LOS Mikroprojekte im Wormser Süden

Im Juni 2004 wurde durch den Oberbürgermeister der Stadt Worms, Herrn Michael Kissel, der Startschuss für die soziale Stadtentwicklung Wormser Süden gegeben. Die Stadt Worms, Stadtvorstand und Stadtrat,  hatten sich zusammen mit den Partnern Wohnungsbau GmbH und Diakonischem Werk Worms-Alzey entschieden, das Quartier Boosstraße/Horchheimer Straße im Wormser Süden als „Pilotstandort“ baulich und sozial aufzuwerten und die räumliche Ausgrenzung aufzuheben. In diesem ehemals zur Unterbringung von armen und obdachlosen Menschen vorgesehenen  Wohngebiet -  einer „Insel“ im Gewerbegebiet  -  sollten Menschen unterschiedlicher Kulturen, Familien mit Kindern sowie Alleinstehende gut miteinander leben können und Anschluss an das Gemeinwesen der Stadt Worms finden. Federführend für das Projekt war und ist der Bereich 5 - Soziales, Jugend und Wohnen  der Stadt Worms.
 
Bild: Karte des Fördergebietes Wormser Süden

Karte des Fördergebietes Wormser Süden

Verbesserung der Wohn- und Lebensbedingungen

Das Diakonische Werk Worms-Alzey, das zum damaligen Zeitpunkt schon über 20 Jahre eine Spiel- und Lernstube im Wohngebiet verantwortete, wurde mit der Einrichtung des Stadtteilbüros und der Einstellung des Quartiermanagers beauftragt. Das Stadtteilbüro konnte im September 2004 eröffnet werden und hat sich seitdem als Beratungs- und Anlaufstelle sowie kleines Bildungszentrum für die Bewohnerinnen und Bewohner entwickelt. Zahlreiche investive Maßnahmen wie z.B. Wohnungsmodernisierung, Wohnumfeldgestaltung, Bau von Bolz- und Spielplatz wurden mit aktiver Beteiligung von Kindern, Jugendlichen und Erwachsenen und in enger Vernetzung aller Akteure geplant und umgesetzt. Dadurch haben sich die Wohn- und Lebensbedingungen der Menschen bereits jetzt erheblich verbessert, die Identifikation auch der Bewohnerinnen und Bewohner mit Migrationshintergrund mit ihrem Quartier ist gewachsen und auch die Wahrnehmung der Siedlung in der Öffentlichkeit hat sich positiv entwickelt.

Logo: Lokales Kapital für soziale Zwecke

Bild: Logo des Bundesministeriums für Familie, Senioren, Frauen und Jugend

Bild: Logo des Europäischen Sozialfonds

Mikroprojekte im Wormser Süden

Diese Erfolge wären ohne die Mikroprojekte im Rahmen von Lokalem Kapital für Soziale Zwecke (LOS) nicht möglich gewesen! Die Stadt Worms und ihre Partner stiegen mit dem Wormser Süden bereits Mitte der Förderperiode 2004/2005 ein und schrieben den Lokalen Aktionsplan bis zum jetzigen Abschluss von LOS entsprechend der Bedingungen vor Ort jährlich fort. Die Vielfalt der Projekte, die trotz des kleinen Fördergebietes in diesen 3 ½ Jahren durchgeführt wurden, soll diese Broschüre verdeutlichen. Der Begleitausschuss  als stabiles und kompetentes lokales Netzwerk -  legte stets großen Wert darauf, dass an Erfahrungen der jeweils vorangegangenen Förderperioden angeknüpft und die Projekte weiterentwickelt wurden. Die Verknüpfung zwischen dem „Investitionsprogramm“ Soziale Stadt mit LOS war stets durch die gute Zusammenarbeit zwischen dem städtischen lokalen Koordinator, dem Quartiermanager  und den Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern der Spiel- und Lernstube optimal gewährleistet.

