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10. - 11. Jh.

Worms wird Sitz des Saliergeschlechtes. Die Stadtmauer wird gebaut, ebenso der Dom, Paulus- und Andreasstift sowie die erste Synagoge Deutschlands. Die Wormser (Christen wie Juden) stehen treu zum König, der ihnen mit besonderen Privilegien dankt. Der berühmte jüdische Gelehrte Raschi studiert in Worms. Dem ersten Kreuzzug fallen auch die Wormser Juden zum Opfer.

Saliergruft im Wormser Dom (Foto: R. Uhrig) 
Saliergruft im Wormser Dom (Foto: R. Uhrig)
  • frühes Mittelalter (bis 10. Jh.) / Hochmittelalter (ab 11. Jh.)
  • Heiliges Römisches Reich - (im 10. Jh. herrschen die Ottonen, im 11. Jh. die Salier)
  • erster Kreuzzug (1096-1099, Eroberung Jerusalems)
  • Romanische Baukunst (10.-12. Jh.)

Seit dem 9./10. Jahrhundert
wird die Stadt Worms Sitz der Herzogsfamilie der Salier, die über eine erstmals 1002 quellenmäßig fassbare Burg bzw. befestigte Anlage im Stadtgebiet verfügen. Sowohl in der Stadt als auch im Wonnegau hat die Familie offenbar eine dominierende Position inne. Ihre Familiengrablege befindet sich im Wormser Dom.

Um 900
datiert die von Bischof Thietlach erlassene bemerkenswerte Mauerbauordnung. Sie setzt eine Stadtbefestigung im Umfang von ca. 45 Hektar voraus. Die Mauerbauordnung legt fest, welche umliegenden Orte mit ihren Bewohnern für die Instandhaltung einzelner Teile der Stadtbefestigung zuständig sind. Der Mauerzug wird genau beschrieben, angefangen bei der “Frisonenspira”, einer Sperre oder ein Tor, das später als “Judenpforte” bezeichnet wird, bis zuletzt über die Martinspforte, die im Norden die Einfahrt in die Innenstadt sichert, zurück zur Frisonenspira. Sieben burgähnliche Torbauten weist der starke Mauerring in späterer Zeit auf.

920 - 26. November
König Heinrich I. rückt mit seinen sächsischen Truppen bis Worms vor. Der westfränkische König Karl, der ihm bis Pfeddersheim entgegen gezogen war, weicht zurück. 

955
Konrad der Rote, Herzog von Worms, aus der Familie der salischen Herzöge von Worms, fällt am Tag des heiligen Laurentius (10. August) als Sieger in der Schlacht gegen die Ungarn auf dem Lechfeld. Er ist Stammvater des salischen Kaisergeschlechts und wird im Dom bestattet.

979
Bischof Hildebold von Worms erhält von Kaiser Otto II. das dem Sohn Konrad des Roten, Otto von Kärnten, gehörige Drittel der Zoll- und Banneinkünfte in Worms. Damit liegt die gesamte Gerichtsbarkeit, Zoll- und Bannrecht in bischöflicher Hand. Die bischöfliche Stadtherrschaft, ermöglicht durch die Unterstützung des ottonischen Königtums, wird damit zugrundegelegt.

Um 990/1000
Der 960 in Mainz geborene Gelehrte Gerschom ben Jehuda gibt die früheste Nachricht über die Ansiedlung von Juden in Worms. Er erwähnt Geldgeschäfte, die von Juden aus Mainz und Worms auf der Kölner Messe getätigt werden. Die Gründung einer jüdischen Gemeinde von Worms datiert vermutlich in die 2. Hälfte des 10. Jahrhunderts. 

996
Papst Gregor V. (vor seiner Wahl Bruno genannt, gestorben 999), aus dem Haus der Wormser Salier, erster deutscher Papst, krönt Kaiser Otto III.

