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Wormser Poesiealbum

zum Welttag der Poesie am 21. März

Wormser Poesiealbum

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Poetische Zitate

von Bürger/innen und Gästen der Stadt Worms:

 

Frühling im Paradies

Er wartet noch immer auf seinen Bescheid, dreht seine Runden wie im Schlaf,
die Gedanken im Kopf im endlosen Kreis, die Freiheit ist einbetoniert, der Blick weiß getüncht, die Gedanken prallen entsetzt zurück, Tauben scheißen auf die Kulisse.

Gefühle bohren sich in seine Seele wie Gift, die Wirklichkeit scheint für ihn konstruiert, Kafkaeskes Lachen wie Schläge im Nacken.
Flüsternde Stimmern verheißen Gerechtigkeit, während die Realität aus tiefen Taschen schreit, in denen die Wahrheit sich verliert.
Die Unschuld entblößt ihr Geschlecht.

Menschen wie drittklassige Schauspieler
tragen die Schuld als Maske der Anderen.
Mauern im Kopf türmen sich auf,
er verliert die Zeit, die Zeit verliert ihn.
Die Wahrheit verkommt im bloßen Zufall.
Der ewige Frühling wechselt verschämt die Jahreszeiten, nass und kalt ist das Paradies.

(Hans-Martin Donner, 2013)


Heimat

Heimat, du bist mir so nah,
bist du da.
Wenn ich dich erst suchen muß,
vergeht mir die Heimatlust - übrig bleibt,
die Sehnsucht und der Lebensfrust.

Manch einer fand seine Heimat in einem anderen Land,
mit dem ihn vorher, garnichts verband.
Nun ist es seine Heimat, sein Land.

Aber, ist nicht unsere Erde, unser aller Heimatland -
mit dem uns einst Gott verband.

Wir haben nur dieses eine Heimatland - Gott sei Dank!

(Ingrid Königsmann, Monsheim 2009)

 

Die Entstehung von Worms

Als Gott erschuf die Erde      
mit seiner heil’gen Hand,

Nahm er vom Paradiese   
heraus ein kleines Stück.

Er legte es behutsam
ins allerschönste Land

Und sprach: „Dich lass ich hier
als meiner Liebe Pfand zurück.“

(Julia Grauer, März 2008)

 

Winter am Fluss

Sandbänke kauern
verkahlt
im graugrünen Sog.

In schwarze Stummheit
von Kormoranen mischt sich
wellenzartes Flussgemurmel.

Boote im Winterhafen
an rostroten Ketten,
wiegen sich in Ungeduld –

verwaiste Sommerinseln
an denen die verborgene Macht
haltloser Strömung zieht,

die alles verbindet,
fernblaue Frühlingsgesänge und
schwarzgefiedertes Winterkrächzen.


Zeitig

Greift Märzwind noch
mit frostkalten Händen,

nistet schon Frühling
in lösssteilen Wänden,

wärmt zarte Flügel,
treibt aus im Holunder

dieses alljährlich
erwachende Wunder.


Lüstern

Im nackten Gezweig
sitzt der lüsterne Frühling,

kitzelt junge Knospen
bis sie in ihre zartscheuen
Brautkleidchen schlüpfen,

fährt verstummten Vögeln
unters weiche Gefieder
bis sie Liebeslieder singen

und uns
unter die winterträge Haut.


Dennoch

pflanze ich Bäume
in den Frühling,

obwohl ich weiß dass sie
nicht in den Himmel wachsen –

aber in die
Zirkulation des Lichts.


Der Rhein

Kinderzeiten durchflossen,
mit samtgrünem Schein
im Sound von Dieselmotoren
zwischen Pappeln in Reihn.

Sumpfiger Auenatem,
märchenbehangene Weiden,
Muscheltage im Sand,
glänzend und seiden.


Pilze

Weltweit wucherndes Mycel
unter modriger Decke
des Wohlstandsfriedens,

gläserne Gedankenfronten,
grenzenlos, in unsichtbaren

Sporenköpfen, getragen
vom täglichen Kabelsturm
verbreiten Krieg –

Pilze, heißt es, nützen
den mächtigen Bäumen.

