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18. Jh.

Goethe und Schiller besuchen Worms. Dreifaltigkeitskirche und Friedrichskirche werden eingeweiht, die Stiftung Hospital Neuhausen und die Weinhandlung Valckenberg gegründet. Millitärisch kehrt keine Ruhe ein: Die Stadt sieht Truppen der Engländer, Preußen und Franzosen kommen und gehen. Ende des Jahrhunderts ist Worms Teil der französischen Republik.

  • Russland wird zu einer Großmacht
  • Friedrich II. der Große von Preußen regiert in 
    (1740 - 1786)
  • Siebenjähriger Krieg
    (1756 - 1763), Preußen setzt sich als europäische Großmacht durch
  • Nordamerika betreibt Sklavenhandel, 1776 Unabhängigkeitserklärung der USA
  • Französische Revolution (1789)

1700 - 1. Januar
An der Stelle der heutigen Friedrichskirche wird eine provisorische Holzkirche der Wormser Reformierten Gemeinde eingeweiht.

1703
Infolge kriegerischer Ereignisse werden die wertvollsten Archivalien des städtischen Archivs nach Frankfurt ausgelagert.

1708 - 18. Juli
Das „Wormsisch Evangelisch - Lutherische Gesangbuch“ erscheint in seiner ersten Ausgabe. 

1709 - 31. Juli
Der regierende Stättmeister Johann Franz Knode vollzieht die Grundsteinlegung für die Dreifaltigkeitskirche. Der Grundstein wird nicht wie üblich unter dem Altar, sondern in der Tiefe des Turms niedergelegt. Die Umschrift der Gedenkmünze erinnert an den markanten Ort, in dessen Nähe diese Kirche errichtet wird ”So setzt mich Gott nun an den Ort, wo Luther einst bekannt sein Wort”.

 
Der "Wambolder Hof" in der Kämmererstraße - heute der einzige erhaltene barocke Domherrenhof in Worms (Foto: R. Uhrig) 
Der "Wambolder Hof" in der Kämmererstraße - heute der einzige erhaltene barocke Domherrenhof in Worms (Foto: R. Uhrig)

1710
Maximilian von Welsch erbaut für den Domherren Wambold von Umstadt den ”Wambolder Hof” in der Kämmererstraße. Er ist heute der einzige - wenn auch in vereinfachter Form - erhaltene barocke Domherrenhof in Worms.

1712
Die Küfer- und Bierbrauerzunft bittet um Erlaubnis, bei dem Wiesengang zur Maienzeit, einem alten Bürgerfest, den ein Jahr zuvor wieder erstmalig aufgeführten Küfer- oder Reifentanz halten zu dürfen.

1713
Der Stättmeister Georg Wilhelm Benedikt (1648-1719) erhält das Braurecht. Er kann als Gründer der Brauerei ”Zu den Zwölf Aposteln” betrachtet werden, da er das dem Bürgerhof gegenüberliegende Haus ”Zu den Zwölf Aposteln” übernimmt. Wie sein im Museum aufgestellter Grabstein zeigt, zeichnete er sich auch in den Türkenkriegen aus.

1718 - 6. September
Der Rat lässt ein Dankfest auf den Sieg des Prinzen Eugen über die Türken und die Eroberung Belgrads halten.

1719
Franz Ludwig von Pfalz-Neuburg, seit 1694 Fürstbischof, beginnt mit dem Neubau des fürstbischöflichen Residenzschlosses. Außerdem lässt er den Dom wiederherstellen und stiftet den Hochaltar von Balthasar Neumann. Beigesetzt ist er im Dom zu Breslau, im Wormser Dom befindet sich ein Denkmal im Westchor.

 
An den in Worms geborenen Dichter Johann Nikolaus Götz erinnert ein Denkmal im Heylshofpark (Foto: R. Uhrig) 
An den in Worms geborenen Dichter Johann Nikolaus Götz erinnert ein Denkmal im Heylshofpark (Foto: R. Uhrig)
Inspirierte zu romantischen Dichtungen: Worms in der 1. Hälfte des 17. Jahrhunderts (Quelle: Stadtarchiv Worms) 
Inspirierte zu romantischen Dichtungen: Worms in der 1. Hälfte des 17. Jahrhunderts (Quelle: Stadtarchiv Worms)

1721
Der Dichter Johann Nikolaus Götz (1721-1781) erblickt als Sohn eines Predigers in Worms, wo er das Gymnasium besucht, das Licht der Welt. Als Hausleherer, Hofmeister und Feldprediger kommt er weit herum, wird 1754 Oberpfarrer zu Meisenheim, 1761 Konsistorialrat in Winterburg und 1781 Superintendant in Kirchberg. Bekannt geworden ist er durch zahlreiche sinnenfreudige Dichtungen lyrischer Art, die er, weil er selbst Geistlicher war, unter dem Namen ”Anonymus” veröffentlichte. Die Verbundenheit zu seiner Vaterstadt drückt der Rokoko-Dichter deutlich mit den Worten ”Mein Worms ergötzt mich schon von Ferne..” aus.

1724 - 21. Dezember
Die Wormser Fischerzunft hält in ihrem wiederaufgebauten Zunfthaus ihre erste Versammlung ab.

