Wussten Sie´s ?

Wonach wurde das Wormser "Kiautschau" benannt?
 
Bild: Haus im Kiautschau

Idyllisch: die ehemalige Arbeitersiedlung "Kiautschau"

Bild: Straße im Kiautschau

Über Kopfsteinpflaster geht es vorbei an Fachwerkhäuschen

Bild: Haus im Kiautschau

Pure Idylle !!!

Zauberhaftes Idyll inmitten der Stadt

Wer im Wormser Westen durch den Torbogen an der Ecke Friedrich-Ebert-Straße / Bebelstraße schreitet, gelangt in ein zauberhaftes Idyll inmitten der Stadt: in das "Kiautschau" - das ehemalige Lederarbeiterviertel der von Heyl'schen Lederwerke mit seinem kopfsteingepflasterten Sträßchen und schmucken Fachwerkhäusern.

Entstanden ist das Wohnviertel auf Initiative des Wormser Unternehmers Cornelius Wilhelm Freiherr Heyl zu Herrnsheim. Er wollte angenehme und sozialverträgliche Wohnverhältnisse insbesondere für Arbeiterfamilien schaffen. Am 15. November 1897 gründete er zusammen mit 29 anderen Wormser Bürgern die Wohnungsbaugesellschaft "Aktiengesellschaft zur Erbauung billiger Wohnungen namentlich zum Besten von Arbeitern in Worms am Rhein". 

Der damalige Stadtbaumeister Karl Hoffmann (1856-1927), der mit seinem stadtbildprägenden "Nibelungenstil" zu Bekanntheit und Ansehen gelangte und unter anderem auch die Gewerbeschule und den Wasserturm baute, gestaltete ein heute idyllisch-romantisch anmutendes Wohnquartier mit 115 Zwei-Familienhäusern mit ca. 35-50 qm Wohnfläche pro Wohnung und je einem kleinen Nutzgarten. Die Häuser wurden in Fachwerk ausgeführt und fanden internationale Beachtung.

Benannt wurde die, vom Volksmund "Kiautschau" genannte, Arbeitersiedlung übrigens zu Ehren von Kaiser Wilhelm II. nach der, an der Südküste der Provinz Schantung (Shandong) der Volksrepublik China gelegenen, Kiautschou-Bucht (chin. Jiāozhōu) - von 1898 bis 1914 deutsches Pachtgebiet mit einer Größe von 552 km2 und der Hauptstadt Tsingtau (einst Musterkolonie der Deutschen, heute Qingdao geschrieben – zu deutsch "grüne Insel").

Etwa ein Dutzend Soldaten aus Worms waren in Kiautschou stationiert, von denen die meisten 1914 für mehr als fünf Jahre in japanische Gefangenschaft gerieten.

Von Elke Schilling-Laubmeister, einer Wormserin, die heute in der Schweiz lebt, haben wir erfahren, dass noch eine seltene und bei Briefmarken-Auktionen sehr begehrte chinesische Briefmarke über dieses ehemalige deutsche Pachtgebiet K i a u t s c h o u existiert. Diese Briefmarke erreichte im Frühjahr 2010 den Versteigerungserlös von 137.000,- Schweizer Franken (rund 93.600,- Euro)

Weitere Informationen: www.tsingtau.info


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