(Hubert Achenbach, März 2008)

 

Versuch

zieh
dich
nicht
in dein
Schneckenhaus zurück

geh hinaus 

und fühle

wie schön es ist

ein Lächeln
zu verschenken
dein Herz
zu öffnen
und
deine Seele frei zu lassen

(Eva Jauch, Worms 2007)

 

Die ganze Welt ist Bühne,
Und alle Frau´n und Männer bloße Spieler.
Sie treten auf und gehen wieder ab.

Aus "Wie es euch gefällt" von
William Shakespeare

(eingesendet von Oberbürgermeister Michael Kissel, 2007)

 

Domgeheimnis

Aufgewölbter Stein
hält jeden Ton gefangen
wirft ihn
vervielfacht
in sich selbst zurück

Wäre da nichts,
nie könnte er
in unser Ohr gelangen -
dies Klangauge,
das in die Leere sieht,
ist unser Glück.

Etwas muss sein
in eines Domes
steinerner Gebärde,
sonst fiel sein Echo
klanglos auf die Erde.

(Hubert Achenbach, 2007)

 

Dom

Komm
duck durch den Bogen
laß Deinen Blick emporreißen
auf verwitterte Türme

Gib auf die Rosetten acht
sie weisen ins Dunkel

Wie er versucht
graziös zu sein
dieser Klotz

Glaube ihm nichts
traue keinem seiner Steine

Aber sieh auf
seine Ungeheuer
kämpfende Engel
weinende Marien

Sie sollen
Dich führen


Marlene

Ihre Zähne beißen
in Licht.
Der Hauch eines
Schuhes wippt
gerade noch an Zehen.
Strümpfe spannen
die Schenkel.
Der Rock lockt
Strapse hervor.
Ihre Taille schreit
nach Umarmung.
An ihren Brüsten
wollen Hände saugen.
Ohrläppchen lecken
sich den Hals empor.
In ihrer Haarespracht
ertränkt sich
letzter Seufzer.


Die Steine spritzen vor mir auf
Und flüchten
Die Bäume stürtzen
Ihre Äste himmelschreiend abgereckt
An mir vorbei

Flüsse mich erblickend
Verebben zwischen Hafengebälk

Und selbst die Fische
Nach pfuhligen Pfützen japsend
Lassen ihr Zappeln um
Meinen Blicken zu entgehen

Gewachsene Erde wird wellig
wirft sich in Falten
Versuchend der Berührung meiner
Füße zu entkommen

Die Luft die ich entkeuchte
Verfärbt sich grau stirbt ab
Und fällt zu Boden

Nun endlich wird’s auch mir
Bewußt
Mein Schweiß wird kalt und ängstlich

Eindringling

(Christian Schäfer, 2007) 

 

Am Rhein 

Die Pappeln mag ich, die ranken, schlanken,
wie sie früher schon am Rheinufer standen.
Wir sind mit dem Fahrrad durch die Hitze gefahren,
damals konnte man im Rhein noch baden.

Endlich sind wir ans Ziel gekommen,
zur Abkühlung wurde erst geschwommen.
Es war herrlich zu toben im kühlenden Naß,
das Wasser war sauber, es machte noch Spaß.

Ausgiebig haben wir in der Sonne gebraten,
es war keiner da, der uns abgeraten.
Wir hätten auch nicht auf den Mahner gehört,
das tat ich erst dann, als ich schon gestört.

Später hat uns eine Pappel beschattet,
es war höchste Zeit, ich war ermattet.
Nie werd ich vergessen was damals geschehen,
ich hab nämlich Pappeln vorm Fenster stehen.

(Irmgard Müller, Worms, 2007)

 

Kapitalismuskritik oder Die Wirtschaft ist für den Menschen da! 

Kaum jemand will die Zeit bloß horten,
nur komisch, dass meist allerorten,
die Zeit gleich Geld bedeuten soll,
und davon kriegt den Hals nicht voll,
die Welt im kapitalen Rausch
in ihrem Wahnsinns-Warentausch.

