Am Freitagabend, 08. Januar 2010 fand im Wormser Rathaus die traditionelle Neujahrsbegrüßung statt, in deren Rahmen Oberbürgermeister Michael Kissel sechs engagierte Bürgerinnen und Bürger mit der Verdienstmedaille der Stadt Worms auszeichnete.
Mit der Verdienstmedaille der Stadt Worms ausgezeichnet wurden Elisabeth Amelunxen, Ursula Müller, Ruth Spiegel, Hans Wilhelm Born, Ahmet Arif Cengelköy sowie Johann Kurt Scherzer.
Mit dieser vom Stadtrat geschaffenen Auszeichnung werden langjährige hervorragende Verdienste um die Stadt Worms gewürdigt. Die Geehrten sollen durch fortdauernde Leistungen und Tätigkeiten das Wohl der Stadt und ihrer Bürger in hervorragendem Maße gefördert haben und fördern oder durch eine besondere Tat unter persönlichem Einsatz die Allgemeinheit vor Schaden bewahrt haben.
Lesen Sie hier die Vorschlagsbegründungen der geehrten Personen:
...Maria Elisabeth Amelunxen, Ursula Müller und Ruth Spiegel (PDF)
Sehen Sie hier eine Bildergalerie zur Neujahrsbegrüßung 2010
Lesen Sie hier die Rede von Oberbürgermeister Michael Kissel zur Neujahrsbegrüßung 2010:
Im Namen der Stadt Worms darf ich Sie auch von dieser Stelle herzlichst begrüßen. Ihnen allen und Ihren Familien wünsche ich ein glückliches und erfolgreiches Jahr 2010!
Es freut mich, dass Sie in so großer Zahl meiner Einladung gefolgt sind. Die meisten kennen sich seit vielen Jahren. Deshalb bitte ich um Ihr Verständnis dafür, dass ich mir hinsichtlich der individuellen Begrüßung erneut Zurückhaltung auferlege.
Stellvertretend für alle ehrenamtlich tätigen Mitbürgerinnen und Mitbürger begrüße ich die sechs Persönlichkeiten, die heute für ihr langjähriges, dem Gemeinwohl dienenden Wirken mit der Verdienstmedaille der Stadt Worms ausgezeichnet werden, namentlich
Ihnen und Ihren Angehörigen gilt mein besonders herzlicher Gruß. Auf die Gründe Ihrer Auszeichnung werde ich im weiteren Verlauf näher eingehen.
Es freut mich, dass ich einige Persönlichkeiten in neuer Funktion erstmals in diesem Kreis begrüßen kann. Herzlich willkommen heiße ich
2009 wird als „Krisenjahr“ in Erinnerung bleiben. Es stand ganz im Zeichen der weltweiten Talfahrt der Finanz- und Wirtschaftsmärkte. Die Folgen waren und sind auch in unserer Stadt deutlich: in manchen Unternehmen Kurzarbeit und Zurückhaltung bei eigentlich geplanten Investitionen, Insolvenzverfahren und die Furcht vieler Arbeitnehmer um ihren Arbeitsplatz.
Die Folgen der Krise haben längst auch die kommunalen Haushalte erreicht. Zunehmend sind vor allem die Städte nicht in der Lage, ihren Pflichtaufgaben ohne neue Defizite nachzukommen. Auch die Haushalts- und Finanzentwicklung der Stadt Worms ist empfindlich betroffen. Für 2010 müssen wir gegenüber 2008 nahezu mit einer Halbierung unserer Steuereinnahmen bei gleichzeitig weiter steigenden Sozialen Kosten rechnen.
Die konjunkturellen Indikatoren für Deutschland lassen indessen hoffen, dass nun das Schlimmste vorüber sein könnte. Für 2010 wird wieder mit einem bescheidenen Wachstum gerechnet. Auch der Arbeitsmarkt hat sich bislang als erfreulich robust erwiesen.
Aber die Krise ist noch nicht überwunden. Es muss damit gerechnet werden, dass es auf dem Arbeitsmarkt einen gewissen „Nachlaufeffekt“ geben und es noch bis in das Jahr 2011 hinein dauern wird, bevor die Gesamtlage sich wieder bessert. Wichtig ist, dass jetzt rasch eine an den Belangen der von Arbeitslosigkeit betroffenen Menschen orientierte Regelung für die Organisation der Jobcenter gefunden wird.
