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Ausstellung "Tianjin-Kiautschau"

19.05.2017

Die Stadt Worms zeigt gemeinsam mit dem Tianjin Museum of Modern History, China, die Ausstellung "Tianjin-Kiautschau; Aufbruch in die Moderne".

Das Wormser "Kiautschau", eine ehemalige Lederarbeitersiedlung, bestehend aus putzigen Fachwerkhäuschen und liebevoll gestalteten Vorgärtchen im Wormser Westen. 
Das Wormser "Kiautschau", eine ehemalige Lederarbeitersiedlung, bestehend aus putzigen Fachwerkhäuschen und liebevoll gestalteten Vorgärtchen im Wormser Westen.

Interessierte Bürgerinnen und Bürger sind zur Eröffnung der Ausstellung herzlich eingeladen.

Geschichte von Vision und Tatkraft

Die Ausstellung unter dem Titel „Tianjin-Kiautschau; Aufbruch in die Moderne“ wird vom 22. Mai bis 3. Juni in der Hochschule Worms gezeigt. Eröffnet wird die Schau am 22. Mai, um 18 Uhr von Oberbürgermeister Kissel und Herrn Liu, Kurator des Museums der Moderne Tianjin.

Die Ausstellung zeigt die bisher noch nicht erzählte Geschichte von Vision und Tatkraft charismatischer deutscher Persönlichkeiten in Tianjin wie John Rabe, Gustav Detring, Constantin von Hanneken und Albert Kiessling und die Verbindung von Worms zu China: die ab 1897 errichtete Arbeitersiedlung „Kiautschau“ und die wachsende Begeisterung für Kolonien, Flotte und Marine in Worms. Ferner bietet die Ausstellung dem Betrachter einen Blick auf die Stadt Tianjin auf ihrem Weg in die Moderne. Mit ihrem Seehafen war diese Stadt das Tor zu Peking bis in das 20. Jahrhundert hinein.

Die Ausstellung in deutscher Sprache besteht aus einem chinesischen Teil mit 40 Roll-Ups, der sich mit der Entwicklung von Tianjin in die Moderne und den maßgeblichen deutschen Persönlichkeiten vor Ort beschäftigt. Der Wormser Teil der Ausstellung, der sieben Roll-Ups umfasst, beschäftigt sich mit den Verbindungen von Worms nach China. Es wird auch ein Rahmenprogramm geben, das verschiedene Themen der Ausstellung aufgreift.

 

Service

  • Ausstellung „Tianjin-Kiautschau; Aufbruch in die Moderne“ 
  • 22. Mai bis 3. Juni 2017 
  • in der Hochschule Worms,  Erenburgerstraße 19, 67549 Worms  

Das Rahmenprogramm zur Ausstellung:

22.05.2017 – 18 Uhr - Ausstellungseröffnung im Foyer der Aula der Hochschule

23.05.2017 – 19 Uhr – Kinowelt Worms - Filmvorführung „John Rabe – mit einer Einführung von Thomas Rabe, Enkel von John Rabe präsentiert von der Stadtverwaltung Worms, Eintritt frei

24.05.2017 – 19 Uhr – Filmvortrag des Dokumentarfilms „Tsingtao – Auf deutschen Spuren in China“ und Information darüber von dem Regisseur und ehemaligen ZDF-Redakteur Dietmar Schulz in der Volkshochschule Worms, Gebäude Schönauerstr. 2, Raum 4a. Eintritt frei.

27.05.17 – 11 Uhr – Gästeführung durch das Kiautschau – Treffpunkt Alicestr. 5, Torbogen – Eine auf der grünen Wiese geplante Arbeitersiedlung als Idylle und bittere Notwendigkeit – Eintritt frei

03.06.17 – 15 Uhr – Gästeführung durch das Kiautschau – Treffpunkt Alicestr. 5, Torbogen – Eine auf der grünen Wiese geplante Arbeitersiedlung als Idylle und bittere Notwendigkeit – Eintritt frei

Faszination für China

Auch in Worms gab es nach 1900, wie bereits erwähnt, im bürgerlichen Lager eine ungeheure Begeisterung für Kolonien, Flotte und Marine – Deutschland suchte auch in China seinen „Platz an der Sonne“. Die Benennung der ab 1897 errichteten Arbeitersiedlung "Kiautschau" macht deutlich, wie präsent auch hier das Weltmachtstreben des Deutschen Reiches war - die Ausstellung fragt daher auch nach Hintergründen und Ausdrucksformen dieses Enthusiasmus vor Ort. 