Nein, nein, ich spar' mir die Moral
und nehme meinen roten Schal,
erlass für heute euch die Qual
und lege weg das Kapital.
Entscheidend ist ja nicht das Rot,
entscheidend bleibt, was lang nicht tot,
der Geist aus Nazareth und Trier,
der wach hält was in Dir - und mir,
an Menschenfreundlichkeit noch lebt,
zum Wahren, Guten, Schönen strebt.
Zur Pflicht uns diese Sehnsucht macht,
die ohne Herrschaft, ohne Macht,
in Freiheit dient und ganz frei wählt,
das ist's - was mit der Zeit nur zählt!

(Ute Plass, 2007)

 

Gedankensplitter

Wenn Gefühle wie Orchideen erblühen, wenn Gedankengefühlen Flügeln wachsen, um in den Himmel zu sehen, dann fallen Sterne hernieder und Worte erheben sich, um uns selbst zu übersteigen. Grenzenlos wir, die in uns Aufgelösten. Wir, die Suchenden und Findenden, wir die Lichtträger dieser magischen Augenblicke. Wir in Euphorie und im Flammenspiel.

(Gerda Steger, Autorin aus Worms, 2007)

 

Liebeserklärung an eine Stadt

"Vogelschwärme der Heiterkeit flogen über dich hin
An einem Himmel der blau war über rötlichem Dom
Oder grau
Oder weiß von Schnee.
Ich hab bei dir gelernt,
Glücklich zu sein."

(Nino Erné, eingesandt von Gernot Schnellbacher, Worms, 2007)

 

Im Kosmos

wolkenweit wo
der Horizont im
Bann der Sterne
glühend steht
       dort
wo Anfang ohne Ende
im Grenzenlosen schiff-
end uns verführt
       dort
wohin in Riesenschritten
Herzzeitlose zeitlos-
gelöst sich aalen
       dort
sonnenmeergetränkt er-
klingt in Adagioforte
der Erde beben-
der Gesang

(Gerda Steger, Worms, 2007)

 

Die Sonne

Zwischen meinen Augenliedern
fährt ein Kinderwagen.

Zwischen meinen Augenlidern
geht ein Mann mit einem Pudel.

Eine Baumgruppe wird
zum Schlngenbündel
und zischt in den Himmel.

Ein Stein hält eine Rede.

Bäume in Grünbrand.
Fliehende Inseln.

Schwanken und
Muschelgeklinge und Fischkopf
wie auf dem Meeresboden.

Hugo Ball, 1866-1927

(eingesandt von Norbert Illig, Worms, 2007)

 

Toast

Auf das Wohlsein der Poeten,
Die nicht schillern und nicht göthen,
Durch die Welt in Lust und Nöten
Segeln frisch auf eignen Böten.

Joseph von Eichendorff "Toast" (1831)

polnische Übersetzung:


Pijmy za zdrowie poetów,
Którzy nie patrzą na Goethów,
Którzy o chlebie i wodzie
We własnych żeglują łodziach.

(eingesandt von Margarethe Korzeniewicz, 2007)

 

Der Winzer

Es hat die Nacht geregnet,
Es zog noch grau ins Tal,
Und ruhten still gesegnet
Die Felder überall;
Von Lüften kaum gefächelt,
Durchs ungewisse Blau
Die Sonne verschlafen lächelt,
Wie eine wunderschöne Frau.

Nun sah ich auch sich heben
Aus Nebeln unser Haus,
Du dehntest zwischen den Reben
Dich von der Schwelle hinaus,
Da funkelt auf einmal vor Wonne
Der Strom und Wald und Au -
Du bist mein Morgen, meine Sonne,
Meine liebe, verschlafene Frau!

Joseph von Eichendorff "Der Winzer" (1836)

polnische Übersetzung:

"Winogrodnik" (1836)
Deszcz spadł dzisiejszej nocy,
W dolinie szary brzask,
Błogosławiona cisza
Otula łany traw;
Ledwo wiatrem muśnięte,
Skroś niepewny błękit
Sle uśmiech zaspane słońce,
Jak dziewczę cudownie piękne.

I nagle się wyłonił
Z tumanu mgieł nasz dom,
Pośród winorośli pędów
Przeciągasz się na progu,
Wtem zaskrzyły się wesoło
Las i nadrzeczne łąki -
Jesteś jak poranek, jak słońce,
Moja ty, zaspana małżonko!

