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Wie geht es weiter mit dem Feldhamster?

08.05.2017

Der Feldhamster vom Hohen Stein hatte sich vor wenigen Jahren weit über die Stadtgrenzen hinaus einen Namen gemacht. Und wie steht es heute um den Nager?

Auf dem Hohen Stein zwischen Pfeddersheim und Heppenheim hätte das für Worms so wichtige Gewerbegebiet entstehen sollen. Letztendlich scheiterte das Vorhaben quasi in letzter Minute an einer dort lebenden Feldhamster-Population. Inzwischen stehen jedoch auch die Chancen für das Überleben der Population schlecht - trotz hoher Investitionen in den Erhalt.  
Auf dem Hohen Stein zwischen Pfeddersheim und Heppenheim hätte das für Worms so wichtige Gewerbegebiet entstehen sollen. Letztendlich scheiterte das Vorhaben quasi in letzter Minute an einer dort lebenden Feldhamster-Population. Inzwischen stehen jedoch auch die Chancen für das Überleben der Population schlecht - trotz hoher Investitionen in den Erhalt.

Überlebenschancen der Hamster gering

Riesengroß war 2013 die Aufregung in Worms um das geplante Technologiegebiet am Hohen Stein; das politisch umstrittene, aber seit rund 20 Jahren geplante Projekt scheiterte schließlich endgültig an einer Feldhamster-Population auf dem Areal. 

Heute, vier Jahre später, zieht Oberbürgermeister Michael Kissel eine ernüchternde Bilanz: "Dieselben Experten, die damals der Hamster-Population gute bis sehr gute Entwicklungschancen eingeräumt hatten - obwohl damals noch keine konzeptionell abgesicherten Schutz- und Entwicklungsmaßnahmen stattfanden - und das Vorkommen des Feldhamsters nach allen gutachterlichen Untersuchungen in der Tat der einzig verbliebene Ausschlussgrund für die Ausweisung eines Gewerbe-, Industrie- und Technologiegebietes am Hohen Stein war, schlagen heute Alarm im Hinblick auf das Wohlergehen der Tiere", berichtet der Stadtchef. Denn laut aktueller Erkenntnisse ist die Population so klein, dass die Überlebenschancen des Nagers am Hohen Stein gegen Null gehen.  

Seit dem Jahr 2016 seien enorme Gelder aus naturschutzrechtlichen Ersatzzahlungen in ein Feldhamsterschutzprojekt investiert worden, so Kissel. 2016 belief sich die Summe auf insgesamt 79.000 Euro, davon alleine 60.000 Euro für die Bereitstellung von 10 ha Eigentumsflächen der Stadt, womit durch entsprechende Zahlungen an die Pächter in jährlicher Rotation jeweils 5 ha als hochwertige Maßnahmenflächen in Form von Luzerne- und Blühstreifen aufgewertet werden, sowie weitere knapp 19.000 Euro für entsprechende Zahlungen an die Eigentümer (Landwirte) weiterer Flächen.

 

Weitere Zahlungen werden fällig

Nach aktueller Erkenntnis sei damit bislang dennoch keine Verbesserung hinsichtlich der Überlebensperspektiven der Hamster erreicht worden, bedauert der OB.

Ab 2017 werden zudem weitere Zahlungen in Höhe von jährlich rund 19.000 Euro fällig, konkret für die Umsetzung von 100 Stoppelstreifen und die professionelle Projektbegleitung.  Für die vom Umweltministerium geplante Laufzeit von 20 Jahren werden für Zahlungen an die Landwirte insgesamt Mittel in Höhe von 510.964,16 Euro aus naturschutzrechtlichen Ersatzzahlungen bereitgestellt. An Vorlaufkosten für ein Feldhamsterschutzkonzept wurden bislang rund 8.000 Euro im Jahre 2013 und weitere 5.400 Euro im Jahre 2015 verausgabt. Diese Planungskosten wurden mit zweckgebundenen Ersatzzahlungen der Firma Juwi finanziert.

"Die Vorstellung, die Population durch Nachzüchtungen „aufzupäppeln“, wie es momentan diskutiert wird, halte ich aufgrund von Erfahrungen aus ähnlichen Versuchen für wenig aussichtsreich. Nachzuchten haben in entsprechenden Versuchen in anderen Landesteilen kaum eine Chance, sich in freier Natur zurechtzufinden", erläutert OB Kissel.  

"Wenn das Artenschutzprogramm angesichts der ernüchternden Erkenntnisse weitergeführt werden sollte, halte ich eine kritische Evaluation der Entwicklung angesichts der eingesetzten Gelder für unabdingbar. Es wäre kaum zu verantworten, mehr als eine halbe Million Euro in ein Projekt ohne wirkliche Erfolgsaussichten zu investieren", betont der Stadtchef. 

Ungeachtet dessen sehe er auch im Falle des Scheitern des Feldhamsterschutzprogrammes zeitnah und ohne eine breite politische Willensbekundung, an der es zuletzt angesichts der inszenierten Proteste ebenfalls gefehlt habe, keine realistische Chance, das Projekt GTiP „Am hohen Stein“ erneut aufzugreifen.