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Bedarf an Ausweitung der Schulsozialarbeit?

26.02.2019

Bildungsdezernent Waldemar Herder informierte im BIZ Schulleitungen sowie Lehrkräfte über die Bedarfserhebung für eine Ausweitung der Schulsozialarbeit.

Auf Einladung von Bildungsdezernent Waldemar Herder (4.v.li.) waren die Schulleitungen und Lehrkräfte der drei Wormser Gymnasien und des Förderzentrums sowie Mitglieder der Schulausschüsse und Fachkräfte der Jugendsozialarbeit in der Aula des BIZ zusammengekommen, um sich über das Thema „Soziale Arbeit“ auszutauschen. Dozent Uri Ziegele (3.v.re.) vom Institut für Sozialpädagogik und Bildung der Hochschule Luzern hielt den Impulsvortrag. Foto: Pressestelle Stadt Worms  
Auf Einladung von Bildungsdezernent Waldemar Herder (4.v.li.) waren die Schulleitungen und Lehrkräfte der drei Wormser Gymnasien und des Förderzentrums sowie Mitglieder der Schulausschüsse und Fachkräfte der Jugendsozialarbeit in der Aula des BIZ zusammengekommen, um sich über das Thema „Soziale Arbeit“ auszutauschen. Dozent Uri Ziegele (3.v.re.) vom Institut für Sozialpädagogik und Bildung der Hochschule Luzern hielt den Impulsvortrag. Foto: Pressestelle Stadt Worms

Gravierende Veränderungen bei Bildung und Erziehung

Nach traditioneller Auffassung ist die Schule für die Bildung zuständig und die Familie schafft durch ihre Erziehung die Voraussetzungen, damit die Kinder erfolgreich am Unterricht teilnehmen können. Doch diese Arbeitsteilung hat ihre Gültigkeit weitgehend verloren und funktioniert heutzutage schon bei ca. 60 Prozent der Erstklässler nicht mehr. Der gesellschaftliche Wandel hat zu gravierenden Veränderungen bei Bildung und Erziehung geführt. 

„Aus sehr unterschiedlichen Gründen – z. B. Alleinerziehende oder Migrationshintergrund - sind viele Familien kaum noch in der Lage, ihre Kinder z. B. bei den Hausaufgaben zu unterstützen oder können aufgrund ihrer Lebensumstände  ihren Kindern nicht den stabilen emotionalen Rahmen und die Fürsorge im Sinne von Erziehung bieten, die für deren Entwicklung notwendig sind“, verdeutlichte Bildungsdezernent Waldemar Herder bei seiner Ansprache in der voll besetzten Aula des Bildungszentrums am vergangenen Dienstagnachmittag vor Schulleitungen und Lehrkräften der drei Wormser Gymnasien und des Förderzentrums sowie Mitgliedern der Schulausschüsse und Fachkräften der Jugendsozialarbeit. 

An der BBS, der IGS und den Realschulen plus in Worms ist die Schulsozialarbeit bereits verankert. In dieser Veranstaltung im BIZ ging es nun im ersten Schritt darum, auch die Lehrerinnen und Lehrer in den Bedarfsermittlungsprozess einzubeziehen, über den Ablauf zu informieren und mit dem Vortrag von Hochschuldozent Uri Ziegele einen fachlichen Impuls zu setzen.

 

Moderne Bildung muss auch die Sozial- und Lernkompetenzen unterstützen

Die gesellschaftlichen Anforderungen für Familien und Schüler schlagen sich  u. a. in herausforderndem Verhalten nieder, wie bspw.  Konzentrationsstörungen, Verhaltensauffälligkeiten, schlechten schulischen Leistungen oder Schulangst. Insbesondere bei verhaltensauffälligen Schülern stoßen Lehrerinnen und Lehrer an die Grenzen ihrer bisherigen pädagogischen Möglichkeiten. Denn ihr Auftrag, Sach- und Fachkompetenzen zu vermitteln und Leistungen zu bewerten, sowie die Rahmenbedingungen machen es schwierig, den sozialen und individuellen Problemen ihrer Schüler zu begegnen und als Ansprechpartner zur Verfügung zu stehen. Ebenso sollten die Schüler  jedoch auch lernen, mit inneren und äußeren Konflikten umzugehen, Selbstvertrauen aufzubauen, Streit gewaltfrei beendet und respektvoll miteinander umzugehen. Denn moderne Bildung darf sich nicht auf die Vermittlung von Fakten und fachlichen Fähigkeiten beschränken, sie muss auch die Sozial- und Lernkompetenzen der Schüler stärken. Dabei können Schulsozialarbeiter unterstützen. 

Als Gastreferent zeigte Dozent Uri Ziegele vom Institut für Sozialpädagogik und Bildung der Hochschule Luzern in seinem kurzweiligen Vortrag „Soziale Arbeit in der Schule - Lösungen erfinden, statt Probleme lösen“ auf, wie "Soziale Arbeit" Schulen und vor allem Schülerinnen und Schüler unterstützen kann, die Herausforderungen des Lernens und Lebens zu meistern. „Wer Angst hat oder mit anderen Konflikten beschäftigt ist, kann nicht gut lernen“,  so Ziegele. Wohlbefinden und Selbstvertrauen seien elementare Voraussetzungen für gelingende Bildungsprozesse. Um hierfür die notwendigen Bedingungen zu schaffen, könne Soziale Arbeit in Kooperation von Schule und allen weiteren Akteuren einen wichtigen Beitrag leisten, verdeutlichte der Referent. „Dies setzt allerdings einen Paradigmenwechsel in der bisherigen Zuständigkeitsdiskussion voraus. Jugendhilfe und Schule müssen sich als Kooperationspartner auf Augenhöhe begegnen“, unterstrich Bildungsdezernent Herder.

Bereits nächste Schritte geplant

Über das weitere Vorgehen im Prozess einer Schulsozialarbeit an den Gymnasien und dem Förderzentrum informierten Ralf Decker, Leiter der zuständigen Fachabteilung der Stadtverwaltung und Jugendhilfeplaner Tobias Schasse. In einem nächsten Schritt sollen Lehrkräfte befragt und Interviews mit Schülern, Eltern und weiteren Akteuren durchgeführt werden. Letztendlich sollen alle Informationen und Erkenntnisse in einem Konzept münden, das gemeinsam mit den Schulen entwickelt wird und im September im Jugendhilfeausschuss vorgestellt werden soll. "Das ist ein herausfordernder, aber auch sehr spannender Prozess, bei dem wir hoffen, eine gute Grundlage für Soziale Arbeit an Wormser Gymnasien und dem Förderzentrum zu schaffen", sind sich Decker und Schasse einig.

Am darauffolgenden Tag hatte die Stadt die Schulleitungen und Lehrkräfte der Wormser Grundschulen in den Gemeindesaal der Stadtmission zu einer ähnlichen Veranstaltung eingeladen. „Auch dort ist es uns wichtig, einen Bedarf an Sozialer Arbeit zu eruieren, mit dem bestehenden Konzept abzugleichen und die Ergebnisse der Befragung in das neue Konzept mit einfließen zu lassen“, hebt Bildungsdezernent Waldemar Herder hervor.