(eingesandt von Margarethe Korzeniewicz, 2007)

 

Auszeit

endlich
bist du
aus dem
viel verschlungenen Labyrinth
des Lebens
ausgebrochen

fern
von der Wirklichkeit
schwebst du nun
auf weißen Wolken
und
fühlst dich
auf einmal frei

du lernst wieder
tanzen und singen
lachen und weinen
spielen und träumen
lieben und hoffen

und
du erkennst
dass du lebst

aber
wie lange

paar Wochen

was dann

wird die Kraft reichen
die du getankt

wirst du das Labyrinth jetzt bezwingen

ich kann es nur hoffen

(Eva Jauch, August 2008)


Wege

du gehst und gehst und merkst es kaum
wie ringsum die Bilder sich verschieben
und eines nach dem anderen rückwärts fällt
als wär’s ein Traum

plötzlich stehst du da in einer neuen Welt

geh einen geraden Weg
hat man dir oft gesagt
von einer Kreuzung war nie die Rede
verschiedene Richtungen und mehrere Wege
sind plötzlich da

nun bist du gefragt
welchen Weg willst du jetzt gehen

es kann nur einer sein
die Reize der anderen lernst du nie kennen
wenn du glaubst
jetzt musst du rennen
damit dir nichts verloren geht
dann bleib mal kurz stehen

denn gehst du kreuz und quer
so kommst du nie ans Ziel
doch wenn dir das gefällt
dann treib dein buntes Spiel
und auf der Suche wirst du bleiben
denn nur ein Weg ist dir bestimmt

wenn du dich besinnst
dann hast du irgendwann erkannt
das ist der Weg für dich
ob Steine oder Sand
gerade oder krumm
unklar oder rein
bergauf oder bergab

es wird alleine dein Weg sein

(Eva Jauch, August 2008)

 

flussaufwärts

in die farbe der unendlichkeit weit
entfernt jeder zeit zeit
gemäß sich zeichnet
die fontäne meiner seele

sie in azurblauen klängen
da verharrt widerhallt
und halt darin im
licht der ewigkeit
sie immer findet


SINNESRAUSCH

Noch schneeumhüllt
das blaue Karussell
und kreischend besetzt
schon am Grenzpunkt
sich begegnender Zeiten

Auf frierenden Flächen
warm die Gedanken in
knospenden Tönen die
das erstarrte Karussell
in Anflug nehmen

Sonnengelb jetzt
im Tanz der Ekstase
kreisende sich kreisende Gefühle
im grünblauen Raum
mit verlierendem Blick

im Licht
WIR
die Frühlingsumsonnten 


erlebnis

der blitz schlägt
ein wort ein bild
ein traumgefühl öffnet
füllt die schreibflussader
lässt gedankenketten wort
kaskaden fließen frei
im adlerflug gefühls
gedanken dankend tanken auf
der schreibtischinsel stille
insel im musenlicht geadelt sei
lichtwegweiser im
floralen labyrinth sei
lichtspielwortwiese dort
am übergang der grenze sei
startrampe ins unbekannte
der dichter und sein wort
potpouri mit feuer
flügeln flügelnd auf
der höhe zeit
gemäß der zeit zum
wortgefecht heraus den leser
fordern zu verlieren in
der stimme des flusses sich
wieder zu finden im licht
(ge)dicht ? himmlischer impulse

(Gerda Steger, Autorin aus Worms, 2008)

 

Maizauber

Zauberer Mai
Gipfel des Lichts
holt aus dem Nichts
Blumen herbei
Eine Brücke
von dunkel zu hell
führt in den Sommer
vergeht so schnell
Schillernde Perle
im Jahresverlauf
kurzer Genuss -
man freut sich darauf


Feuergelb

flammt der Krokus
hinter grauem Stein,
sticht ins Herz
des kalten Krieges
der Jahreszeiten.

One World

Grenzen fallen
und Menschen
übereinander
her.

(Hubert Achenbach, 2007)

 

Blickt vom Sockel Martin Luther
auf die Wormser Leut' herab,
während Tauben picken Futter
geh'n Touristen auf und ab.

