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Ausstellung zeigt Wormser Leihgaben

05.12.2017

Leihgaben aus der Wormser Luther-Bibliothek sind derzeit im Theodor-Zink-Museum in Kaiserslautern zu sehen.

Luthers Schrift "Von der babylonischen Gefangenschaft der Kirche". 
Luthers Schrift "Von der babylonischen Gefangenschaft der Kirche".

Ausstellung noch bis 30. Juni 2018 zu sehen

Die Stadtbibliothek ist zurzeit mit 15 Leihgaben aus ihrer Luther-Bibliothek in der Ausstellung „Neuer Himmel - Neue Erde. Die Reformation in der Pfalz“ vertreten, die bis zum 30. Juni 2018 im Theodor-Zink-Museum in Kaiserslautern zu sehen ist. Zwei gezeigte Flugschriften beziehen sich auf Luthers Verhör und die Verteidigung seiner Schriften auf dem Wormser Reichstag, die unmittelbar nach dem Ereignis noch 1521 in Wien und Augsburg gedruckt wurden.

Zu seinen drei reformatorischen Hauptschriften von 1520, die Luther auf dem Wormser Reichstag verteidigte, gehörte die zunächst in Lateinisch erschienene Schrift 'Von der babylonischen Gefangenschaft der Kirche', in der Martin Luther erstmals die Siebenzahl der Sakramente in Frage stellt: Er lässt nur Taufe und Abendmahl und mit Einschränkung auch die Buße gelten, da er bei der Buße keine neutestamentlich begründete Zeichenhaftigkeit erkennen kann, die für ein Sakrament erforderlich ist.

 

Diese Flugschrift wird in der Ausstellung durch das Exemplar einer Augsburger Ausgabe von 1520 dokumentiert: 'Von der Babylonischen gefengknuß der Kirchen'. Mit dieser deutschen Übersetzung wollte der Franziskaner Thomas Murner vor der neuen Lehre warnen; das Luther-Porträt dieser Ausgabe ist in dem ausgestellten Wormser Exemplar koloriert. Der Porträt-Holzschnitt orientiert sich offensichtlich an dem im selben Jahr erschienen berühmten Kupferstich 'Martin Luther als Augustinermönch' von Lucas Cranach d. Ä., der weite Verbreitung fand. Dafür spricht die Tatsache, dass der Holzschnitt gegenüber dem Kupferstich seitenverkehrt erscheint. Der Formschneider übertrug die Ansicht des Kupferstiches mit dem Blick des Porträtierten nach links auf den Holzblock, sodass im Druck eine seitenverkehrte Wiedergabe entstand.

Schriften zeigen Luthers eindrucksvolles Lebens

Bemerkenswert ist die Verteidigungsschrift 'Assertio septem sacramentorum' (1521), die Heinrich VIII. von England mit Hilfe von Thomas Morus aufsetzte und verbreiten ließ, wofür ihm von Papst Leo X. der Titel Fidei defenso (Verteidiger des Glaubens) verliehen wurde, den heute noch die englischen Monarchen im Titel führen. 

Der Luther-Gegner Hieronymus Emser brachte 1522 eine deutsche Übersetzung heraus, gezeigt wird in der Ausstellung das Wormser Exemplar der Augsburger Ausgabe 1522. Daraufhin beschimpfte Luther in einer deutschen Flugschrift seinen Kontrahenten als „Lügenkönig“ und bezweifelte - zu Recht - dessen Autorschaft. Der König rächte sich mit der Verfolgung der Anhänger Luthers in England. 

Später schlug Luther versöhnliche Töne an: Nachdem sich Heinrich VIII. beim Papst vergeblich um die kirchliche Annullierung seiner Ehe mit Katharina von Aragonien bemüht hatte, um Anne Boleyn offiziell heiraten zu können, worüber es zum Bruch mit der römischen Kirche gekommen war, ließ er u.a. ein theologisches Gutachten bei Luther einholen - der riet dem König - wie später dem hessischen Landgrafen Philipp I. - zur Bigamie. 

Das Wappen des englischen Königs Heinrich VIII ziert die Titelseite der deutschen Flugschrift. 
Das Wappen des englischen Königs Heinrich VIII ziert die Titelseite der deutschen Flugschrift.
 

Das Wappen des englischen Königs Heinrich VIII

Das Wappen Heinrichs VIII. ziert als Holzschnitt die Titelseite der deutschen Flugschrift und dieses Wappen hat eine wahrlich europäische Dimension. Wie es bereits der Titel ankündigt: Der englische König betrachtet sich auch als König von Frankreich, was zu 100 Prozent durch das Wappen unterstrichen wird: Seit der normannischen Eroberung Englands 1066 wurden die zwei Löwen  - heraldisch handelt es sich um Leoparden - der normannischen Herzöge auch zum englischen Wappen. 

Richard Löwenherz, seit 1189 englischer König, fügte seinem Wappen einen dritten Löwen hinzu: Die Herzöge von Aquitanien führten einen Löwen im Wappen; als Sohn der Eleonore von Aquitanien war Richard der Erbe des angevinischen Reiches, das weite Teile des heutigen Westfrankreichs umfasste. 

Eduard III. (1312-1377), wie Richard ein Abkömmling der Dynastie Anjou-Plantagenêt, fügte seinem Wappen die Fleurs de lis (Lilien) der Kapetinger hinzu, um so seinen Anspruch auf den französischen Königsthron zu unterstreichen: Eduards Mutter war Isabella von Frankreich. Dieser Anspruch führte zum verheerenden Hundertjährigen Krieg (1337-1453) zwischen England und Frankreich. 

Auch nachdem die Engländer aus Frankreich verdrängt worden waren, hinderte das die englischen Könige nicht, sich weiterhin als französische Könige zu titulieren. Die Fleurs de lis verschwanden erst mit dem Wappen des Vereinigten Königreichs von Großbritannien und Irland im Jahre 1801.

Das Wappen und Heinrichs VIII. Schrift gegen Luther zeigen es beispielhaft: Englische Geschichte war und ist kulturell und politisch immer in die Geschichte Europas (the continent) verstrickt.