Ansprache des Oberbürgermeisters der Stadt Worms

anlässlich der Verkehrsfreigabe der neuen Wormser Rheinbrücke am 12. September 2008
 

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Bild: Oberbürgermeister Michael Kissel bei der Verkehrsfreigabe

Oberbürgermeister Michael Kissel bei seiner Ansprache zur Verkehrsfreigabe am Freitag, 12.09.2008

Es gilt das gesprochene Wort:

Sehr geehrter Herr Bundesverkehrsminister Wolfgang Tiefensee,
sehr geehrter Herr Ministerpräsident Kurt Beck,
sehr geehrte Herren Landes-Verkehrsminister Dr. Alois Rhiel und Hendrik Hering,
sehr geehrte Damen und Herren Abgeordnete der Parlamente,
sehr geehrter Herr Knoop,
liebe Kolleginnen und Kollegen Landräte, Bürgermeister und Mandatsträger aus der kommunalen Nachbarschaft,
vor allem aber: liebe Mitbürgerinnen und Mitbürger von links und rechts des Rheins

Kein Zweifel: der heutige Tag, an dem wir die Fertigstellung der neuen Brücke über den Rhein feiern, wird in die Geschichte der Stadt Worms und der Region als ein historisches Datum eingehen.

So wie die erste Schiffsbrücke vor 153 Jahren, so wie die vor 108 Jahren gefeierte Fertigstellung der im 2. Weltkrieg sinnlos zerstörten Ernst-Ludwig-Brücke und so wie die 1953 errichtete und jetzt zur Generalsanierung anstehenden Nibelungenbrücke, steht dieses beeindruckende Projekt für ein Jahrhundertereignis – nicht nur für Worms und die Region, sondern auch für Rheinland-Pfalz und Hessen - und ich habe den Eindruck: auch für den Bundesverkehrsminister ist dies kein alltägliches Ereignis.

Namens der Stadt Worms heiße ich Sie alle auf das Herzlichste auf dieser schönen neuen Wormser Rheinbrücke willkommen!

Mit dem heutigen Tag geht ein seit Jahrzehnten währender Wunsch in Erfüllung.

Seit Anfang der 60er Jahre wurde eine zweite Rheinquerung diskutiert und in komplexen Planungsverfahren bearbeitet. Die Geschichte dieses stolzen Bauwerks ist mit manchen Enttäuschungen verbunden. Dass die Realisierung schließlich gelungen ist, daran haben viele Anteil.

Meine Vorgänger im Amt des Oberbürgermeisters - von Heinrich Völker über Günter Kuhfuß, Wilhelm Neuß und zuletzt Gernot Fischer - haben dieses Projekt, gemeinsam mit Stadtrat und Verwaltung, im Dialog mit den zuständigen Behörden und den hessischen Nachbarn, mit Unterstützung der Abgeordneten und Verantwortlichen der Wirtschaft, konsequent verfolgt und vorangetrieben, bis es 1993 zum Baurecht und schließlich im Jahr 2004 zur Sicherstellung der Finanzierung durch den Bund kommen konnte.

Die letztendlich entscheidenden Verhandlungen führten MP Kurt Beck mit OB Gernot Fischer und MdB Klaus Hagemann und dem früheren Landtagsabgeordneten Ernst Günter Brinkmann.

Wir ernten heute also die Früchte der beharrlichen Vorarbeit vieler. Ihnen allen gilt mein ausdrücklicher Dank!

Auch die Stadt Worms hat ihren Anteil geleistet:

Mit dem seit den 80er Jahren entwickelten Rahmenplan für die Neugestaltung des Rheinuferbereiches und der Fortschreibung des Verkehrskonzeptes hat die Stadt wichtige Beiträge zu dem strategischen Gesamtkonzept geliefert.

Mit der Verlegung des Schirrhafens, der Neugestaltung des Festplatzes, dem Ausbau der Vangionenstraße und eine Vielzahl weiterer Maßnahmen im anschließenden städtischen Straßennetz wurden - mit wirkungsvoller Unterstützung durch das Land Rheinland-Pfalz - maßgebliche Vorleistungen für den Brückenbau und die noch laufende Verlegung der Bundesstraße 9 erbracht.

Seit dem symbolischen Spatenstich im Mai 2005 konnte man mit Genugtuung das kontinuierliche Wachsen der neuen Brücke verfolgen. Viele Menschen haben daran interessiert und voller Respekt für die Kunst der Ingenieure und das anspruchsvolle Handwerk der Brückenbauer Anteil genommen.

Die bei einem Bauwerk dieser Komplexität fast naturgemäß auftretenden Hemmnisse und Schwierigkeiten wurden souverän und ohne nennenswerte Verzögerungen gemeistert. Jetzt ist die neue Brücke endlich da. Sie ordnet sich geschmeidig und wie selbstverständlich in das Gesamtensemble ein. Ein gelungenes Werk!