Schaun hinauf zum Luther Denkmal
diesem großen Protestant,
der dem Papst ließ keine Wahl
weil er fest im Glauben stand.

So kennt die Welt heut' seinen Spruch
daß er nicht anders kann und steht
denn nur ein Tritt ...er geht zu Bruch
daher er keinen Schritt mehr geht.

(Maria Olivan, Worms, 2007)

Frühlingstreiben (auch in Worms)

Frühjahrsblüten treiben
Lüste vor sich her
Herzen weh'n dazwischen
preisgegeben ohn' Gewähr.

Jedes Mal um diese Zeit
Hilfe - welch ein Überfall
treibt der Lenz das gleiche Spiel
fällt hier ein so Knall auf Fall.

Wirklich, dieser Frühlingsbote
säuselt lieb und frech zugleich
immer in den höchsten Tönen
klopft er einen richtig weich.

Nein doch, das ist keine Klage
bin nur einfach bass erstaunt
welche Blütenträume treiben
und Musik ins Ohr er raunt.

Ja, so lass ich mich nun treiben
federleicht und blütenschwer
über Erde, Flur und Heide
wie gesagt, ganz ohn' Gewähr

(Ute Plass, 2007)

 

POESIE

GEFÜHLE wie weiße Orchideen
mit dem Morgentau
im erwachenden Kelch,
HERZTÖNE wie fallende Tropfen
in lautloser Stille,
GEDANKEN wie bunte Luftballons
abhebend von der Erde
durch grenzenlose Himmelsräume
schwebend fliegen,
WORTE wie Sternschnuppen
zauberhaft erglühen,
TRÄUME wie Sternenlicht
die Seele sieht,
lodernden Flammen gleich
aufsteigend und überschlagend
SEHNSUCHT in mir brennt,
wie das weite Meer
HERZTRAUM ? WORT ? SEHNSUCHTSGEFÜHL
ewig sich verschenkt ?
wenn deine Sonne sprüht.

(Gerda Steger, Autorin aus Worms, 2007)

 

Mein Baum

mitten
im Paradies
meiner Kindheit
steht ein alter Baum
mit der Erde fest verwurzelt
dem Himmel so nah

in seinen Ästen schweben Träume
an den Zweigen hängen Pläne
ausgeliefert
wie ein Blatt dem Wind

tief in der durchfurchten Rinde
sitzen
Geheimnisse meines Lebens
die dort verborgen sind

sein rauher Stamm
geerdet und standfest
berichtet stumm
von alten Zeiten
und Lebensstürmen die ihn gezeichnet

mit dem Halt der Wurzeln aus des Bodens Kraft
strebt seine Krone stolz der Sonne entgegen

trotzt jedem Sturm

sein Anblick
nach Jahren
brachte
meine Seele
zum Beben

er war
meine Insel
der Erinnerung
traurig und kahl
steht einsam
ein Baum
in unserem Garten

(Eva Jauch, 2007)

 

Die Bank vor dem Haus

die alte Bank
vor meinem Elternhaus
unter dem Nussbaum
steht
immer noch da

sie ladet mich ein
mit ihr
zu plaudern
über
vergangene Zeiten
und
was sonst so geschah

die Sonne
ist schon lange gesunken
der Mond
zeigt sich in voller Pracht

ich sitze noch da
und lausche nach innen
im Schatten
der Nacht

(Eva Jauch, Worms, 2007)

 

Mein Worms 

Worms ist meine Heimatstadt,
für mich der schönste Ort.
Ich bin in ihr geboren,
ich möchte hier nicht fort.

Hier steht die Liebfrauenkirch,
rundum wächst guter Wein,
wir laden ein zum Backfischfest
ins schöne Worms am Rhein.

Mich hat ein Leiden mattgesetzt,
man wird mich dort nicht sehn.
Doch eines weiß ich ganz gewiß,
ja, unser Worms ist schön.

Hier möcht ich auch begraben sein,
in Hochheim auf der Höh’
und leise sag ich meinem Worms
zum Abschied dann Ade.


