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Gehalt statt teurer Ausbildung

14.05.2019

Die Physiotherapie-Ausbildung am Klinikum Worms wird jetzt nach TVAöD vergütet. Neu im Angebot ist ein Bachelor-Studiengang parallel zur Ausbildung.

Physiotherapeuten am Klinikum Worms. (Bildquelle: Klinikum Worms / B. Pakalski) 
Physiotherapeuten am Klinikum Worms. (Bildquelle: Klinikum Worms / B. Pakalski)

Ausbildungsgehalt anstatt Schulgeld

Die Schüler der Physiotherapieschule des Wormser Klinikums haben seit Jahresanfang Grund zur Freude: Sie erhalten ab sofort ein tariflich festgelegtes Ausbildungsgehalt. 

Das ist keine Selbstverständlichkeit, denn die Ausbildung zum Physiotherapeut war bisher mitunter eine teure Angelegenheit. Wer Physiotherapeut werden wollte, musste seine Ausbildung in der Regel selbst bezahlen. Je nach Einrichtung kamen monatlich alleine ca. 280 bis 460 Euro an Schulgeld zusammen. An der Wormser Physiotherapieschule – die damals noch dem Internationalen Bund gehörte – waren es rund 300 Euro pro Monat. Hinzu kamen die Kosten für den eigenen Lebensunterhalt, die seitens der Auszubildenden gestemmt werden mussten. 

„Viele Schüler sind von ihren Eltern finanziell unterstützt worden oder waren gezwungen parallel zu ihrer Ausbildung noch einen Zweitjob anzunehmen“, weiß Brigitte Gutsche, die die Schule seit dem Jahr 2014 leitet. „Diese Doppelbelastung ist sehr unschön gewesen und hat natürlich auch viele Bewerber abgeschreckt. Viele, die sich die teure Ausbildung nicht leisten konnten, mussten auf ihren Traumberuf Physiotherapeut verzichten. Das ist natürlich sehr schade gewesen.“

 

Einen ersten Lichtblick für die angehenden Physiotherapeuten gab es, als die Schule im September 2015 vom Klinikum übernommen und zeitgleich das Schulgeld abgeschafft wurde. „Die Übernahme der Trägerschaft seitens des Klinikums ermöglichte die kostenfreie dreijährige Ausbildung zum Physiotherapeuten. Das war damals schon eine enorme Erleichterung für unsere Schüler“, ergänzt Klinikum Geschäftsführer Bernhard Büttner. Durch die Einbeziehung betrieblich-schulischer Ausbildungen bei den Gesundheitsberufen in den TVAöD kam es für die Physiotherapeuten 2019 sogar noch besser, wie Gutsche weiter erklärt: „Physiotherapieschüler, die ihre Ausbildung an einem kommunalen Krankenhaus absolvieren, bekommen seit diesem Jahr ein Ausbildungsgehalt nach dem Tarifvertrag für den Öffentlichen Dienst. Unsere Schüler erhalten bereits im ersten Ausbildungsjahr eine Vergütung von 1.015.24 Euro, im zweiten und dritten Jahr gibt es dann 1.075,30 Euro bzw. 1.172,03 Euro.“ Dass es für die Ausbildung nun Geld gibt, spiegelt sich schon jetzt in den Bewerberzahlen wider und die Schulleiterin geht davon aus, „dass das Interesse an der Physiotherapieausbildung zukünftig weiter steigen wird. Das neue Ausbildungsgehalt macht es vielen möglich, sich ihren Traum von einer Physiotherapeutenausbildung zu ermöglichen. Viele andere Schulen zahlen nämlich nach wie vor kein Ausbildungsgehalt oder verlangen zum Teil noch Schulgeld.“

Pro Jahr starten etwa 25 bis 30 Schüler ihre dreijährige Ausbildung an der Physiotherapieschule des Klinikums. Derzeit werden insgesamt 72 Schüler in drei Klassen von fünf hauptamtlichen Lehrkräften und 17 fachspezifisch geschulten Dozenten und Ärzten unterrichtet. Sie führen die Auszubildenden durch die anspruchsvollen Ausbildungsinhalte zahlreicher medizinischer, sport- und gesundheitsorientierter Fachbereiche. Im ersten Ausbildungsjahr werden fundierte Kenntnisse u.a. in der Anatomie, Physiologie und der speziellen Krankheitslehre, aber auch eine große Anzahl an Behandlungstechniken vermittelt. „Geübt wird natürlich nicht am Patienten, sondern zunächst immer am Mitschüler“, erklärt Gutsche den Ausbildungsablauf. „Erst ab dem zweiten Ausbildungsjahr sind die Schüler jeweils vormittags am Klinikum und setzen ihr bisher Gelerntes unter der fachkundigen Anleitung ihrer Betreuer in die Praxis um. Ab dem dritten Lehrjahr absolvieren unsere Auszubildenden ihre Praktikumseinsätze nicht nur am Wormser Klinikum, sondern auch in unseren Kooperationseinrichtungen. Diese intensive und standortvariable praktische Ausbildung bietet unseren Schülern die optimale Voraussetzung, um in ein facettenreiches Berufsleben zu starten.“

Nach dem Praxiseinsatz geht es für die angehenden Physiotherapeuten nachmittags zum theoretischen Unterricht wieder zurück in die Schule. Die Berufsaussichten nach Ausbildungsabschluss sind bestens, wie die Schulleiterin erklärt: „Nach der staatlichen Abschlussprüfung stehen den Absolventen vielfältige Tätigkeitsbereiche offen: in der privaten Praxis, in Reha-Einrichtungen, in Akut- oder Spezialkliniken sowie in Behinderten- oder Pflegeeinrichtungen, aber auch im Fitness- und Wellnessbereich erschließen sich zahlreiche Möglichkeiten. Außerdem ist die Betreuung von Leistungsportlern und Sportvereinen ein interessanter Einsatzbereich.“


Neuer Dualer Studiengang

Wer parallel zur Ausbildung gerne studieren möchte, dem steht diese Möglichkeit seit dem Sommersemester 2019 offen. „In Kooperation mit der Katholischen Hochschule in Mainz bieten wir unseren Auszubildenden die Möglichkeit, ausbildungsbegleitend den Bachelor-Studiengang ‚Gesundheit und Pflege – Physiotherapie‘ zu absolvieren. Den ersten Studienabschnitt durchlaufen die Studierenden ausbildungsintegriert in unserer Schule für Physiotherapie. Der zweite Studienabschnitt erstreckt sich über drei Semester und wird als Vollzeitstudium an der Katholischen Hochschule in Mainz angeboten.“ Durch die ausbildungsbegleitende Organisation des Studienganges erwerben die Studierenden dann innerhalb von 4,5 Jahren den Berufsabschluss zum Physiotherapeuten sowie den „Bachelor of Science“.

www.klinikum-worms.de

Quelle: Stadt Worms / Klinikum Worms