Der staatliche Schutzschirm für systemrelevante Geschäfts- und Landesbanken und die Konjunkturprogramme des Bundes und der Länder waren - bei aller berechtigten Kritik in manchen Details - unvermeidbare Maßnahmen der Gegensteuerung.
Wir haben für unsere Stadt die Möglichkeiten des Konjunkturpakets II komplett ausgeschöpft und eine Reihe von zusätzlichen Projekten an Kindertagesstätten und Schulen realisiert bzw. auf den Weg gebracht. Mein Dank gilt in diesem Zusammenhang dem schnellen und entschlossenen Handeln der Verantwortlichen im Bund und in den Ländern und ich freue mich, dass ich Herrn Bundestags-abgeordneten Klaus Hagemann sowie die Landtagsabgeordneten Frau Kathrin Anklam-Trapp und die Herren Jens Guth und Adolf Kessel in unserer Mitte begrüßen kann.
Ich danke den Abgeordneten für ihren Einsatz um unsere Belange. Allerdings werden diese Maßnahmen der konjunkturellen Gegensteuerung und der Stabilisierung der Finanzwirtschaft mit einer unvorstellbaren Staatsverschuldung erkauft. Eine gewaltige Hypothek ohne zeitnahe Tilgungsperspektive.
Wie angesichts dieser Entwicklungen und der ohnehin schon chronischen Unterfinanzierung der Kommunen weitere Steuer-entlastungen möglich sein sollen, bleibt vorerst offen. Kommunale Amts- und Mandatsträger fühlen sich mittlerweile in einer Opferrolle und die Verabschiedung von Resolutionen mit der Forderung nach einer Finanzreform wird immer mehr zu einem Akt der symbolischen Hilflosigkeit. Der interkommunalen Zusammen-arbeit in der Region kommt deshalb weiter wachsende Bedeutung zu . Es freut mich, dass ich in diesem Zusammenhang Landrat Ernst Walter Görisch und meine Bürgermeisterkollegen aus der kommunalen Nachbarschaft begrüßen kann.
Dass die Bürger bislang auf alle Krisenmeldungen relativ gelassen reagieren, muss kein Nachteil sein. Schließlich spielen Stimmungen für die Wirtschaft eine nicht unwichtige Rolle. Insofern haben die Maßnahmen der staatlichen Gegensteuerung auch beruhigende Wirkung entfaltet. Allerdings ist auch das Anspruchsdenken gegenüber der Stadt von allen Katastrophenmeldungen relativ unberührt. Und es gibt mehr denn je den Wunsch nach Information, Teilhabe und Einfluss auf politische Entscheidungen. Die Reaktionen auf Entwicklungen in unserer Stadt sind dafür ein deutlicher Beleg – auch wenn manche Meinungsäußerungen nicht immer nur von Zustimmung geprägt sind.
Die Schulstrukturreform des Landes werden wir nach einer langen und auf breiter Basis geführten Diskussion nun auf den Weg der schrittweisen Realisierung bringen. Dass die strukturellen und gesetzlichen Vorgaben des Landes, die pädagogischen Ambitionen der Schulen, die Komplexität unserer Schullandschaft und die finanziellen Rahmenbedingungen dabei manchen Kompromiss erforderten, liegt auf der Hand.
In den vergangenen Jahren haben wir gewaltige Investitionen in die Sanierung, Modernisierung und den Ausbau unserer Schulen getätigt. Dies wird auch weiterhin der Fall sein. Auch wenn wir nicht überall gleichzeitig tätig sein können, die Qualifizierung der Bildungslandschaft bleibt im Mittelpunkt des städtischen Handelns. Gleiches gilt für die Erweiterung des Kindertagesstättenangebotes. Für die Verwirklichung des Rechtsanspruches für 2-jährige, für den Ausbau des Krippenangebotes und weitere Ganztagsangebote werden wir kontinuierlich bestehende Einrichtungen modernisieren und erweitern sowie neue KiTas bauen. Das Familienzentrum im Liebenauer Feld ist dabei ein erstes deutliches Signal.
Die mit viel ehrenamtlicher Beteiligung geführte Diskussion in der Erarbeitung eines Konzeptes für Klimaschutz und Energieeffizienz ist ein wichtiger Beitrag für die Vereinbarkeit von wirtschaftlichem Denken und ökologischer Vernunft. Allen Beteiligten gilt mein herzlicher Dank für ihre engagierte Mitarbeit. Schwerpunkte in der Umsetzung werden weiterhin die energetische Gebäudesanierung, ein Energie-Effizienz-Netzwerk für die Wormser Industriebetriebe, der verstärkte Einsatz regenerativer Energiequellen sein. Ein Klimaschutzbeauftragter soll die kontinuierliche Umsetzung begleiten.
