Sie waren einst bedeutende Stätten jüdischer Gelehrsamkeit: die SCHUM-Städte Speyer, Worms und Mainz. Als solche wollen sie gemeinsam in die Liste des UNESCO-Welterbes aufgenommen werden. Ein entsprechender Antrag wird im Herbst 2012 gestellt. Eine Entscheidung ist frühestens 2019 zu erwarten.

Im Jahr 2004 hatte der Wormser Oberbürgermeister Michael Kissel vorgeschlagen, für Speyer, Worms und Mainz als die für die Entwicklung des aschekenasischen Judentums bedeutenden SCHUM-Städte mit ihren jüdischen Denkmälern die Aufnahme in die UNESCO-Welterbeliste zu betreiben. Im „Raschi-Jahr“ 2005 wurde die Wormser Initiative bekräftigt und nach intensiver Prüfung und Abstimmung mit den beteiligten Städten hatte Ministerpräsident Kurt Beck den Wormser Vorschlag 2006 in sein Regierungsprogramm aufgenommen.
Im Herbst 2012 wird nun bei der Konferenz der Kultusminister die Aufnahme des SCHUM-Projektes in die deutsche Vorschlagsliste beantragt. Die UNESCO entscheidet frühestens im Jahr 2019 über die deutschen Vorschläge.
Im Jahre 1146 hat eine Versammlung in Troyes den Rabbinaten dieser drei Städte am Rhein die höchste Autorität in religiös-kultischen und rechtlichen Fragen zugesprochen. Die hier erarbeiteten Vorschriften galten als verbindlich und wurden 1220 auf einer weiteren Versammlung in Mainz im „Takkanot-Schum“ verschriftlicht.
In Worms befindet sich mit dem Jüdischen Friedhof Heiliger Sand das älteste erhaltene Denkmal der SCHUM-Tradition. Das ehemals jüdische Viertel mit der Judengasse, der 1961 wieder aufgebauten mittelalterlichen Synagoge und dem Jüdischen Museum im Raschihaus ist von der Struktur noch gut erkennbar. Von besonderem Denkmalwert ist auch die Jugendstiltrauerhalle auf dem neuen jüdischen Friedhof.
Im Vordergrund der bisherigen Vorbereitungen stand und steht daher die wissenschaftliche Aufarbeitung der Grabsteine auf dem Heiligen Sand, die unter anderem in einem Buch dokumentiert werden wird.
Ein gemeinsam mit dem Deutschen Nationalkomitee für Denkmalschutz veranstalteter Studentenworkshop im September 2010 hat sich kreativ mit der stadtplanerischen Weiterentwicklung des jüdischen Viertels beschäftigt.
Im Herbst 2011 wird im Mainzer Landesmuseum eine von der Landesdenkmalpflege ausgerichtete Tagung zu den SCHUM-Städten stattfinden.
Etwa 86.000 Besucher/innen pro Jahr interessieren sich für die jüdischen Stätten in Worms inklusive des Jüdischen Museums. Dazu kommt das Publikum der jährlich im September stattfindenden jüdischen Kulturtage und anderer Veranstaltungen von Warmaisa, der Jüdischen Gemeinde und der Stadt Worms. Vom 4. bis 25 September 2011 finden die Jüdischen Kulturtage zum sechsten Mal statt.
Überregionale Aufmerksamkeit erhofft sich Oberbürgermeister Kissel zudem vom 50. Jahrestag des Wiederaufbaus der Wormser Synagoge. Um den 03. Dezember 2011 ist zu diesem „national bedeutsamen Jubiläum“ ein besonderes Festprogramm geplant. Schließlich war die Wormser Synagoge das erste jüdische Gotteshaus, dass nach Ende des Krieges wieder aufgebaut wurde.
Ein von Oberbürgermeister Michael Kissel nunmehr berufener verwaltungsinterner Arbeitskreis aus Mitarbeitern des Archivs, der Stadtplanung, des Tourismus und des Stadtmarketings beschäftigt sich vertiefend mit der Ausarbeitung von Maßnahmen zur Gestaltung und Schärfung des Wormser Profils innerhalb des Welterbeantrags.
Der Leiter des Instituts für Stadtgeschichte, Prof. Dr. Gerold Bönnen, wurde von Kissel zum Beauftragten der Stadt für den Welterbeantrag berufen, während Kulturkoordinator Volker Gallé im Büro des Oberbürgermeisters die Geschäftsführung übernimmt. Die kultur-touristischen Elemente der Wormser Aktivitäten sollen aus einer Zielgruppenanalyse entwickelt werden.
„Zunächst muss im Vordergrund stehen, dass die Profile der Städte Speyer, Mainz und Worms über die Landesebene in einem rheinland-pfälzischen Gesamtkonzept aufeinander abgestimmt werden“, erklärt Kissel.
Einer von Erfurt ins Gespräch gebrachten Beteiligung an einem Welterbeantrag steht der Wormser Oberbürgermeister zurückhaltend gegenüber. „Die Stadt Erfurt hat zwar eine bedeutende jüdische Geschichte im Mittelalter, ebenso wie Köln, Prag oder Regensburg, aber Erfurt ist keine SCHUM-Stadt“, so Kissel.
Man dürfe das Alleinstellungsmerkmal von Speyer, Worms und Mainz nicht leichtfertig verwässern, um die Erfolgaussichten eines Antrags nicht zu gefährden. Die Frage, ob Erfurt in die Initiative der SCHUM-Städte passe, könne daher nur durch eine wissenschaftlich fundierte Begründung beantwortet werden, die kläre, wieso das SCHUM-Profil insbesondere durch Erfurt erweitert werden müsse, so Michael Kissel abschließend.
Davon unberührt sei die Bereitschaft der Stadt Worms, an einem Netzwerk von Städten mit jüdischer Geschichte und Kultur in Deutschland mitzuarbeiten.
Aschkenasim - (deutsch: Aschkenasen) Hebräische Selbstbezeichnung von West- und Ostjuden, die eine gemeinsame religiöse Tradition und Kultur verbindet. (Quelle: wikipedia)
SCHUM-Städte - Die jüdischen Gemeinden der drei rheinischen Städte Speyer, Worms und Mainz bildeten im 11. und 12. Jahrhundert den Bund der SCHUM-Städte (SCHUM aus den Anfangsbuchstaben ihrer hebräischen Namen: Sin für Spira = Speyer, Waw für Warmaisa = Worms und Mem für Magenza = Mainz). Aufgrund ihrer zentralen Bedeutung für die jüdischen Gemeinden in Zentraleuropa gelten sie als Geburtsstätte der aschkenasischen religiösen Kultur und werden auch als das Jerusalem des Westens bezeichnet. (Quelle: wikipedia)
Beauftragter der Stadt Worms für den Welterbeantrag
Prof. Dr. Gerold Bönnen
(Leiter des Instituts für Stadtgeschichte)
Geschäftsführung
Kulturkoordinator Volker Gallé