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Urogynäkologische Fachgesellschaft gegründet

20.03.2017

Ärzte des Beckenbodenzentrums Rheinhessen am Klinikum Worms fungieren als Gründungsmitglieder der Deutsch-Tansanischen Urogynäkologischen Fachgesellschaft.

Gemeinsames Operieren beim Fistula-Workshop in Tansania. (Quelle: Klinikum Worms) 
Gemeinsames Operieren beim Fistula-Workshop in Tansania. (Quelle: Klinikum Worms)

Ärzte aus Worms als Experten in Afrika

Zusammenarbeit und Wissensaustausch über Kontinente hinweg – für die Experten des Beckenbodenzentrums Rheinhessen am Klinikum Worms ist dies eine Selbstverständlichkeit. Prof. Dr. Thomas Hitschold, Ärztlicher Direktor und Chefarzt der Frauenklinik des Wormser Klinikums, und sein Kollege Dr. Rainer Lange sind im Januar 2017 bereits zum zweiten Mal als Vertreter des Beckenbodenzentrums Rheinhessen nach Dar-es-salaam in Tansania/Afrika gereist, um wertvolles Fachwissen weiterzugeben und neue Erfahrungen mit nach Hause zu nehmen. 

Grund für die Reise der beiden Mediziner war die Bildung einer neuen Deutsch-Tansanischen Urogynäkologischen Fachgesellschaft, als deren Gründungsmitglieder Prof. Dr. Thomas Hitschold und Dr. Rainer Lange fungierten.

 

„Fistula-Programm“ ins Leben gerufen 

„Tansania, das ehemalige Deutsch-Ostafrika, ist eines der ärmsten Länder dieser Welt. Trotzdem hat es für seine Verhältnisse ein relativ gutes Gesundheitssystem für akute Erkrankungen. Chronische Erkrankungen und Behinderungen hingegen bleiben oft auf der Strecke“, erklärt Dr. Rainer Lange. „Insbesondere Fisteln – das sind Verbindungen zwischen der Harnblase oder dem Darm und der Scheide – sind in Entwicklungsländern, wie Tansania, das urogynäkologische Problem Nummer eins. Die Gebärenden haben in der Regel keine Chance, unter der Geburt ein Hospital zu erreichen, wo man einen Kaiserschnitt durchführen könnte. Entweder weil das nächste Hospital vielleicht 100 Kilometer entfernt ist und es keine Straßen gibt, oder weil die Familie es aus traditionellen Gründen ablehnt, sie in ein Hospital zu bringen. Nach einer oft mehrere Tage dauernden, verzögerten Geburt ist das Kind tot und der Beckenboden der Gebärenden zerstört, sofern sie überhaupt überlebt. Damit ist nicht nur die Gesundheit der Frau, sondern auch ihr Leben im Allgemeinen ruiniert. Als Frau, die nach dortiger Auffassung offenbar kein Kind zur Welt bringen kann, ist sie für den Mann und die Gesellschaft wertlos. Die Frauen werden gänzlich ausgegrenzt und fristen ihr Leben in einer Hütte am Dorfrand von Almosen.“

Bereits vor einigen Jahren wurde mit Hilfe von Sponsorengeldern ein „Fistula-Programm“ ins Leben gerufen. „Ziel war es, die einheimischen Ärzte auf dem Gebiet der Fistel-Operationen zu schulen, die Informationen zu den Patientinnen zu bringen und die betroffenen Frauen wieder in die Gesellschaft zu integrieren“, berichtet Prof. Dr. Thomas Hitschold weiter. „Dank dieser Initiative ist die Zahl der Fisteloperationen in den letzten drei Jahren auf ca. 600 pro Jahr angestiegen.“

Das CCBRT-Hospital in Dar-es-salaam – einer Metropole Tansanias mit ca. 2,5 Millionen Einwohnern – ist eines der wenigen Referenzhospitäler von Fisteloperationen in Afrika, das Ärzte aus anderen Ländern der Dritten Welt in dieser Operationstechnik ausbildet. Prof. Dr. Thomas Hitschold und Dr. Rainer Lange waren so bereits Anfang 2016 gemeinsam mit einer Delegation deutscher Gynäkologen im CCBRT-Hospital in Tansania zu Gast: „Dass Europäer nach Afrika kommen ist nichts Ungewöhnliches. Dass sie aber kommen um etwas zu lernen, was die Tansanier besser können, war für die tansanischen Kollegen ein Novum. Die Fisteloperationen, die die deutsche Delegation mit den tansanischen Ärzten gemeinsam ausführten, waren sehr beeindruckend. Die Expertise der afrikanischen Kollegen im Fistelverschluss und unsere Expertise hinsichtlich der Beckenbodenfunktionalität ergänzten sich sehr gut“, so der Chefarzt weiter. „Ein afrikanischer Kollege ist zwischenzeitlich auch zu einer Hospitation bei uns im Klinikum Worms gewesen.“

Fachtagung in Tansania / Ultraschallgerät übergeben

Auch das Treffen anlässlich der Gründung der Deutsch-Tansanischen Urogynäkologischen Fachgesellschaft war daher kein einseitiger Wissenstransfer, sondern vielmehr fruchtbarer Wissensaustausch, wie Prof. Dr. Thomas Hitschold weiter erklärt: „In Dar-es-salaam entsteht derzeit ein neuer Hospitaltrakt für Frühgeburten. Am Klinikum Worms wird ja bekanntlich ein Perinatalzentrum der höchsten Versorgungsstufe betrieben. In Ergänzung zum Fistel-Workshop wurde daher auch eine wissenschaftliche Veranstaltung von der deutschen Delegation organisiert und durchgeführt, bei der es neben der Gründung der gemeinsamen Fachgesellschaft um besonders drängende Fragen in Gynäkologie und Geburtshilfe in Deutschland bzw. Europa genauso ging wie um die medizinischen Themen, die in Tansania relevant sind wie allgemeine Gesundheitsversorgung, Schwangerenbetreuung, Geburtshilfe, Neugeborenenversorgung usw.“

Besonders interessant war die Gegenüberstellung der beiden von Prof. Dr. Thomas Hitschold dargebotenen Vorträge, einerseits über medizinische Leitlinien zum Schwangerschaftsdiabetes und andererseits über Frühgeburtlichkeit und Schwangerschaftsvorsorge in Deutschland und Tansania. Dr. Rainer Lange, der zum Sekretär der neuen Fachgesellschaft gewählt wurde und Dr. Naumann, der Präsident der Gesellschaft, referierten über diagnostische und therapeutische Optionen bei Beckenbodenschwäche und Harninkontinenz. Ärzte aus dem CCBRT-Hospital sprachen über die medizinische Grundversorgung in Tansania und über Fisteloperationen. Dr. Andrea Pembe, der Präsident der tansanischen gynäkologischen Gesellschaft (AGOTA) nahm auch an der Tagung teil und zeigte damit das Interesse seiner Fachgesellschaft an der Arbeit der deutschen Frauenärzte und an den zukünftigen gemeinsamen Projekten.

Anlässlich dieser Tagung wurde an das Hospital in Dar-es-salaam ein nagelneues von einer deutschen Firma gespendetes Ultraschallgerät übergeben, dessen Transportkosten der Lions-Club in Alzey übernommen hatte.