straßen wurden angelegt, die Kämmererstraße liegt auf der römischen Trasse.
Im Museum befinden sich Weiheinschriften, Altäre und Grabsteine. Töpfereien produzierten für den regionalen Bedarf, Wormser Gesichtskrüge können Sie ebenso wie Terra Sigillata und Geschirr betrachten. Ausgrabungen nach 1881 brachten prachtvolle Gläser und große Mengen anderer Funde ans Licht und ins Museum.
Sie finden in Worms
eine der größten Sammlungen
Römischer Gläser in Deutschland!
Der Wohlstand der Römerzeit endete mit den Unruhen der Völkerwanderung. Aus der Zeit nach 400 n. Chr. wurden nur wenige Objekte gefunden. Germanische Zuwanderer sind zwar schon für das späte 3. und frühe 4. Jahrhundert mit Halsringen und Kämmen nachgewiesen, jedoch bezeugen erst ab Mitte des 5. Jahrhunderts frühchristliche Grabsteine mit lateinischem Text und germanischen Namen eine neue Bevölkerung. Schließlich wurden das offenbar nur noch spärlich bewohnte Worms und Rheinhessen um 500 n. Chr. planmäßig von Franken besiedelt. Ein Burgunderreich in Worms in der ersten Hälfte des 5. Jahrhunderts gehört vermutlich der Sage an.
Wunderbaren Schmuck trugen die fränkischen Frauen, schwere Goldscheibenfibeln und bunte Halsketten. Gläserne Becher wurden wieder hergestellt und fanden als Beigaben von Gräbern ihren Weg in das Museum.
Noch in der Planung befindet sich die weitere Darstellung der Stadtgeschichte seit dem frühen Mittelalter im 2. Obergeschoss. Hier ist eine neue Dauerausstellung geplant.
Das Lutherzimmer erinnert an den Auftritt des Reformators Dr. Martin Luther im Jahre 1521 vor Kaiser Karl V. während des berühmten Wormser Reichstags.
Ein Glaskabinett präsentiert vor allem spätmittelalterliche Gläser aus Wormser Bodenfunden.
Auf die Industrialisierung und vor allem die in Worms seit der Mitte des 19. Jahrhunderts wichtige Lederindustrie wird schon jetzt eingegangen.
Zu den Museumsbeständen gehört auch die seit dem Beginn des 20. Jahrhunderts aufgebaute Städtische Gemäldegalerie mit regionaler Kunst (vor allem Malerei und Grafik), aus der Werke in wechselnden Ausstellungen gezeigt werden.
Das Museum hält auf ehrenamtlicher Basis pädagogische Angebote bereit und bietet wechselnde Sonderausstellungen.
Eine enge Zusammenarbeit wird mit dem Wormser Kunstverein gepflegt.
Traditionell engagiert sich seit seiner Gründung der Altertumsverein Worms in besonderer Weise für die Fortentwicklung des Museums.