Der Rundgang durch die jüdische Geschichte beginnt mit dem Faksimile der ältesten, im Stadtarchiv erhaltenen Pergamenturkunde. Durch sie erhielten die "Juden und übrigen Wormser" im Jahre 1074 von König Heinrich IV. Zollfreiheit.
Ausstellung: 26.05. bis 05.09.2010
Vortrag + Eröffnung: am 26.05., 19 Uhr, Eintritt frei!
Das Jüdische Museum im Raschi-Haus zeigt eine Ausstellung über ein für die jüdische Religionsgeschichte, die Musikgeschichte und die Frage nach dem jüdischen Selbstverständnis gleichermaßen spannendes Thema: die Einführung der Orgel in den Gottesdienst jüdischer Reformgemeinden und die damit verbundenen Auseinandersetzungen im 19. Jahrhundert ...mehr
Eine Veranstaltung im Rahmen der Jüdischen Kulturtage Worms (5.-26.92010) ...mehr

Zu seinem 25-jährigen Bestehen konnte das Jüdische Museum im Raschi-Haus ein besonderes Exponat erwerben: ein Gemälde der jüdischen Lehrerin Herta Mansbacher (1885-1943).

Pünktlich zum 25-jährigen Jubiläum der Einweihung des Raschi-Hauses Ende November 1982 liegt mit dem Sammelband "Raschi und sein Erbe" ein fundiertes Kompendium unseres heutigen Wissens über Raschi, seine Zeit und sein Werk vor, das aus einer guten Zusammenarbeit von Hochschule und Stadt Worms hervorgegangen ist. Der 238 Seiten starke Band kann im Raschi-Haus für 34 Euro erworben werden.
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...in Worms – das einzige im Land Rheinland-Pfalz - befindet sich im Raschi-Haus in der Hinteren Judengasse 6. Es ist in den Räumen des Erd- und des Kellergeschosses eingerichtet und befindet sich in städtischer Trägerschaft. In den Obergeschossen ist das Wormser Stadtarchiv mit seiner auch bezüglich der jüdischen Geschichte sehr reichhaltigen Fotoabteilung untergebracht. Das Raschihaus steht an der Stelle, von der man annimmt, daß sich hier das Lehrhaus befunden hat, in dem der bedeutende jüdische Gelehrte Raschi in der Zeit um 1060 studiert hat. Die museal genutzten Kellergewölbe und einige Teile des Erdgeschosses stammen aus dem späten Mittelalter, das übrige Gebäude ist ein 1982 fertiggestellter Neubau, der dem früheren Haus nachempfunden wurde.


Der Rundgang...
...durch das Museum beginnt im Ausstellungsraum im Erdgeschoß links vom Eingang. Der Raum ist der Geschichte der Wormser jüdischen Gemeinde von ihren Anfängen vor über tausend Jahren bis zum Ende der nationalsozialistischen Herrschaft gewidmet. Der Gang durch die jüdische Geschichte beginnt mit dem Faksimile der ältesten im Stadtarchiv erhaltenen Urkunde, mit der die „Juden und übrigen Wormser“ im Jahre 1074 von König Heinrich IV. Zollfreiheit erhalten haben. Mittelalterliche Urkunden, Pläne und andere Dokumente, darunter steinerne Spolien und archäologische Zeugnisse, geben einen Einblick in das Leben in dem im wesentlichen in seiner baulichen Gestalt erhalten gebliebenen Judenviertel und in die reiche und lange Geschichte der blühenden Wormser Gemeinde sowie ihre enge Verflechtung mit der Geschichte der Reichs- und Bischofsstadt Worms.

Eine Blüte...
...erlebte die liberal orientierte Gemeinde im 19. und frühen 20. Jahrhundert. Zahlreiche ihrer Mitglieder nahmen als angesehene Bürger politisch, kulturell und wirtschaftlich führende Positionen in der Stadt ein. Um so schrecklicher war der Untergang der jüdischen Gemeinde durch die Entrechtung, Verfolgung und Vernichtung ihrer Angehörigen als Folge von Antisemitismus und nationalsozialistischer Gewaltherrschaft ab 1933. Am Ende stand auch in Worms die Zerstörung der ehrwürdigen Synagoge 1938 und die Deportation der letzten Wormser Juden 1942. Das Museum veranschaulicht diese Entwicklung anhand einzelner Personen sowie durch schriftliche Dokumente, Gegenstände und Fotografien.
Das Modell des im Familienkreis gefeierten Sederabends, des Vorabends des Passahfestes, verweist auf den Auszug des Volkes Israel aus Ägypten und seine Errettung durch den Herrn.

