Interview mit Volker Roth

(Geschäftsführer der wfg)

 
Bild: Volker Roth

Volker Roth im Gespräch

Ist eine Standortbroschüre in der vorliegenden Form im digitalen Zeitalter noch zeitgemäß?

Nach meiner Auffassung durchaus. Zwar hat die Kommunikation und Information über das Medium Internet sich seit Erscheinen der letzten Standortbroschüre weiter rasant entwickelt. Der Bedeutung dieses Mediums wird am Standort Worms auch dadurch Rechnung getragen, dass eigenständig oder in Kooperation mit benachbarten Gemeinden die Versorgung mit schnellen Datenleitungen auch für Gewerbetreibende in kleineren, vom Zentrum weiter weggelegenen Stadtteilen ermöglicht wird.

Dennoch spielen die Printmedien bei der Information über den Standort weiter eine große Rolle. Sie ermöglichen den Zugang zu allen Kundengruppen und sind in bestimmten Kommunikationen, beispielsweise bei Messen, hervorragend einsetzbar.


Was kennzeichnet die Entwicklung in Worms in den letzten beiden Jahren?

2009 gab es bei der wirtschaftlichen Entwicklung in Worms wie in der Bundesrepublik insgesamt eine Flaute. Expansionswillige Unternehmen legten ihre Pläne auf Eis, die Nachfrage nach Gewerbegrundstücken ging gegen Null. Erfreulich war nur, dass sich kurz zuvor angesiedelte Betriebe gut etablieren konnten, wie etwa das WEP (Wormser Einkaufspark) an der Schönauerstraße und dass gleichzeitig die Krise bei den Handelsunternehmen auch in der Innenstadt nicht zu massiven Verlusten führte.

Kaufhof und Woolworth erwiesen sich, vielleicht auch durch die Nachbarschaft zur Kaiserpassage, als so stabil, dass sie weitergeführt wurden. Auch der früher von Quelle betriebene Handel am Marktplatz hat so gute Aussichten, dass er von Beschäftigten im Rahmen einer Existenzgründung weitergeführt wurde. Alles in allem hatten wir Anlass, mit der Entwicklung des Einkaufsstandortes Worms zufrieden zu sein.

2010 verbesserte sich die Lage langsam. Industriebetriebe, die zuvor von der Liquidation bedroht waren, erwiesen sich als zukunftsfähig und mit der Fa. ROWE, die am Standort eine Produktionsstätte errichten will, in der bis zu 240 Menschen qualifizierte Beschäftigung finden, hat die Wirtschaftsförderung in Worms ein echtes „High light“ aufzuweisen. Auch bei ROWE war die verkehrsgünstige Lage der Stadt mit den Möglichkeiten, sowohl den Wasserweg als auch die Bahn zu nutzen, der ausschlaggebende Faktor für die Ansiedlung.


Wie geht es für die Wirtschaftsförderungsgesellschaft weiter?

Die Wirtschaftsförderung in Worms ist in den letzten Jahren Schritt für Schritt neu strukturiert worden. Öffentliche, halböffentliche und private Institutionen, die sich der Wirtschaftsentwicklung und dem Standortmarketing verschrieben haben, wurden konsolidiert.

Die Werbegemeinschaft Worms wurde in den Stadtmarketing Verein übergeleitet. Der Verkehrsverein Worms, dessen Geschäftsführung ich zeitweilig innehatte, hat seine Aufgaben zum Teil dem Stadtmarketing Verein übertragen und damit zur Stärkung dort beigetragen. Andere Teile der Aufgaben wurden von der Tourist-Information übernommen. Tourist-Information und Gründungszentrum wiederum wurden im Rahmen eines Zusammenschlusses in die neue wfg überführt.

Stadtmarketing und Wirtschaftsförderung sind eng verknüpft mit der Wormser Kultur- und Veranstaltungs GmbH sowie der Öffentlichkeitsarbeit, der Abteilung Messen und Märkte und der Kulturkoordination der Stadt Worms. In einer regelmäßig tagenden gemeinsamen Runde werden Konzepte aufeinander abgestimmt und auf kurzem Wege Entscheidungen getroffen. Das macht sich zum Beispiel bei der gemeinsamen Planung der Messeauftritte für die Nibelungenstadt positiv bemerkbar.

Auf Basis dieser strukturellen Verbesserungen einerseits und in Verbindung mit der aktiven Grundstücksvorratspolitik andererseits ist die Wirtschaftsförderung für die Aufgaben der nahen Zukunft gut aufgestellt. Mittel- bis langfristig stehen umfassende Projekte auf der Tagesordnung, die die Wirtschaftsförderung teils initiiert und leitet, teils begleitet. Dazu zählt die Bereitstellung neuer Flächen für die Gewerbeansiedlung oder in enger Kooperation mit der Abteilung Stadtentwicklung die Beschäftigungsförderung, besonders vor dem Hintergrund der demografischen Entwicklung und den Anforderungen, die sich im Rahmen von Migration und Integration ergeben.


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