(Irmgard Müller, Worms, 2007)

 

HOMMAGE

Nichts ist so licht und rein, so hinreißend und mitreißend, so stilvoll schön wie du - POESIE. Kein Tag ohne dich! Was wäre schon das Leben ohne deine Farbklänge? Leer, kalt, abgefärbt. Durch dich hält die Welt den Atem an, wenn dein Zaubergeist die Erde berührt, sie in ?edler Einfalt und stiller Größe? erstrahlen lässt.

Ehrfürchtig verneige ich mich vor dir und trinke aus deinem Kristallglas. Täglich trinke ich dein Licht, trinke Lichtbogenworte, um mich zu berauschen an deinen symphonischen Sätzen.

POESIE ? ein Wort leicht fließend wie Musik ? muss man hören, fühlen, spüren, langsam auf der Zunge zergehen lassen.

Von deinem märchenhaften Charme, deiner Anmut und versteckten Sinnlichkeit lasse ich mich gern berieseln und entführen. Du trägst mich bis an den Rand der Sterne, um mir den Himmel zu öffnen.

POESIE ist der Traum meiner Seele.

(Gerda Steger, Autorin aus Worms, 2007) 

 

Egal wo ich in Urlaub bin

Egal wo ich in Urlaub bin,
immer kommt mir die Heimatstadt Worms in den Sinn.
Wie freu`ich mich drauf wieder den Dom zu seh´n
und durch die schönen Grünanlagen zu gehen.
An der Rheinpromenade flanieren,
beim Fürst einen Kaffe probieren,
im Heylsschlößchen bei Vorträgen sinnieren.
Der Luther lockt,
die Musikszene rockt.
Worms hat soviel Kultur,
drum frag ich mich, was mach ich im fremden Lande nur,
denn egal wo ich bin,
kommt mir die Heimatstadt Worms in den Sinn.

(Brigitte Körbel, Worms, 2007)

 

F arbige Blütenvielfalt auf Wormser Plätzen
R eges Treiben bei Gartenbesitzern
Ü berall Reifenwechsel
H asen in den Wingerten
L appen und Besen gegen Winterstaub -
I m Jahresrhythmus wiederkehrend
N eues Leben in Wald und Flur
G roßartige Schöpfung

(Monika Weinmann, Worms, 2007) 

 

Ich saz ûf eime steine
und dahte bein mit beine.
dar ûf satzt ich den ellenbogen.
ich hete in mîne hant gesmogen
daz kinne und ein mîn wange.
dô dâhte ich mir vil ange,
wie man ze Wormez möhte leben.
waz rât kond ich dâ gegeben?....

(Walther von der Vogelweide, eingesandt von Ellen Bender, Worms, 2007)

 

Die Sonne

Zwischen meinen Augenliedern
fährt ein Kinderwagen.

Zwischen meinen Augenlidern
geht ein Mann mit einem Pudel.

Eine Baumgruppe wird
zum Schlngenbündel
und zischt in den Himmel.

Ein Stein hält eine Rede.

Bäume in Grünbrand.
Fliehende Inseln.

Schwanken und
Muschelgeklinge und Fischkopf
wie auf dem Meeresboden.

Hugo Ball, 1866-1927

(eingesandt von Norbert Illig, Worms, 2007)

 

Alte Bauern-Weisheit:

Wenn es riecht in den Aborten:
Frühling wird es Allerorten!

(Helmut Steinmetz, Worms, 2007)

 

Fachmann, Baum und Bürger

Ein Baum stand fest in einer Stadt, er stand schon viele Jahre
Die Bürger waren gut zu ihm, was zeigt wie stolz sie waren.
Denn kamen Gäste prahlten sie, wie schön der Baum doch grüne
Sie pflegten, sie verwöhnten ihn. Er war ein Teil von ihnen.

Die Zeit verging, der Baum wuchs schnell, aufgrund besond'rer Pflege
denn jeder der des Weges kam, bedachte ihn zu hegen.
Man war sich einig, in der Tat, nie sah man schönere Äste.
Von all den Bäumen die man sah, war dieser Baum der Beste.

