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Emel Abidin-Algan

ausgezeichnet mit dem Preis der Lutherstädte 2007

Mit der türkischstämmigen Muslimin Emel Abidin-Algan wurde am 21. April 2007 in Speyer eine Frau geehrt, die sich ihre eigenen Gedanken zum Verständnis des Korans gemacht hat und mit dem bewussten Ablegen des Kopftuches ein selbstbewußtes Zeichen für muslimische Frauen in Deutschland gesetzt hat.

 
 
 
Emel Abidin-Algan (rechts) mit Werner Schineller (Oberbürgermeister von Speyer) 
Emel Abidin-Algan (rechts) mit Werner Schineller (Oberbürgermeister von Speyer)
Die Ober- und Bürgermeister/innen der Lutherstädte mit der Preisträgerin Emel Abidin-Algan 
Die Ober- und Bürgermeister/innen der Lutherstädte mit der Preisträgerin Emel Abidin-Algan

Ohne Selbsterkenntnis keine Gotteserkenntnis

Emel Abidin-Algan zeige beispielhaft, dass Integration möglich sei ohne Verleugnung des eigenen Glaubens. Das betonte Oberbürgermeister Werner Schineller bei der Verleihung des Preises der Lutherstädte "Das unerschrockene Wort" im Rathaus der Stadt Speyer. Stellvertretend für die Stadtoberhäupter der 14 Lutherstädte überreichte Schineller der Berlinerin die mit 10.000 Euro dotierte Auszeichnung.

Emel Abidin-Algan habe sich in besonderem Maße für den Lutherpreis qualifiziert, so Schineller, weil sie aus innerer Überzeugung handle und in der Auseinandersetzung mit der heutigen Lebensrealität ein konsequentes Religionsverständnis entwickelt habe.

In ihrer Dankesrede erläuterte die Preisträgerin ihren ganz persönlichen Weg der Selbsterkenntnis, ohne die es keine Gotteserkenntnis geben könne. Das Ablegen des Kopftuches war für sie Ergebnis ihrer theologischen Recherchen. Glaube sei für sie "eine innere Angelegenheit des geistigen Wachstums und der Reife geworden, die sich im Verhalten sich selbst und anderen gegenüber äußert und keine Frage von Äußerlichkeiten sein darf". Sie wünscht sich ein Religionsverständnis, das selbständiges Denken als Mittel zur geistigen Reife und Mündigkeit anerkennt und fördert. Und sie fordert von den Erwachsenen eine Klärung des Gottesbildes, denn mit dem Bild eines strafenden Gottes werde bei Heranwachsenden noch immer Schaden angerichtet. Dazu wünscht sie sich von den islamischen Organisationen mit ihrem Anspruch auf Bildung verantwortungsbewusster umzugehen und auch die Kenntnis der Offenbarungsgründe in ihr Programm aufzunehmen.

 

Laudatorin Prof. Barbara John aus Berlin, ehemalige Ausländerbeauftragte des Berliner Senats und Vorsitzende des Paritätischen Wohlfahrtsverbandes Berlin, attestierte der Jury "Uner-schrockenheit und Weitsicht", zum ersten Mal einer Muslimin einen der renommiertesten Preise des Protestantismus in Deutschland zu verleihen. Sie warnte davor, von Emel Abidin-Algan, einer Frau, die mündig und autonom ihren Glauben lebe, ein Zerrbild zu entwerfen. "Bei vielen Medienberichten könnte sich der Eindruck einer Revolte aufdrängen", so John. Doch die Preisträgerin sei keine lossagende Rebellin, nur weil sie dafür eintrete, dass islamische Frömmigkeit nicht untrennbar verbun-den sein müsse mit Fixiertheit auf traditionelle Gebote wie die Korandeutung zum Kopftuchtragen. "Sie ist eine Frau, die sich den Widersprüchen ihrer Biographie, der Biographie einer in Deutschland aufgewachsenen, muslimisch erzogenen Tochter einer streng gläubigen Einwandererfamilie, stellt mit wachsender geistiger Unabhängigkeit und mit Unerschrockenheit. Genau darin besteht das bewundernswert Beispielhafte", betonte Prof. John. Zuvor beleuchtete sie den Werdegang der studierten Anglistin, insbesondere ihr Engagement in der Gründung von Kindergärten und einer Grundschule sowie als Vorsitzende des Islamischen Frauenvereins, das ihr Anerkennung unter den Berliner Muslimen brachte.

"Emel Abidin-Algan zeigte Zivilcourage und persönlichen Mut in einer Form, wie wir uns das als Deutsche in dieser Dimension vielleicht gar nicht vorstellen können", unterstrich Joachim Mertes, der Präsident des rheinland-pfälzischen Landtages, in seinem Grußwort. Er gratuliere ihr dazu, dass sie selbstbewusst ein neues Leben beschreite.

"Das unerschrockene Wort" wird an Frauen und Männer verliehen, "die in einer besonderen Situation oder bei einem konkreten Anlass, aber auch beispielhaft über einen größeren Zeitraum hinweg in Wort und Tat für die Gesellschaft, die Gemeinde oder den Staat bedeutende Aussagen gemacht und gegenüber Widerständen vertreten haben", so steht es in den Statuten der Preisvergabe. Er wird im zweijährigen Rhythmus von den Lutherstädten vergeben. Neben Speyer gehören Coburg, Eisenach, Eisleben, Erfurt, Halle, Heidelberg, Magdeburg, Marburg, Schmalkalden, Torgau, Wittenberg, Worms und Zeitz dazu. In einer Sitzung am Rande der Preisverleihung wurde der Kreis der Lutherstädte um Augsburg erweitert.

 
 

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