 
Bischof Burchard - Figur vor dem Dom (Quelle: Stadtarchiv Worms) 
Bischof Burchard - Figur vor dem Dom (Quelle: Stadtarchiv Worms)

1000

Bischof Burchard I. von Worms (um 965-1025) tritt sein Amt als Wormser Bischof an. Nicht nur für die Rechts- und Stadtgeschichte der Stadt sondern auch für die weltlichen und kirchlichen Verhältnisse seiner Zeit sind sein Hofrecht für den Hörigenverband der Wormser Kirche und seine bemerkenswerte Sammlung kirchenrechtlicher Vorschriften von großer
Bedeutung. Zu seinen zahlreichen Leistungen gehören große stadtplanerische Maßnahmen und Bauprojekte, darunter in erster Linie der Neubau des Domes, verschiedener Stifte sowie der Stadtbefestigung.

1002
Bischof Burchard gelingt mit Unterstützung Kaiser Heinrich II. die Gewinnung der im Osten der Stadt gelegenen Burg der Salier, die mit dem Hof Bruchsal entschädigt werden. Er lässt die Burg abtragen und an dieser Stelle das ca. 1016 vollendete St. Paulusstift errichten. Burchard wird somit alleiniger Stadtherr.

1007
In einer Urkunde Kaiser Heinrich II. wird die Amanduskirche erstmals urkundlich erwähnt.

1008 - 1012
verfasst Bischof Burchard in zwanzig Büchern ein Dekret, eine bedeutende Sammlung kirchenrechtlicher Vorschriften, die im gesamten Abendland Verbreitung findet.

1014
Kaiser Heinrich II. bestätigt die Immunität der Wormser Kirche.

1016
In einer Schenkungsurkunde Bischof Burchards wird das im 9. Jahrhundert gegründete Frauenstift Maria- bzw. Nonnenmünster erstmals unter dem Namen “abbatia S. Mariae” erwähnt. Burchards Schwester Mechthildis ist zu jener Zeit Leiterin des Stifts. Sie soll das nahezu verfallene Kloster wieder aufgebaut haben.

1018
In Anwesenheit Kaiser Heinrichs II. wird - obwohl noch nicht ganz fertiggestellt - der Dom geweiht. Zwei Jahre später stürzt der Westchor ein, der jedoch bis 1022 wieder errichtet werden kann.

Um 1020
verlegt Bischof Burchard das Andreasstift aus der westlichen Vorstadt in den Schutz der südlichen Stadtmauer.

1024
Konrad II. (990-1039) aus dem Geschlecht der Wormser Salier, Schüler Bischof Burchards an der Domschule, wird König und begründet die neue Grablege der Herrscherfamilie im Dom zu Speyer.

1025 - 20. August
Bischof Burchard, der sich um das Bistum und die Stadt größte Verdienste erworben hat, stirbt und wird im Westchor des Domes beigesetzt.

1034
Kaiser Konrad II. tätigt die Memorienstiftung für die Ahnen und Familienmitglieder des salischen Königshauses am Heilig-Kreuz-Altar im Wormser Dom.

1034 - Aug./Sept.
Jakob ben David und seine Frau Rahel stiften ihr Vermögen zur Errichtung und Ausstattung einer Synagoge. Das Gotteshaus, das infolge der Kreuzzüge 1095/96 verwüstet wird, lag unmittelbar westlich der heutigen Männersynagoge. Es ist die älteste Synagoge auf deutschem Boden.

1044 - 17. Januar
Bischof Azecho, der mit dem salischen Kaiserhaus verwandt ist, wird in der Saliergruft unter dem Ostchor des Domes beigesetzt.

Um 1060
hält sich Rabbi Salomo ben Issak aus Troyes (1040-1105), genannt Raschi, in Worms auf. Er studiert bei dem Wormser Rabbiner und Leiter der talmudischen Hochschule Issak ben Eleasar ha-Levi. Raschi ist eine der bedeutendsten Gelehrtengestalten der jüdischen Welt. Seine Kommentare zu Bibel und Talmud zeichnen sich durch Klarheit, Verständlichkeit und Bildhaftigkeit aus.

