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Amerikanischer Gast mit besonderem Geschenk

13.09.2018

Wahl-US-Amerikanerin Ilona Eckel besucht ihre Heimatstadt Worms und stiftet eine Engelsstatue für den Hauptfriedhof.

(v.li.): Ilona Eckel, Ralf-Quirin Heinz, Uwe Franz und Mirella Baumgärtner mit der neuen Engel-Statue auf dem Wormser Hauptfriedhof 
(v.li.): Ilona Eckel, Ralf-Quirin Heinz, Uwe Franz und Mirella Baumgärtner mit der neuen Engel-Statue auf dem Wormser Hauptfriedhof

"Zwei Engel aus den USA"

So könnte der Titel dieser Geschichte lauten: Die Wormserin Ilona Eckel wanderte vor 53 Jahren in die USA aus – ihre Verbundenheit mit ihrer Heimatstadt ist jedoch bis heute geblieben. Und diese Verbundenheit hat die Wahl-US-Amerikanerin nun mit einem besonderen Geschenk zum Ausdruck gebracht: Am Rande eines Urnengräberfeldes auf dem Wormser Hauptfriedhof wacht nun ein zarter, etwa einen Meter hoher Engel aus Betonguss, den Ilona Eckel gestiftet hat. 

„Mehrere meiner Familienangehörigen sind auf dem Hauptfriedhof begraben. Da ich nicht regelmäßig die Gräber besuchen kann, kam mir die Idee mit dem Engel, der auch anderen Friedhofsbesuchern Hoffnung geben kann. Ich wollte meiner Stadt und den Bürgern etwas zurückgeben“, erklärt die zierliche Dame in schönstem Wormser Dialekt. Nur ganz schwach ist ein amerikanischer Akzent herauszuhören, der ihr selbst gar nicht auffalle, wie sie schmunzelnd verrät.

 

Ein Leben zwischen zwei Welten

Mit ihr auf dem Friedhof dabei ist ihre Schwester Mirella Baumgärtner, die im Januar nach 53 Jahren ihre Schwester erstmals in den USA besuchen wird. „Bisher war meine Flugangst immer zu groß, aber inzwischen mache ich mir da keine Sorgen mehr“, berichtet Mirella. Begleitet wird sie von zwei Tanten der Schwestern. 

Ilona Eckel stammt aus einer Wormser Großfamilie mit insgesamt neun Kindern, weshalb sie auch stets jede Menge deutschen Besuch in den USA, genauer gesagt in Columbus in Georgia, habe. Wann immer es möglich ist, reist Ilona jedoch zurück nach Worms, wo sie mit ihrem Ehemann auch eine Wohnung besitzt. „Ich lebe quasi zwei verschiedene Leben“, erzählt sie.

Die Trennung von der deutschen Heimat

Bereits im Alter von zarten 19 wanderte die inzwischen 72-Jährige in die USA aus – der Liebe wegen. In Worms hatte sie einen GI kennengelernt und war ihm schließlich in die fernen Staaten gefolgt. Für die Familie damals eine schwierige Situation, wie Ilona Eckel berichtet. 30 Jahre lang arbeitete sie in ihrer neuen Heimat als Schulsekretärin; noch heute ist sie dem Schulwesen eng verbunden. Denn die rüstige Seniorin ist inzwischen Aushilfslehrerin. 

Ihr Eintritt in den Staatsdienst war allerdings nur mit dem Erwerb der US-amerikanischen Staatsbürgerschaft möglich. Da sie keinen deutschen Pass mehr besitzt, darf sie ihre Heimat Deutschland jeweils nur noch für drei Monate besuchen – dann muss sie für mindestens drei Monate wieder zurück in die USA. „Am Anfang war ich sehr schockiert darüber, aber inzwischen haben wir uns gut damit arrangiert“, so Eckel.

"Wenn ich den Brückenturm sehe, dann bin ich zu Hause.“"

Was bedeutet Heimat für sie? „Wenn ich zurück in Deutschland bin und von weitem den Wormser Brückenturm sehe, dann bin ich zu Hause.“

Und natürlich weiß man in Worms ihr großzügiges Geschenk sehr zu schätzen: „Die Engel-Statue ist eine großartige Initiative, die die Heimatverbundenheit von Ilona Eckel deutlich zum Ausdruck bringt“, lobt Friedhofsdezernent Uwe Franz. Doch damit nicht genug: Solange Ilona Eckel in Worms weilt, hilft sie gemeinsam mit ihrem Mann bei der Tafel aus.

„Wenn ich daran denke, dass ich bald wieder zurück in die USA muss, kommt natürlich Wehmut auf. Aber ich komme natürlich im nächsten Jahr wieder“, verspricht sie.