Bild: Teilnehmerstatistik der LOS Mikroprojekte in den Jahren 2004-2008

Teilnehmerstatistik der LOS Mikroprojekte in den Jahren 2004-2008

Bild: Teilnehmerinnen stellen ihr Mikroprojekt bei der Frauen-Infobörse vor

Teilnehmerinnen stellen ihr Mikroprojekt bei der Frauen-Infobörse vor

Bild: Am Ende jeder Förderperiode wurden die Ergebnisse der Mikroprojekte bei der Abschlussveranstaltung im Stadtteilbüro Wormser Süden präsentiert

Am Ende jeder Förderperiode wurden die Ergebnisse der Mikroprojekte bei der Abschlussveranstaltung im Stadtteilbüro Wormser Süden präsentiert

Wirkungen der Mikroprojekte

Doch was hat die Verknüpfung der beiden Programme sowie die gute Zusammenarbeit der Akteure und Projektträger bewirkt?
  • Bewohnerinnen und Bewohner  vor allem auch die Menschen mit Migrationshintergrund, im Wohngebiet ein Anteil von ca. 30 %  konnten die Effekte sozialer Stadtentwicklung in der Veränderung ihrer persönlichen Situation unmittelbar wahrnehmen, bauliche und infrastrukturelle Veränderungen gingen einher mit persönlicher Bildung und Qualifizierung.
  • Besonders Frauen mit Migrationshintergrund fanden im Stadtteilbüro erstmals (trotz z. T. 15 Jahre Aufenthalt in Deutschland) Rahmenbedingungen für Bildung und Lernen vor, die ihren persönlichen familiären und kulturellen Voraussetzungen  entsprachen. Sie lernten Deutsch, Umgang mit dem Computer und setzten sich mit ihrer gesundheitlichen Situation und derer ihrer Familie auseinander.  Sprechen und Verstehen waren wiederum Bedingung für Kommunikation mit der Nachbarschaft, mit dem Vermieter, mit Ämtern, aber auch z.B. in einem Praktikum.
  • LOS-Projekte setzten niedrigschwellig an der Verbesserung von Chancen auf dem Ausbildungs- und Arbeitsmarkt an. Einige Projekte waren unmittelbar verknüpft mit den Wohnungsmodernisierungs- und Wohnumfeldmaßnahmen, wo einige Bewohnerinnen und Bewohner an der Verbesserung ihres eigenen Wohngebietes mitwirken konnten, auch wenn dies leider letztendlich kaum den unmittelbaren Zugang zum Arbeitsmarkt bewirkte. Die Jobberatung als „Vor-Ort-Anlaufstelle“ reduzierte jedoch unmittelbar die Hemmschwelle, nach langer Arbeitslosigkeit neue Chancen auszuloten und sich zu bewerben.
  • Projekte für und mit Jugendlichen verbesserten deren Chancen in der Schule und auf Ausbildung sowie in der Freizeit. LOS-Projekte unterstützten die bereits vorhandenen Ansätze in der Spiel- und Lernstube und förderten die Beteiligung von Jugendlichen an den vielfältigen Veränderungen im Wohngebiet (Bau von Spiel- und Bolzplatz). Einige Jugendliche wurden in Zusammenhang mit ihrer Projektteilnahme in Ausbildungs- und Praktikumsstellen vermittelt. Das Trommelprojekt hatte neben den Wirkungen für die Jugendlichen selbst wichtige Effekte in Richtung Öffentlichkeit. Die Trommelgruppe wurde mit ihren Auftritten in der Öffentlichkeit zu einem Botschafter für eine positive Entwicklung des Quartiers.
  • Die LOS-Projekte stützten den Ansatz der Gemeinwesenarbeit und Bewohnerbeteiligung des Stadtteilbüros. Sie wurden verknüpft mit den vielfältigen Aktivitäten im Stadtteil wie z.B. Bewohnertreffen, Arbeitsgruppen und Festen. So gelang es immer wieder Synergieeffekte für eine positive Entwicklung zu erzielen. -    Der trägerübergreifende und vernetzte LOS-Ansatz förderte die Netzwerkbildung zur integrierten Stadtteilentwicklung insgesamt.