1068
Der an der Pfrimm westlich von Worms gelegene Ort Hochheim wird erstmals urkundlich erwähnt; ebenso das drei km westlich der Stadtmitte von Worms als Straßendorf im Pfrimmtal gelegene Pfiffligheim.

Zwischen 1070 und 1125
erlebt die bischöfliche Herrschaft eine Schwächephase. Die Bindung der Stadt an das salische Königshaus nimmt intensive Formen an. Die salischen und später die staufischen Herrscher fördern die wirtschaftliche und politisch-rechtliche Besserstellung der Bürgerschaft.

1074 - 18. Jan.
König Heinrich IV. gewährt den Bewohnern von Worms (“Iudei et coeteri Wormatienses”), für ihre Treue Zollfreiheit an den königlichen Zollstätten in Frankfurt, Boppard, Hammerstein, Dortmund, Goslar und Engers. Die Bürgerschaft hatte gegen den Widerstand des Bischofs den von der Harzburg nach Ladenburg geflohenen König die Stadttore geöffnet. Sowohl die Juden als auch die Christen sollen ihm militärisch Beistand geleistet und bei der Bewältigung der kritischen politischen Situation unterstützt haben. 

Das Pergament ist die älteste im Original erhaltene Urkunde des Wormser Stadtarchivs und die erste Urkunde überhaupt, die im deutschen Reich vom König den Bürgern einer Stadt ausgestellt worden ist. Zugleich besitzt sie den Charakter eines politischen Manifests: Die Hilfe der Wormser für den Herrscher wird als Vorbild für andere Städte herausgestellt. Darüber hinaus ist es die früheste Erwähnung der zu diesem Zeitpunkt bereits seit ca. hundert Jahren bestehenden Wormser Judengemeinde überhaupt.

1076 - November
Der Rhein friert zu und bleibt in diesem Zustand bis zum April 1077, so dass man sogar über ihn hinüber reiten und mit großen Lasten darüber fahren kann.

 
Grabstätten von Rabbi Meir von Rothenburg (links, † 1293) und Alexander ben Salomon († 1307) auf dem Jüdischen Friedhof "Heiliger Sand" in Worms 
Grabstätten von Rabbi Meir von Rothenburg (links, † 1293) und Alexander ben Salomon († 1307) auf dem Jüdischen Friedhof "Heiliger Sand" in Worms

1076/77

Der jüdische Friedhof, der “Heilige Sand”, außerhalb der Stadtmauern gelegen, dient den Juden als Begräbnisplatz. Der älteste erhaltene Grabstein wird im Jahr 1076/77 für Jakob ha-bachur gesetzt. Unter den Grabsteinen aus 10 Jahrhunderten sind die des jüdischen Märtyrers Rabbi Meir von Rothenburg und des Alexander ben Salomon Wimpfen sowie berühmter Gelehrter zu nennen. Der Heilige Sand ist der älteste europäische Judenfriedhof.

1090
Heinrich IV. formuliert für die Wormser Juden Regelungen, die insbesondere deren kaiserlichen Schutz, Recht und Gerichtsbarkeit betreffen. Ferner werden ihre Beziehungen zu den christlichen Bewohnern geregelt, die jüdischen Kaufleute generell von Sonderzöllen befreit. Unter Berücksichtigung der Vorrechte der bischöflichen Münzerhausgenossen wird ihnen der Geldhandel zugestanden.

1095
Unter Führung von Gottfried von Bouillon ziehen französische und deutsche Ritter, begleitet von ungeordneten Scharen fanatischer Teilnehmer, auf dem ersten Kreuzzug in das Heilige Land. Die ersten “Ungläubigen” treffen sie in den rheinischen Bischofstädten. Die Kreuzfahrer fallen am 18. Mai in Worms über die in ihren Häusern gebliebenen Juden her. Sie werden erschlagen, wenn sie sich nicht taufen lassen. Die Häuser werden geplündert, die nackten Leichen durch die Stadt geschleift. Am 25. Mai greifen die Kreuzfahrer in
Abwesenheit des Bischofs den Bischofshof an, in den sich zahlreiche Juden geflüchtet hatten.