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Inkontinenz – viele leiden heimlich

12.06.2018

Immer noch ein Tabuthema: Inkontinenz. Hilfe finden betroffene Menschen im Beckenbodenzentrum am Klinikum Worms.

Hilfe bei schambehafteter Erkrankung: Das Beckenbodenzentrum am Klinikum Worms ist auf die Behandlung von Kontinenzproblemen spezialisiert. (Quelle: pixabay)
Hilfe bei schambehafteter Erkrankung: Das Beckenbodenzentrum am Klinikum Worms ist auf die Behandlung von Kontinenzproblemen spezialisiert. (Quelle: pixabay)

Rund neun Millionen Menschen betroffen

Wenn die Gedanken permanent um die Möglichkeit einer Toilettennutzung kreisen, ist dies für die Betroffenen nicht nur höchst unangenehm, sondern nach wie vor ein Thema, über das in der Öffentlichkeit kaum gesprochen wird. 

Schätzungen der Deutschen Kontinenz Gesellschaft zufolge leiden deutschlandweit rund neun Millionen Menschen unter einem unwillkürlichen Harn- und/oder Stuhlabgang. Darüber reden möchten sie in der Regel auch mit ihrem Arzt lieber nicht. 

Um dem Tabuthema Inkontinenz in der Öffentlichkeit ein Gesicht zu geben, initiiert die Deutsche Kontinenz Gesellschaft jährlich eine Weltkontinenzwoche, die in diesem Jahr vom 18. bis 24. Juni 2018 stattfindet.

 

Patienten leiden still vor sich hin   

Wie wichtig es ist, dem Tabuthema Inkontinenz eine öffentliche Plattform zu geben, weiß auch Privatdozent Dr. Markus Hirschburger, der das Beckenbodenzentrum am Wormser Klinikum leitet: „Mehr als die Hälfte aller Patienten tut ein Kontinenzleiden als ‚schicksalhaft‘ oder gar ‚normal‘ ab. Die Patienten leiden still vor sich hin und vertrauen sich auch ihrem behandelnden Arzt nicht an. Viele schämen sich und wissen nicht, dass es mittlerweile viele medizinische Möglichkeit gibt, um ihre Probleme zu lindern oder sogar ganz zu heilen.“

Der Beckenboden bildet den muskulären Abschluss unseres Bauchraumes in dem Blase, Prostata, weibliche Geschlechtsorgane und der Enddarm in sehr enger Beziehung zueinander liegen und deren Funktion oder Fehlfunktion sich gegenseitig beeinflussen. Zeit unseres Lebens ist der Beckenboden vielen Belastungen ausgesetzt die natürlich sind, wie z.B. der aufrechte Gang. Der Beckenboden ist aber auch durch Geburten, Operationen oder Bestrahlungsbehandlungen im Bereich der Blase und Prostata, der weiblichen Geschlechtsorgane und des Enddarmes oft zusätzlich beansprucht. So ist eine Stuhlinkontinenz beispielsweise nach Dick- und Enddarmkrebsoperationen kein unausweichliches Schicksal im Sinne von „das ist eben so nach einer solchen Operation“, sondern kann oft gebessert werden, sodass ein größtenteils normales Alltagsleben wieder möglich ist.

Die Formen, in denen sich eine Harn- oder Stuhlinkontinenz zeigen kann sind dabei genauso vielfältig wie ihre Ursachen, erklärt Hirschburger: „Welche Form der Kontinenzstörung vorliegt, was die Ursachen sind und welche Behandlungsmöglichkeiten bestehen, kann nur der Facharzt beurteilen. Meist liegt nicht ein einzelnes Problem vor, sondern die Inkontinenz ist meist die Summe vieler Veränderungen, natürlicher und oder auch durch Operationen etc., die am Ende zu einer Blasen- und/oder Darmentleerungsstörung führen. 

Die Symptome können dabei ganz unterschiedlicher Natur sein. So kann es einerseits zur chronischen Verstopfung oder einem Harnverhalt kommen andererseits aber auch zur Urin- und/oder Stuhlinkontinenz. Da häufig eine Kombination unterschiedlicher Probleme zu den Beschwerden führt, ist es wichtig mit dem Blick über den eigenen Tellerrand die richtigen Schritte zu veranlassen. Denn so wie die Probleme, die zu der Funktionsstörung führen, häufig unterschiedlicher Natur sind hat auch die Behandlung eines urologischen, gynäkologischen oder darmchirurgischen Befundes Einfluss auf die anderen Bereiche.“

Beckenbodenzentrum hilft betroffenen Patienten

Hilfe finden Patienten in medizinischen Zentren, die auf die Behandlung von Kontinenzproblemen spezialisiert sind. Ein solches zertifiziertes Beckenbodenzentrum gibt es auch am Klinikum Worms. „In unserem Beckenbodenzentrum arbeiten Urologen, Gynäkologen, Chirurgen, Physiotherapeuten, Selbsthilfegruppen, Pflegeexperten oder spezialisierte Beckenbodentherpeuten Hand in Hand, um den betroffenen Patienten bestmöglich zu helfen“, erklärt Hirschburger. Nach ausführlicher Diagnostik erfolgt in der Regel zunächst eine konservative medikamentöse oder physiotherapeutische Therapie, die oftmals schon zu einer deutlichen Verbesserung der Symptomatik führt. Nur wenn eine konservative Therapie keine Erfolge verspricht wird operiert.

„Das Spektrum reicht hier von kleinen Operationen wie schmerzarmer Hämorrhoidenoperationen über die Einpflanzung von Netzen oder minimalinvasiver Darmoperationen, die häufig auch schon mit dem da Vinci-System durchgeführt werden können, bis hin zur Beckenbodenschrittmachertherapie“, weiß Hirschburger. „In der Medizin hat sich sowohl im konservativen als auch operativen Bereich viel getan und es existiert mittlerweile eine große Bandbreite an Behandlungsmöglichkeiten, mit denen wir das Leiden der Patienten beenden und ihnen ihre Lebensqualität zurückgeben oder deutlich verbessern können. Nur wissen dies viele nach wie vor leider nicht. Ich möchte deshalb jeden Betroffenen ermutigen, seine Erkrankung nicht als gegeben hinzunehmen, sondern sich helfen zu lassen.“

Klinikum Worms