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Zukunftsweisendes Entwicklungskonzept Mobilität

09.04.2019

Zusammen mit einem Ingenieurbüro hat die Stadt Vorschläge zur Mobilität der Zukunft entwickelt. Nun müssen die Entscheidungsträger darüber beraten.

Die Fachleute empfehlen, den Planfall 4a weiterzuverfolgen, da hier die größte Verkehrsentlastung für das gesamte Stadtgebiet Worms zu erwarten ist bei gleichzeitiger Erhöhung des Modal-Split-Anteils des Umweltverbundes, also auch des Bus- und Radverkehrs- sowie des Fußgängeranteils. 
Die Fachleute empfehlen, den Planfall 4a weiterzuverfolgen, da hier die größte Verkehrsentlastung für das gesamte Stadtgebiet Worms zu erwarten ist bei gleichzeitiger Erhöhung des Modal-Split-Anteils des Umweltverbundes, also auch des Bus- und Radverkehrs- sowie des Fußgängeranteils.

Konzept in enger Abstimmung mit Stadt entstanden

Wie sieht die Mobilität in Worms im Jahre 2030 aus? „Die Entwicklung im Bereich Mobilität ist eines der grundlegenden Themen, die die Stadt in den nächsten Jahren beschäftigen werden“, betont Oberbürgermeister Michael Kissel, der deshalb im Jahre 2015 dem Stadtrat vorgeschlagen hatte, entsprechende Zukunftsszenarien zu entwickeln. Die Stadtverwaltung gab deshalb mit Zustimmung des Rates ein Stadtentwicklungskonzept Mobilität bei der Ingenieurgesellschaft Habermehl & Follmann in Auftrag, die zunächst die Grunddaten der Verkehrsbewegungen ermittelte und darauf basierend schließlich verschiedene Mobilitätsszenarien entwickelte. 

„Dass wir als Verwaltung aus den von dem Ingenieurbüro aufgestellten Varianten eine Empfehlung an die politischen Gremien aussprechen, ist ein ganz normaler Vorgang, wie er auch bei allen anderen Projekten zum Tragen kommt“, macht Baudezernent Uwe Franz deutlich. Zudem sei das Konzept in enger Abstimmung mit der Stadt entstanden, in einem teils auch kontroversen Diskussionsprozess. „Am Ende haben wir uns gemeinsam auf die vorgestellten Szenarien festgelegt“, erläutert der Baudezernent.

 

Fundierte Daten liegen zugrunde

Letztendlich empfehlen die Fachleute aus der Verwaltung, den Planfall 4a als Vorzugsvariante weiterzuverfolgen, da hier die größte Verkehrsentlastung für das gesamte Stadtgebiet Worms zu erwarten ist – und dies bei gleichzeitiger Erhöhung des Modal-Split-Anteils des Umweltverbundes, also auch des Bus- und Radverkehrs- sowie des Fußgängeranteils.

Verwunderlich sei indessen, dass das Fachgutachten von politischen Vertretern nun insgesamt angezweifelt werde, sind sich OB Kissel und der Baudezernent einig. „Wie der zuständige Bereichsleiter bereits in der Sondersitzung von Haupt- und Finanz- und Bauausschuss angeführt hat, sind die zugrundeliegenden Daten des Mobilitätskonzepts fundiert“, so Franz. 

Das Konzept basiert auf den Verkehrsdaten der Metropolregion Rhein-Neckar und berücksichtigt vor allem konkret erhobene Daten aus einer Haushaltsbefragung, verschiedenen Verkehrserhebungen, Unfallstatistiken der Polizei und auch der lokalen Bauleitplanung auf Grundlage des fortgeschriebenen Flächennutzungsplans und der Bebauungspläne. Hauptkritikpunkt der politischen Gremien ist das Faktum, dass in keiner der nun vorgestellten Varianten der Anteil des Fahrradverkehrs bis zum Jahre 2030 auf 25 Prozent ansteigt, wie es der Stadtrat gewünscht hatte.

