In Worms kennen wir drei verschiedene Arten "Dollbohrer":
Für den Zimmermann war der "Dollbohrer" früher ein wichtiges Werkzeug. Aus Schmiedeeisen gefertigt, wurden damit bei Fachwerkhäusern und Dachkonstruktionen Dollen - Löcher zum Eintreiben der Holznägel - gebohrt.
"Du Dollbohrer" – dieses Schimpfwort kennt man nicht nur in Worms, auch andere Rheinhessen dürften wissen, wer oder was damit gemeint ist. Nämlich ein Mensch, der etwas stur, etwas verrückt, etwas ungeschickt oder einfach nur etwas doof ist oder sich so verhalten hat.
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Die schönste Form des "Dollbohrers" gibt es zum um den Hals hängen oder anstecken, nämlich als Schmuckstück. Es zeigt ein filigranes Figürchen, das entspannt auf einem geschwungenen "D" sitzt und mit den Beinchen zu baumeln scheint. Es entstammt der Gold- und Ideenschmiede "Kienast", die an der Nordseite des Wormser Doms (Schlossplatz) zu finden ist.
Doll|boh|rer, der
[eigtl. = Lehrling, der ausschließlich Löcher für Dollen bohrt] (ugs.): dummer, ungeschickter Mensch.
(Quelle: www.duden.de)
Folgende Anekdote schickte uns Frau E. S. (Name der Redaktion bekannt) per E-Mail:
In meiner Schulzeit (beginnend 1946) waren die Kriegs- und Gefangenschaftsjahre bei denen, die das Glück hatten, heimkehren zu können, noch allgegenwärtig und lebendig in ihren Köpfen. Sie machten sich durch Erzählungen bei jeder Gelegenheit etwas Luft. So erzählte uns unser Studienrat u. a. einmal eine wahre Begebenheit im Zusammenhang mit dem Ausdruck Dollbohrer:
Er war in russische Gefangenschaft geraten, in ein völlig überfülltes Lager. Von dem Elend, das dort herrschte, musste nicht weiter erzählt werden. Die Hoffnung lag danieder, die Stimmung entsprechend.
Plötzlich hörte unser Studienrat von weit her einen ungehaltenen Ausruf "Du Dollbohrer !"
Unser "Dollo", wie wir ihn seither liebevoll nannten, schrie mit aller Kraft, die ihm noch verblieben war zurück und wollte wissen, wo und wer der Wormser Dollbohrer sei. Wegen diesem Schimpfwort fanden sich zwei Wormser weitab der Heimat, unter ganz erbärmlichen und hoffnungslosen Zuständen. Die beiden waren überaus glücklich und dieses Zusammentreffen, das Spüren, nicht alleine zu sein, half mit, die schwere Zeit durchzustehen.
Seine Geschichte hatte bewiesen, dass sogar ein Schimpfwort nicht prinzipiell eine Beleidigung sein muss.
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