In manch weiteren Feldern der städtischen Entwicklung können wir gute Fortschritte verzeichnen:
Damit bin ich bei den „Aufregerthemen“ des Jahres 2009, die neben allen anderen durchaus positiven Entwicklungen die öffentliche Stimmung zu prägen scheinen. Die Meinungen könnten dabei vielfältiger und gegensätzlicher nicht sein. Ich will dies an wenigen Beispielen verdeutlichen:
Verantwortung und damit verbundene Entscheidungskompetenzen gehen Hand in Hand, sind zugleich aber eingebunden in ein dicht geknüpftes Regelwerk und demokratische Strukturen.
Diese Beispiele verdeutlichen die Vielfalt städtischen Lebens und das Spannungsfeld, in dem Verwaltung und Politik heute agieren, stets aufmerksam begleitet durch die Presse- und Medienakteure. Gleichwohl darf dies nicht dazu verleiten, jeder Stimmungseruption zu folgen und die Grundlagen eines verantwortlichen Handelns zu verlassen.
Es sind andere Themen, die mindestens ebenso Anlass für Aufregung und Sorge um gesellschaftliche und soziale Stabilität bieten:
Die Schlussfolgerungen für städtisches Handeln liegen auf der Hand: die Investition in die Stabilisierung familiärer Strukturen, in die Jugend- und Stadtteilarbeit, in alle Formen der Bildung, in Projekte wie das Modell „Soziale Stadt“, in die Ordnungs- und Sicherheitsprävention, ebenso in die Stärkung des Wirtschafts-standorts sind wichtiger denn je.
Denn alleine an diesen wenigen Beispielen wird deutlich: für die Menschen sind im weitesten Sinne Sicherheit und Gerechtigkeit elementare Bedürfnisse und damit die maßgeblichen Elemente der gesellschaftlichen und demokratischen Statik.
Die im Zusammenhang mit der Krise angesprochene robuste gesellschaftliche Gemütsverfassung kann deshalb auch als Zeichen eines sich ausbreitenden Orientierungslosigkeit gedeutet werden. Die erschreckend rückläufigen Beteiligungen an Wahlen jeder Art sind besorgniserregende Signale von Desinteresse und schwindendem Vertrauen.
Es gibt dafür keine einfachen Erklärungen. Der Wandel von Lebensbedingungen und Lebenseinstellungen, die immer größere Komplexität von politischen Problemkonstellationen, Ängste vor sozialem Abstieg, das Gefühl des Ausgeliefertseins gegenüber Mechanismen der Globalisierung, der Frust über Verantwortungs-losigkeit und ungenierte Selbstbedienungsmentalität der sog. Eliten – um nur einige Ursachen für Orientierungslosigkeit und der Erosion des Wertegefüges anzusprechen.
Wir dürfen vor dieser Entwicklung nicht die Augen verschließen, müssen in unserer jeweiligen Verantwortung den „Auftrag zum Führen“ mit dem „Sammeln“ verbinden. Anders gesagt: Das Streben nach „Wir-Gefühl“ und die glaubwürdige Vermittlung von Zuversicht sind gefragt.
SWR-Reportage: „Ihre Meinung?“ – „Ich bin dafür!“ Als Signal einer positiven Grundeinstellung.
Bei allen Herausforderungen, die das neue Jahr mit sich bringt, sind Zuversicht und Gestaltungswille angebracht. Und es stehen viele Ereignisse bevor, auf die sich die Wormser und unsere Gäste freuen können:
Unsere Stadt ist und bleibt lebendig und lebenswert. Daran wirken viele mit.
Das Ehrenamt ist ein besonderer gesellschaftlicher Reichtum. In Worms engagieren sich viele Menschen - darunter erfreulich viele junge Leute - in gemeinnützigen Projekten, arbeiten über Jahre und Jahrzehnte ehrenamtlich in sozialen, kirchlichen, kulturellen oder sportlichen Vereinen und Verbänden oder in der Freiwilligen Feuerwehr.
Damit wende ich mich an die Persönlichkeiten, die wir wegen ihrer Vorbildfunktion heute in besonderer Weise würdigen und ehren wollen.