Das Projekt
Den Stoff zu der Geschichte um Mord, Rache und Verrat lieferte der Nibelungen-Mythos: einer der bedeutendsten Kriminalfälle der Weltliteratur, geschaffen im Mittelalter von einem unbekannten Dichter.
Seit 2002 schreibt Worms Festspielgeschichte, die deutschlandweit einmalig ist. In nur wenigen Jahren hat es Worms geschafft, sich bundesweit als Festspielstadt einen renommierten Namen zu machen.
Vor der einzigartigen Kulisse des Wormser Kaiserdoms sahen 2002 und 2003 rund 50 000 Menschen das neue Nibelungen-Stück des erfolgreichen Dramatikers Moritz Rinke in der Inszenierung von Starregisseur Dieter Wedel. In der meist ausverkauften Openair-Inszenierung wurden Bühnengrößen wie Mario Adorf, Manfred Zapatka, Maria Schrader und André Eisermann von den Zuschauern begeistert gefeiert. Ein Millionenpublikum verfolgte das packende Schauspiel um Liebe, Politik und Rache im Fernsehen.
Moritz Rinke – einer der wichtigsten zeitgenössischen Theaterautoren und Dramatiker – hatte den klassischen Stoff im Auftrag der Stadt für die Festspiele in Worms neu bearbeitet. Dabei besann er sich der ursprünglichen Erzählstränge. Der Dramatiker schuf die Vorlage für ein Bühnenspektakel, das die Nibelungen von Siegfrieds erster Begegnung mit Brünhild bis zu Kriemhilds Rache ironisch-witzig neu in Szene setzte. Im August 2002 wurde Rinkes Drama "Die Nibelungen" vor der legendären Treppe, auf welcher nach der Originalvorlage der Königinnenstreit entflammte, und vor der grandiosen Kulisse des Wormser Domes uraufgeführt. Damit kehrte die Nibelungensage an ihren Originalschauplatz zurück.
Mit viel Wagemut und Optimismus hat Worms sich auf Anhieb einen Namen als Festspielstadt gemacht und setzt diesen Weg konsequent fort. Im September 2003 konnte Theater- und Filmregisseur Dieter Wedel als Intendant der Nibelungen-Festspiele gewonnen werden.
Einem großartigen Erfolg feierten die Nibelungen-Festspiele Worms auch in den beiden nachfolgenden Jahren. Intendant Dieter Wedel holte die renommierte Theater- und Opernregisseurin Karin Beier nach Worms. Sie inszenierte 2004 und 2005 eine aufregend moderne Interpretation von Friedrich Hebbels Nibelungen-Klassiker. Zu den hochkarätigen Schauspielern der ersten beiden Jahre wurden Joachim Król, Martin Lindow und Tilo Keiner für die Festspiele verpflichtet. Karin Beier stellte in ihrem Stück das Unrecht, das Kriemhild und Brunhild widerfährt, in den Mittelpunkt des Geschehens, betonte das Aufeinanderprallen verschiedener Kulturen und hob das angeblich so deutsch-tümelnde Hebbeldrama in eine europäische Dimension mit vielen aktuellen Bezügen.
Das künstlerische Konzept des Intendanten überzeugte und begeisterte über 35 000 Zuschauer. Die Vorstellungen vor der intimeren Kulisse des Dom-Nordportales waren 2004 zu über 95 Prozent ausgelastet, 2005 waren sämtliche Vorstellungen ausverkauft. Eine spektakuläre Bühne mit technischen Raffinessen und Schachbrettelementen unterstrich die imposante Wirkung des historischen Kaiserdoms. Der Park um den Dom herum verwandelte sich in eine riesige VIP-Lounge - bunte Lichter, Wasserfontänen und klassische Klänge sorgten für eine stimmungsvolle Atmosphäre nach den Aufführungen. Das Medieninteresse war bundesweit herausragend und die Kritiken überaus positiv.
Neues Rinke-Stück in zwei Teilen
Im August 2006 hob sich der Vorhang der Nibelungen-Festspiele zum fünften Mal. Über 120.000 Zuschauer feierten Stars wie Maria Schrader, Joachim Król, Manfred Zapatka, Jasmin Tabatabai und Sonja Kirchberger. Auf der Südwseite des Doms inszenierte Dieter Wedel eine überarbeitete Fassung von Moritz Rinke mit neu geschriebenen Szenen und Schwerpunkten: "Die Nibelungen - Siegfrieds Frauen". Die Geschichte endet mit Siegfrieds Tod.