Im südlichen Kellergewölbe...
...schließt sich eine Darstellung der wichtigsten Feiertage im Jahresablauf an. Doch voran steht der siebenarmige Leuchter (Menora), ein wichtiges Symbol für das Judentum. Der Feiertagszyklus beginnt mit dem jüdischen Neujahrsfest (Rosch HaSchana), das im Herbst gefeiert wird, gefolgt vom Versöhnungstag (Jom Kippur) und dem Laubhüttenfest (Sukkot), einem Erntedankfest. Das Modell der bewohnten Laubhütte (Sukka) verdeutlicht das Festtagsgeschehen. Für das Lichterfest (Chanukka) im Dezember stehen die Leuchter und Dreidel. Für Purim, das sich auf das alttestamentarische Buch Esther bezieht, werden die Esther-Rollen aus Pergament gezeigt sowie Geschirr und Gebäck für dieses fröhliche Fest. Für Schawuot stehen die zehn Gebote.

Am anschließenden nördlichen Gewölbe...
...wird ein Einblick in die religiösen Gebräuche gegeben, die einen Menschen durch seinen Lebenslauf begleiten. Auf die Beschneidung des neugeborenen Jungen weisen die Beschneidungswimpel hin. Die Hochzeit wird erlebbar durch ein Modell. An das obligatorische Morgengebet eines Mannes erinnern die Gebetsriemen (Tefillin). Gezeigt werden unter anderem Gebetbücher, ein Gebetsschal (Tallit) und Kopfbedeckung (Kippa). Mit einer Kapsel (Mesusa) am Türpfosten seiner Wohnung zeigt man sein Bekenntnis zum jüdischen Glauben. Die Kenntnis und das Studium religiöser Schriften sind wesentliche Lebensinhalte und Pflichten eines jüdischen Mannes, nicht nur eines Rabbiners. Den Abschluß bildet der Tod. Bemerkenswert ist der prächtige Pokal der Wormser Beerdigungsbruderschaft von 1609.

Der wöchentliche Höhepunkt...
...ist der Sabbat, er beginnt am Freitag nach Sonnenuntergang. Für die Familie ist die häusliche Sabbatfeier von hoher Bedeutung. Sowohl der Beginn am Freitag als auch der Ausklang am Samstag nach Sonnenuntergang sind anhand der Ausstellungsstücke nachvollziehbar. Die Bedeutung eines Feiertags wird durch besonders kostbare Gerätschaften hervorgehoben, die oft aus Silber gefertigt sind. Der Höhepunkt am Sabbat ist der Gottesdienst am Vormittag in der Synagoge mit der Lesung aus den fünf Büchern Moses, der Tora. Die hohe Bedeutung dieser Schrift und der Umgang mit ihr werden in einem eigenen Gewölberaum erklärt.
Anschließend...
...wird im südlichen Kellerraum in einem Modell die alte Wormser Synagoge in ihrem Zustand um 1600 gezeigt, mit weiteren Erläuterungen zur Synagogengeschichte. Ebenso wird hier der bedeutendste Student gewürdigt, der am Wormser Lehrhaus um 1060 studiert hat, der spätere Rabbi Salomon ben Isaak aus Troyes/Frankreich, genannt Raschi.
Im Erdgeschoß im Vortragsraum werden Eindrücke von den beiden Wormser jüdischen Friedhöfen vermittelt, die einen eigenen Besuch lohnen. Der Heilige Sand im Südwesten der Stadt, bereits im 11. Jahrhundert angelegt, ist der älteste erhaltene jüdische Friedhof nördlich der Alpen. Hier ruhen unter anderem bedeutende Persönlichkeiten wie der Rabbi Meir von Rothenburg (Maharam), Elia Loanz (der Baal-Schem von Worms) oder der Rabbi Jakob Mölln aus Mainz (Maharil). Beim neuen jüdischen Friedhof in Worms-Hochheim, zu Beginn des 20.Jahrhunderts angelegt, ist die bis restaurierte 2005 Trauerhalle in Formen des Darmstädter Jugendstils (1911 errichtet) herausragend. Wahlweise werden im Vortragsraum auch jüdische Bücher und interessante Faksimiles gezeigt. Sonderausstellungen des Archivs und des Museums finden hier ebenso statt wie Vorträge und ähnliche Veranstaltungen (Aktuelles).
Eine Filmvorführung...
...(DVD in deutsch und englisch erhältlich, siehe Publikationen) und eine Leseecke runden das allgemeine Informationsangebot ab. Weiterführende Informationen zu Forschungszwecken können interessierte Besucher an Wochentagen durch die Mitarbeiter im Stadtarchiv erhalten; vorherige Anmeldung ist dabei empfehlenswert.
Jüdisches Museum im Raschi-Haus Worms
Hintere Judengasse 6
67547 Worms
Telefon: (0 62 41) 8 53 - 47 01 und - 47 07
Telefax: (0 62 41) 8 53 - 47 10
E-Mail: stadtarchiv@worms.de
| Einzelbesucher: | / | Gruppen ab 10 Personen: | |
| Erwachsene | 1,50 € | / | 1,00 € |
| Jugendliche | 0,80 € | / | 0,50 € |