Bild: Im Rahmen des Mikroprojektes

Im Rahmen des Mikroprojektes "Frauen aktiv" entstand die Broschüre "Gesundheit im Alltag"

Kritische Anmerkungen

Eine ehrliche Bilanz erfordert auch kritische Anmerkungen:
  • Mit strukturierten, regelmäßigen Bildungs- und Qualifizierungsangeboten im Vorfeld von Beschäftigung waren die ehemals obdachlosen Bewohnerinnen und Bewohner nur schwer zu erreichen. Sie beteiligten sich eher an offenen und punktuellen Angeboten mit geringer Verbindlichkeit.
  • Projekte sind dann erfolgreich, wenn sie aus den von Bewohnerinnen und Bewohnern als erforderlich angesehenen Bedarfen entwickelt, gut vorbereitet und kompetent geleitet werden. Voraussetzungen sind auch ein „guter Draht“ zur Zielgruppe und realistische Ziele. Projekte, die diese Bedingungen nicht erfüllen kommen entweder gar nicht zustande oder versanden unterwegs. Auch im Wormser Süden gab es Projekte, die ihre Ziele nicht erreichten.
  • Leider ist es seither nicht gelungen, das Fördergebiet Wormser Süden auszuweiten und von einer Quartiers- zu einer Stadtteilentwicklung zu kommen. Das kleine Fördergebiet schränkte die Entwicklung von Projekten stark ein.Mit strukturierten, regelmäßigen Bildungs- und Qualifizierungsangeboten im Vorfeld von Beschäftigung waren die ehemals obdachlosen Bewohnerinnen und Bewohner nur schwer zu erreichen. Sie beteiligten sich eher an offenen und punktuellen Angeboten mit geringer Verbindlichkeit.


Bild: Oberbürgermeister Michael Kissel im Interview mit einem Teilnehmer des Mikroprojektes

Oberbürgermeister Michael Kissel im Interview mit einem Teilnehmer des Mikroprojektes "Urban:Net - Fernsehen im Stadtteil"

Resümee

Projektarbeit erfordert immer auch die Frage nach der Perspektive und Nachhaltigkeit. Der Begleitausschuss hat sich regelmäßig mit dieser Frage befasst und Wert darauf gelegt, dass die Projektansätze Nachhaltigkeitswirkung haben. Mit Abschluss der Förderperiode wird deutlich, dass dies in den meisten Fällen gelungen ist, z.B. durch Integration der Sprachförderung in die Struktur der Volkshochschule (Integrationskurse, „Mama lernt deutsch“), durch Fortführung der Trommelgruppe in ehrenamtlicher Regie, durch Übernahme durch Bewohnerinnen und Bewohner in Eigenregie sowie durch Weiterentwicklung über neue Förderprogramme (Modellvorhaben Soziale Stadt Rheinland-Pfalz, evtl. auch über Biwaq). Vielleicht bietet ja auch ein angekündigtes weiteres LOS-Programm ab 2009  die Chance, an Bestehendem anzuknüpfen und neue Ideen zu verwirklichen.

Ich danke allen im Rahmen von LOS tätigen Akteuren, Projektträgern, Kursleiterinnen und Kursleitern, Mitglieder im Begleitausschuss und nicht zuletzt den Projektteilnehmerinnen und -teilnehmern für die vertrauensvolle und gute Zusammenarbeit. Es ist uns gemeinsam gelungen Potentiale zu entdecken und zu fördern, wie wir sie wohl kaum für möglich gehalten hätten. Besonders danke ich dem lokalen Koordinator der Stadt Worms, Herrn Lothar Krauß, der mit dem Ende des Förderzeitraums den Bereich der Sozialen Stadt verlässt. Die Zusammenarbeit war ausgezeichnet.

Jürgen Maier
Quartiermanager

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