„Dieser Anteil lässt sich jedoch nur mit einer sehr drastischen Einschränkung des Autoverkehrs erreichen, indem flächig Tempo 30 vorgeschrieben, Parkraum verknappt oder die Parkraumbewirtschaftung gebührenpflichtig ausgedehnt und der Zugang für Pkw in die die Innenstadt  großräumig eingeschränkt  würde. Aus fachlicher Sicht ist dies jedoch nicht zu empfehlen“, macht der Baudezernent deutlich. 

OB Kissel rät zu Augenmaß

Auch Oberbürgermeister Michael Kissel rät zu Augenmaß: „Das Stadtzentrum lebt von der Mischung aus Wohnen, Einzelhandel und Dienstleistung, insofern auch von der Erreichbarkeit mit dem Pkw und der Vorhaltung von ausreichendem Parkraum“, so der OB. „Man darf nicht ausblenden, dass der Anteil des motorisierten Individualverkehrs mit inzwischen 61 Prozent überaus hoch ist und derzeit weiter steigt“, so Kissel weiter. 

Alle erörterten Maßnahmen seien ohnehin schon mit großen, finanziellen Auswirkungen und restriktiven Maßnahmen zur Einschränkung des motorisierten Individualverkehrs verbunden. „Wir brauchen individuelle Angebote für die Bürger, die dem jeweiligen Bedarf gerecht werden“, erklärt der Stadtchef. Dazu gehöre es jedoch auch, Anwohner des erweiterten Stadtzentrums weiter von den Auswirkungen des Durchgangsverkehrs zu entlasten, etwa durch  den Lückenschluss im „Äußeren Ring“, Stichwort: Weiterführung der Krankenhaustangente.

Bewertung aus fachlicher Sicht erfolgt

Dem Baudezernenten geht die Diskussion darüber hinaus nicht weit genug: „Wir wissen zum jetzigen Zeitpunkt noch nicht, wie die Mobilität der Zukunft aussehen wird“. Den Individualverkehr grundsätzlich zu verdammen, sei deshalb der falsche Ansatz. 

„Ich bin davon überzeugt, dass wir mit der E-Mobilität noch nicht das Ende der Fahnenstange erreicht haben und sich die Technologien hin zum umweltfreundlichen Individualverkehr noch weitreichend entwickeln werden“, so Franz unter Hinweis auf die stetig rückläufigen Schadstoffbelastungen im Stadtzentrum. Man dürfe deshalb die Möglichkeit nicht ausschließen, dass der Individualverkehr in neuen Fortbewegungsmitteln mit neuen Antriebstechnologien, die man heute noch gar nicht auf dem Schirm hätte, langfristig nicht signifikant abnehmen werde.

„Sämtliche Maßnahmen, die im neuen Mobilitätskonzept diskutiert werden, haben gravierende Auswirkungen auf den Ist-Zustand und bedürfen deshalb sorgfältiger Abwägungen“, betont der OB. Die Variante, die die Verwaltung den Gremien vorgeschlagen habe, basiere auf der fachlichen Bewertung aller Varianten, sei aber eben eine fachliche und keine politische Empfehlung. 

Da die fachliche Sicht frei von subjektivem Empfinden sei und sich nicht an persönlichen Erfahrungen, dem politischen Willen oder speziellen Wünschen einzelner Interessensgruppen orientiere, sondern sich auf Fakten stütze, sollte sie als Basis für eine breite Diskussion und eine politische Entscheidung gelten, ergänzt der Baudezernent. 

„Erst, wenn wir alle Sichtweisen eruiert haben – und dazu gehören eben zwingend Naturschutzverbände, aber auch die letztendlich Betroffenen, nämlich die Dienstleister, die Kammern und die Innenstadtbewohner – werden  die Gremien an die Entscheidung für daraus abgeleitete Maßnahmenkonzepte gehen“, so OB Kissel.