Dank und Anerkennung gilt deshalb dem für das Gesamtprojekt verantwortlichen Landesbetrieb Mobilität sowie allen an Planung und Bau beteiligten Ingenieuren, Baufirmen und ihren Mitarbeitern.

Sie können auf ihre Arbeit stolz sein!

Die kreuzungsfreien Anbindungen der Bundesstraßen 9 und 47 sind noch in der Bauphase. Aber es lässt sich bereits erahnen, wie sich das Gesamtkonzept aller Maßnahmen einschließlich der nunmehr zur Sanierung anstehenden Nibelungenbrücke und der danach vorgesehenen Neugestaltung des Rheinuferbereiches künftig präsentieren wird.

Die gesamte Stadteingangssituation und der Erholungsraum am Rhein erfahren damit eine völlig neue und hochwertige Qualität. Worms rückt wieder näher an den Rhein! Und dies wird die Attraktivität der Innenstadt als Zentrum der Möglichkeiten weiter steigern. Mehr denn je gilt das Motto „Worms blüht auf!“

Und ich bin – gemeinsam mit meinen rechtsrheinischen Kollegen - ebenso zuversichtlich, dass das Land Hessen in diesem Zusammenhang auch die Ortsumgehung Rosengarten und den weiteren Ausbau der B 47 forcieren wird, damit die künftig vierspurige Rheinquerung ihre Verkehrsfunktion uneingeschränkt erfüllen kann.

Auch auf der rheinland-pfälzischen Seite haben wir noch Lücken zu schließen, um diese Ost-West-Achse als leistungsfähige Verbindung und infrastrukturelle Lebensader der Region zu komplettieren. Das Planungsfeststellungsverfahren für die B 47 – Südumgehung Worms ist ein in diesem Zusammenhang wichtiges Teilelement – auch für die Entlastung der Wormser Innenstadt.

Doch heute steht die Freude über diese neue Brücke im Vordergrund! Sie ist ein wichtiger Meilenstein im Verkehrskonzept unserer Stadt und ein starker Impuls für die aufstrebende Stadtentwicklung und für das wirtschaftliche Leben in der Region.

Diese Brücke trägt der gestiegenen und weiter steigenden Nachfrage nach Verkehrsleistungen in einer europäisch und global agierenden und damit auf Mobilität angewiesenen Wirtschaft Rechnung.

Diese Brücke verstärkt die Verbindungen zwischen den länderübergreifenden Europäischen Metropolregionen Rhein-Neckar und Rhein-Main und rückt Worms und den Landkreis Bergstraße vom Rand in die Mitte dieses Wirtschaftsraumes.

In Worms und in der Region haben wir also uneingeschränkt Anlass, uns gemeinsam über die Fertigstellung der neuen Wormser Rheinbrücke zu freuen.

Wie vor 153, vor 108 und vor 55 Jahren wollen wir dieses Jahrhundertereignis mit einem zünftigen Bürgerfest feiern. Ich danke schon jetzt allen, die sich als Organisatoren, Sponsoren und ehrenamtlich Aktive daran beteiligen. Bis Sonntag Abend haben wir ein buntes Programm, aber auch Gelegenheit, uns vor der dann beginnenden Sanierung von der holpernden Nibelungenbrücke zu verabschieden.

Es freut mich, dass viele, die 1953 als Schülerinnen und Schüler dabei waren und sich noch an die Kakao- und Brezelgabe erinnern heute wieder Anteil nehmen. Allerdings: Heute gibt es für die von damals aufbewahrten und mitgebrachten Henkelkrüge natürlich keinen Kakao, sondern Wormser Riesling.

Ganz besonders freue ich mich jedoch über die heute teilnehmenden Kinder, für die wir diese Brücke gebaut haben. Deshalb werden stellvertretend für die künftig verantwortlichen Generationen Selina Thomas und Stephan Beling von der Schillerschule Lampertheim sowie Havva Abay und Justin Schneider von der Ernst-Ludwig-Schule Worms gleich auch beim symbolischen Bandschnitt assistieren.

Zuvor darf ich jedoch Herrn Bundesverkehrsminister Wolfgang Tiefensee, Herrn Ministerpräsident Kurt Beck, die Landesverkehrsminister Dr. Rhiel und Hering, die „zuständigen“ Bundestagsabgeordneten Frau Lambrecht und Herrn Hagemann, Herrn Bernard Knoop für alle an Planung und Bau beteiligten Ingenieure und Firmen darum bitten, sich dem Anlass gemäß in das Goldene Buch der Stadt Worms einzutragen. Danach sind Sie alle eingeladen, das Bauwerk zu erkunden.

Möge unsere neue Brücke lange Bestand haben!!!

 

Michael Kissel

Oberbürgermeister der Stadt Worms



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