Auch selbst die Zeitung misste nicht ihn täglich zu beachten.
In Bussen kam man angereist, bewundernd ihn betrachten.
Doch unter all den Strömenden, die drängten sich voll Staunen
warf einer ein: „Das kann nicht sein!“ Das Volk begann zu raunen.

Man sah es gleich, ein Mann vom Fach, so wie er sich bewegte,
wie er den Baum betrachtete die Hände an ihn legte.
Er sprach sehr flüssig, elegant. Ein Mann mit Geist und Größe
Ein Mann von Rang und Namen wohl. So gänzlich ohne Blöße.

„Ein schöner Baum das glaub' ich wohl“, so sprach er zu der Menge,
doch wie der Baum die Äste hing, kein Ast mehr heute hänge.
Zur Abhilf sollt`man doch sogleich die Kronenzweige trimmen
und dann mit Drähten um`s Geäst, Gestalt und Wuchs bestimmen.
Zu guter Letzt noch Farbe drauf. Ein Rot in heller Note.
Türkis, Orange und etwas Blau. Auch Gelb sei schwer in Mode.

„Da ist was dran!“, der nächste rief, so mehrten sich die Stimmen
und schon begann der Erste gleich, die Krone zu erklimmen.
Man zupfte Blätter, hing in Zweigen, um diese zu verbiegen,
und als ihr Werk beendet war, da standen sie und schwiegen.

Dass unser Baum nun anders war, das konnte jeder sehen.
Nur wie die Farbe in ihm stach, war nicht ganz zu verstehen.
Und auch die Lichter im Geäst, drapiert das Werk zu krönen,
da sprach der Fachmann: Keine Angst! Man wird sich dran gewöhnen.

So stand der Baum noch lange da. Frisiert bis in die Spitzen.
Doch keiner wollt' mehr vor ihm steh'n, kein Vogel in ihm sitzen.
Das war sein Glück es klingt verrückt, wer weiss wie es sonst gekommen,
wenn jeder nun auf diese Art Notiz von ihm genommen.

Denn über Jahre, die vergingen, begann er ganz verstohlen,
das neue Ausseh'n abzutun und nicht zu wiederholen.
Und eines Tages im April, da sah er aus wie früher.
Er hat sie alle überlebt. Den Fachmann und die Bürger.

(Baatsch-Glaser, Worms, 2007)

 
 
 
Volker Gallé (Kulturkoordinator der Stadt Worms) 
Volker Gallé (Kulturkoordinator der Stadt Worms)

Über das Wormser Poesiealbum

„Mein Worms ergötzt mich schon von Ferne“, schrieb der hier geborene Dichter Johann Nikolaus Götz im Jahre 1743. Und er meinte damit, den Blick auf die Türme der Stadt bei der Anreise.

Von Westen her kommend sieht man zuerst den Dom in der Ebene. Das ist ein poetisches Bild.

Der ebenfalls hier geborene Kolumnist Richard Kirn erinnerte sich an seine frühe Kindheit im Wormser Süden über ein Schlüsselerlebnis der Sinne. Immer wieder kam ihm eine Szene in den Sinn, in der er voll Genuss im Elternhaus ein Brot mit Johannisbeer-gelee aß und er konnte beim Erinnern den süßen Duft riechen und gleichzeitig das Tapeten-muster erkennen.

Auch ein poetischer Augenblick. Natürlich gibt es solche prägenden Beobachtungen nicht nur in der Heimatstadt eines jeden Menschen, sondern überall auf der Welt, an anderen Orten, in der Begegnung mit Menschen, aber auch in der Begegnung mit Texten: Gedichtzeilen, in die man sich verliebt, Romanpersonen, die einem aus der Seele sprechen.

All das ist der Stoff für den Welttag der Poesie, den die UNESCO für den 21. März ausgerufen haben.

Neben verschiedenen Aktionen in Worms ist auf dieser Seite Platz, poetische Zitate von Bürger/innen und Gästen der Nibelungenstadt aufzunehmen, seien es eigene Texte oder Zitate aus der Literatur der Welt.

 

Wer etwas beisteuern will, schickt sein Zitat einfach an Volker Gallé und fügt seinen Namen hinzu. Die Beiträge werden dann nach redaktioneller Prüfung auf dieser Seite veröffentlicht.

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