... mit besonderer städtebaulicher Bedeutung
Neben anderen Artikeln zum Thema Parks und Gärten finden Sie auch diesen im Heimatjahrbuch Worms 2011.
Die Ringanlagen entlang der historischen Stadtmauer sind die wohl bedeutendsten Grünflächen der Wormser Innenstadt. Ihre Geschichte reicht bis ins Jahr 1000 zurück als Bischof Burchard nicht nur die Stadtmauer sanieren ließ, sondern diese zusätzlich mit einem Verteidigungsgraben umgab.
Die erste Umgestaltung des Stadtgrabens in eine gärtnerische Anlage / Promenade erfolgte zwischen 1850 und 1860. Der Zustand vor der Umgestaltung wird wie folgt beschrieben:
"Rings um die alte innere Mauer zog sich dieser Graben. Je weiter er nach Osten und dem Rhein zu kam, desto feuchter wurde er. Sein Gestank war übel. Denn er diente den Bürgern als Müllkippe. Allerlei Viehzeug tummelte sich darin, nicht nur geschätzte Haustiere. Da er verkrautet und an einigen Stellen wie beim Turmrest Luginsland recht tief war, diente er allerlei lichtscheuen Gestalten ebenso zum Versteck wie abenteuerlustigen Buben zum beliebten Spielplatz...." (Reuter 1978, S.25).
Promenaden waren in der Gartengestaltung des 19. Jahrhunderts wichtige gestalterische Elemente. Sie werden als schmale, langgestreckte Gärten, die einen Weg begleiten, beschrieben. Auf Promenaden soll man "mit Genuss zwischen Blumen und im Schatten der Bäume lustwandeln können" (Migge 1913, S.32).
Anlässlich der Einweihung des Lutherdenkmals im Jahr 1868 erfolgte die Gestaltung des umgebenden Platzes. Dessen Formgebung ist im wesentlichen bis heute erhalten geblieben.
Um 1900 wurde schließlich der Torturmplatz gebaut.
Eine weitere Umgestaltung der Ringanlagen erfolgte von 1924 bis 1928. Sie prägt noch heute ihr Aussehen. Bei dieser Neugestaltung wurden die Anlagenteile Hindenburg-Anlage (heute Willy-Brandt-Ring), Bismarck-Anlage (heute Lutherring) und Moltke-Anlage (heute Adenauerring und 118er Anlage) neu gestaltet. Ausgenommen von der Umgestaltung blieb der Lutherplatz. Vorgesehen war 1928 auch eine Umgestaltung des Martinsplatzes (heute Herta-Mansbacher-Anlage), die aber nicht zur Ausführung kam. Nach Fertigstellung stellte man wohlwollend fest: "Die Wormser Promenaden sind zu einem Anziehungspunkt geworden" ( Pink 1929, S. 33-35).
1932 wurde in die damalige Moltke-Anlage das 118er Denkmal als Endpunkt der Mittelachse integriert.
Nach dem 2. Weltkrieg wurde der Torturmplatz 1950 umgestaltet. Der ursprünglich ovale Platzbereich wurde nun rechteckig. Im gleichen Jahr entstand am Lutherring das Mahnmal für die Opfer des Faschismus.
Als Folge des stark zunehmenden Straßenverkehrs wurde in den 1960er und 70er Jahren an verschiedenen Stellen in die Strukturen der Ringanlagen eingegriffen. 1961 wurde die Kreuzung Andreasstraße/Lutherring ausgebaut. 1962 wurde die Stephansgasse zu Lasten des Heylshofparks verbreitert. Ende der 1960er Jahre wurde der Grünzug zwischen Adenauerring und 118er Anlage durch den Bau einer Straße durchschnitten. Weitere Straßenverbreiterungen erfolgten an verschiedenen anderen Stellen der Ringanlagen.