Die grausame Rache der Kriemhild war in der Fortsetzung des Stoffes im Sommer 2007 in "Die Nibelungen - Die letzten Tage von Burgund" zu sehen. Moritz Rinke erzählt darin die Geschichte einer Frau, der großes Unrecht widerfährt und die von der Tat zur Untat schreitet. Dieter Wedel inszenierte die Geschichte des Untergangs der Burgunder vor dem Nordportal des Wormser Kaiserdoms als Politthriller mit brillanten neuen Schauspielern: Dieter Mann, Ilja Richter, Anouschka Renzi, Sven Walser und Jörg Pleva waren neben Jasmin Tabatabai, Annika Pages, Roland Renner und André Eisermann zu sehen.
In 2008 wurden die beiden Stücke in einer überarbeiteten Version erstmals in einer Saison gezeigt. Ein neues, namhaftes Ensemble begeisterte das Publikum. Der Fernseh- und Theaterschauspieler Walter Plathe war vor dem Wormser Kaiserdom in der Rolle des Volker von Alzey als Sänger zu sehen. Damit wurde zum ersten Mal bei den Nibelungen-Festspielen der Liedcharakter der mittelalterlichen Vorlage betont. Eine weitere spannende Änderung: Für die beiden Stücke wurden auch Texte der klassischen Nibelungen-Fassung von Friedrich Hebbel verwendet.
Von der Komödie zur Improvisation
Nach sieben Jahren "Nibelungen" - mal klassisch, mal modern - nach vielen tragischen Liebes-, Todes- und Rachegeschichten, war es 2009 an der Zeit, die Sage um Siegfried einmal ganz anders zu erzählen. Es war Zeit für eine Komödie! Wie bei den Griechen auf die Tragödie das Satyrspiel folgte, folgte bei den Nibelungen-Festspielen in Worms "Das Leben des Siegfried" von John von Düffel – ein phantastisches Spektakel mit Musik. Ein witziger Bilderbogen, der die große Sage der Deutschen auf den Kopf stellt.
Mit der Uraufführung des Stücks "Teufel, Gott und Kaiser" beschreiten die Nibelungen-Festspiele in 2010 ganz neue Wege. Erstmals stehen nicht die Nibelungen im Mittelpunkt, sondern der deutsche Stauferkaiser Friedrich II. Auch neu: keine Regie, kein fertiges Stück - statt dessen Improvisationen über eine Zeit, in der das Nibelungenlied entstand. "Eine abenteuerliche Reise, ein Experiment" nennt Dieter Wedel das Projekt, das er mit seinem Team an jedem Aufführungsabend neu entwickeln wird.
Die Festspiele sind ein deutschlandweites Medienereignis und der Nibelungen-Stoff erlebte auch durch die Festspiele in den vergangenen Jahren eine unglaubliche Renaissance. Auf einmal scheint man das Stück wieder neu zu entdecken. Inzwischen finden sich Bearbeitungen des Werkes auf den Spielplänen etlicher deutscher Theater. SAT1 ließ die Nibelungen verfilmen, dem Spiegel waren die Nibelungen im Mai 2005 eine Titelgeschichte wert und eine Kinokomödie über den Drachentöter Siegfried feierte Premiere.
Worms hatte zum richtigen Zeitpunkt die richtige Idee, Nibelungen-Festspiele ins Leben zu rufen. Damit hat die Stadt dazu beigetragen, den Mythos einer breiten Öffentlichkeit wieder ins Bewusstsein zu rücken. Mit den Theater-Inszenierungen vor dem Dom wird das kulturelle Potential des Nibelungenerbes genutzt und in die städtische Entwicklung eingebunden. Das Openair-Ereignis hat der Stadt in kürzester Zeit einen erhöhten Bekanntheitsgrad und einen enormen Zuwachs bei den Besucher- und Übernachtungszahlen beschert. Der Imagegewinn wirkt damit auch positiv auf die städtische Wirtschaftskraft. In den vergangenen fünf Jahren verzeichnete Worms einen Anstieg an Touristen mit 30 Prozent mehr Gästen und Übernachtungen. Die Nibelungen sind nun ein unverwechselbares Markenzeichen für Worms und die Region.
Den Erfolg der vergangenen Jahre sieht die Stadt als Auftrag, den Ruf der Festspiele als kulturellen Leuchtturm der Metropolregion Rhein-Neckar und des Landes Rheinland-Pfalz weiterhin zu festigen. Dank der großen Unterstützung durch die Landesregierung und vieler privater Sponsoren sowie einer professionellen Organisation wird dieser Weg weitergeführt.
Die Nibelungen-Festspiele - einfach sagenhaft!
Und so sieht das Zukunftskonzept der Nibelungen-Festspiele aus:
2012 : Neufassung des Stücks "Jud Süß"
vor dem Wormser Kaiserdom
2013 : Uraufführung Nibelungen-Musical im
Wormser Theater und eine kleine
Darbietung vor dem Kaiserdom
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