Der Name „Kiautschau" wurde zu Ehren von Kaiser Wilhelm II. gewählt nach der an der Südküste der Provinz Schantung (Shandong) der Volksrepublik China gelegenen Kiautschou-Bucht (chin. Jiāozhōu) - von 1898 bis 1914 deutsches Pachtgebiet mit einer Größe von 552 km² und der Hauptstadt Tsingtau. Die Dynamik der industriellen Entwicklung zur gleichen Zeit in Worms und Tianjin führte zu reger Bautätigkeit und machte Investitionen in die städtebauliche Infrastruktur erforderlich.

Geschichtlicher Hintergrund

Nach schweren Kämpfen um die Festung zum Schutze des Seehafens   hatten England und Frankreich im Zuge des zweiten Opiumkrieges (1860) obsiegt und sich Einflusszonen in Tianjin, Konzessionen genannt, gesichert. Unter ihrem Einfluss entwickelten sich moderne Wirtschaftsformen, vor allem Industrialisierung und Handel mit dem Ausland. Die Stadt Tianjin wuchs schnell. Es entstanden beeindruckende Bauten, von denen viele heute noch zu bewundern sind. Die Zahl der Konzessionen war im Laufe von wenigen Jahrzehnten auf neun angewachsen. Auch das Deutsche Reich bekam eine eigene Konzession, allerdings erst 1895. Sie entwickelte sich anfangs zögerlich, nahm dann nach 1900 (Boxerkrieg) mehr Fahrt auf, bis die Kriegserklärung Chinas an Deutschland im August 1917 dieser Entwicklung ein Ende setzte. 

Vor diesem geschichtlichen Hintergrund, der in der Ausstellung nicht thematisiert wird, hat sich der Weg Chinas in die Moderne entwickelt. Deutsche wie Detring und von Hanneken konnten,   lange bevor es eine deutsche Konzession gab, im Tianjin der damaligen Zeit ihre Fähigkeiten entfalten. Dies ist eine Besonderheit Tianjins, die hervorgehoben zu werden verdient. Es war durchaus keine Selbstverständlichkeit in von nationalen Eigenwegen beherrschten Zeiten. Aus chinesischer Perspektive China ging es mit dem Aufkommen des Einflusses des Auslandes bei der Entwicklung in die Moderne um Gegensätze wie Abschottung und Weltoffenheit. Das führte zu schwerwiegenden internen Zerwürfnissen bis zur völligen Zerrissenheit.

Zur Entstehungsgeschichte der Ausstellung

Der Kontakt zum Tianjin Museum für Moderne Geschichte erfolgte über Prof. Dr. Jürgen Bosch, Mitgründer und Ehrenvorsitzender der Gesellschaft für Deutsch-Chinesische Freundschaft Worms e.V. Zusammen mit seiner chinesischen Ehefrau besuchte er das Museum im Herbst 2015 und lernte den Kurator der Ausstellung, Liu Yue, sowie dessen Eltern kennen. Dessen Mutter, Liu Hangying, einer in China bekannten Schriftstellerin, ist die Idee für die Gründung des Museums sowie dessen Umsetzung zu verdanken: sammeln, Bewahren und Zugänglichmachen von Zeugnissen einer spannenden Epoche der Geschichte.

Das Museum plante eine Ausstellung in Deutschland, um Begegnung, Austausch und gegenseitiges Verständnis zwischen Deutschland und China zu fördern. Prof. Dr. Bosch schlug hierfür Worms vor, was nicht nur aufgrund der Arbeiterwohnsiedlung Kiautschau, sondern auch aufgrund der Wormser Nibelungen-Festspiele auf besonderes Interesse des Museums stieß: Gustav Detring, eine der in der Ausstellung behandelten Persönlichkeiten, war Wagner-Verehrer. Eine seiner Töchter hatte in Mainz Gesang studiert und in Tianjin Wagnerarien vorgetragen, sein schlossartiges Haus am Ende der Pferderennbahn Tianjins nannte Detring „Nibelheim“.

Auf Vermittlung von Prof. Dr. Bosch wurde die Ausstellung in Worms schließlich realisiert. Deren geschichtlicher Fokus stellt eine Besonderheit dar, da Ausstellungen in Verbindung mit China deutlich häufiger im Bereich der Kunst zu finden sind.