Mit wachsendem Verständnis für die Gartendenkmalpflege wurden ab Ende der 1980er Jahre und besonders seit 2000 eine Reihe von Sanierungsmaßnahmen durchgeführt. So wurde der Parkplatz hinter dem 118er Denkmal rückgebaut und in einen Stadtplatz mit wassergebundenem Belag umgewandelt. Gleichzeitig erfolgte eine Öffnung des Senkgartens am Adenauerring nach Osten hin.
Im Zuge der Umgestaltung des Obermarktes wurde der Bereich zwischen den Verkehrshäuschen saniert. Die kleineren Plätze beiderseits der Andreasstraße wurden ebenso erneuert, wie die Brunnenplätze am Adenauerring. Dabei konnten gleich 2 Brunnen reaktiviert werden. Die Sanierung des Torturmplatzes in Anlehnung an die ovale historische Form war ein weiterer wichtiger Schritt, den repräsentativen Charakter der Anlage zurück zu gewinnen. Gleiches gilt für den Bereich des Willy-Brandt-Rings zwischen Andreastor und Valckenbergstraße. Durch Entfernen des weitgehend wild aufgegangenen Gehölzaufwuchses konnten wichtige Sichtbeziehungen zur Stadtmauer und zum Andreasstift wiederhergestellt werden. Hier gilt, wie auch in vielen anderen historischen Anlagen das Zitat von Fürst Pückler: "Ein guter Gärtner braucht eine scharfe Axt".
Was wäre eine Parkanlage ohne Pflanzen?
Aus diesem Grund wurden fast in allen Teilen der Ringanlagen die Pflanzungen erneuert. Viele Koniferen - Modepflanzen der 60er und 70er Jahre - wurden durch Blütengehölze und Staudenpflanzungen ersetzt. Am Willy-Brandt-Ring und Lutherring wurden die Alleen erneuert.
Schließlich werden die Blumenbeete insbesondere auf dem Lutherplatz und am Adenauerring nach immer neuen Farbkonzepten im halbjährlichen Wechsel neu gestaltet.
Beim Gang durch die Ringanlagen erschließt sich dem Besucher die wechselvolle Geschichte einer der ältesten Städte Deutschlands. Darin liegt sicherlich, neben dem Wert für Naherholung und Kleinklima die besondere städtebauliche Bedeutung dieses innerstädtischen Grünzuges. Hier ist man 'zu Fuß durch 2 Jahrtausende' unterwegs.
Ebenso abwechslungsreich wie die Historie ist aber auch die gärtnerische Gestaltung der Anlagenteile. Während beispielsweise dem Adenauerring ein symmetrisches Konzept mit strenger Mittelachse zu Grunde liegt, ist der Willy-Brandt-Ring als Spazierweg landschaftlicher Prägung gehalten. Hervorzuheben sind dabei die wechselnden Blickbeziehung zum Beispiel zum Dom, zum Andreasstift und zur Stadtmauer. Die Artenvielfalt der Bäume auf dem Lutherplatz soll die weltweite Ausbreitung des Reformationsgedankens wiederspiegeln.
Wünschenswert wäre in den kommenden Jahren eine Weiterführung der gartendenkmalpflegerischen Sanierungsmaßnahmen insbesondere hinsichtlich der Wege- und Platzbeläge. Des Weiteren besteht nach Erwerb des ehemaligen Weinbergs zwischen Wergers Eck und Andreastor nun die Möglichkeit, den oberen Stadtmauerweg weiterzuführen – ein Bereich mit enormem gestalterischem und touristischem Entwicklungspotential. In Verbindung mit dieser Maßnahme könnte auch dieser Teil des Willy-Brandt-Rings in gleicher Weise wie der Abschnitt zwischen Andreastor und Valckenbergstraße saniert werden.
Quellen:
Erich Kulling
E-Mail: erich.kulling@worms.de
Abteilung: 6.7 Grünflächen und Gewässer
Telefon: (0 62 41) 8 53 - 6702
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