1725 - 31. Juli 
Die Dreifaltigkeitskirche, als Reformations-Gedächtniskirche errichtet, wird am 16. Jahrestag der Grundsteinlegung als erstes großes öffentliches Bauprojekt nach dem Stadtbrand fertiggestellt und feierlich eingeweiht. Um fünf Uhr morgens wird durch Abfeuern des Geschützes, durch Trompeten und Paukenschall von dem Kirchturm die Festlichkeit angekündigt. Die Pläne stammen von dem kurpfälzischen Capitain-Ing. Villancourt. 3000 Personen finden in der Kirche Platz. Die gewölbte Decke ist völlig ausgemalt. Sie wölbt sich über dreiseitig umlaufende Galerien, deren Brüstungen biblische Bilder schmücken. Die Orgel befindet sich im Osten über dem Altar.

1726 - 17. August
Der Grundstein zum Neubau des Gymnasialgebäudes am Marktplatz wird gelegt. Am 12. Dezember 1729 wird es eingeweiht.

1729/30
Franz Ludwig von Pfalz-Neuburg (1694-1732) gründet das Hospital Neuhausen in Form einer Stiftung und stattet es mit reichem Besitz aus. Die Fertigstellung verzögert sich aufgrund Kompetenzstreitigkeiten mit dem Domkapitel, so dass die ersten Waisenkinder (aus dem Hochstift) erst 1749 aufgenommen werden können. Auf der Grundlage eines aus landwirtschaftlichen Flächen bestehenden Hospitalvermögens besteht die Stiftung noch heute fort, ihre Erträge kommen der Wohlfahrtspflege zugute.

1733 - 28. August
In der Sitzung des Wormser Domkapitels wird mitgeteilt, dass die von Johann Friedrich Schannat auftragsgemäß geschriebene Geschichte des Bistums Worms in Druck geht und das Stück fünf Taler kosten wird. Heute besitzt das Werk Quellenwert.

1739 - 26. April
Der berühmte Barockbaumeister Balthasar Neumann weilt wegen des Neubaus des bei dem Stadtbrand zerstörten Bischofshofes in Worms.

1739 - 25. Juli
Im „Weißen Löwen“ vor dem Martinstor werden aus altem Glockenmaterial für die Dreifaltigkeitskirche drei Glocken gegossen.

1743
In der Stadt wütet eine schwere Ruhrepedemie. Von ärztlicher Seite schreibt man die Entstehung der Krankheit unter anderem dem Genuss schlechten Bieres zu. Daraufhin ordnet der Rat eine strenge Kontrolle des Bieres durch geeignete, unparteiische Männer an. Diese bilden eine Kommission und müssen sich folgendermaßen verpflichten: "Ich schwöre .... unparteiischen Bericht zu erstatten und dabei weder durch Gabe, Geschenk, Verheißung, Freund- und Feindschaft, noch in anderem Wege von der reinen, lauteren Wahrheit mich verleiten lassen [zu] wolle[n], so wahr mir Gott helfe!"

1743 - August
70.000 Mann des Heeres König Georgs II. von England, der in Worms sein Hauptquartier eingerichtet hat, sind in der Stadt einquartiert.

1744 - 9. Juni
Die reformierte Friedrichskirche wird von Hof- und Kirchenrat Mentzel in Vertretung des preußischen Königs Friedrich II. eingeweiht. In den Grundstein werden die Bibel, der Heidelbergische Katechismus, zwei königlich preußische Medaillen und zwei von dem Magistrat übergebene Stadtmünzen, ein Taler und eine viereckige Gedächtnismünze, sowie eine kleine Zeichnung der Kirche gelegt. 

1744
Karl Theodor von Dalberg (1744-1817) aus dem Herrnsheimer Zweig der Familie Kämmerer von Worms gen. v. Dalberg wird geboren. Der Reichsfreiherr steigt zu hohen Würden auf, gerät aber trotz untadeliger Gesinnung in den politischen Strudel der Napoleon-Zeit. Erzkanzler, Kurfürst von Mainz 1802, Fürstbischof von Worms, Fürstprimas 1806, Großherzog von Frankfurt, Erzbischof zu Regensburg (bis 1813).

1754 - 3. Dezember 
Das Wormser Domkapitel beschließt die Anschaffung eines neuen Chorgestühls für den Dom anstelle des 1689 verbrannten.

1756 - 1763
Während des Siebenjährigen Krieges wird die Stadt durch erhebliche militärische Maßnahmen wie Einquartierungen und Kontributionszahlungen belastet.

1757
Neubau des Kapuzinerklosters.

1759
Die Belastungen durch den Siebenjährigen Krieg erreichen ihren Höhepunkt. In Worms wird ein Militärhospital für die sich auf dem Rückzug nach der verlorenen Schlacht bei Minden befindenden Franzosen errichtet. Zahlreiche Kranke und Verwundete müssen aufgenommen werden. Wegen der großen Anzahl muss man auch auf Nachbarorte ausweichen.

1762 - 18. März
Kaiser Franz gewährt der durch den 30-jährigen Krieg, den Brand im Jahre 1689 und andere Unglücksfälle hoch verschuldeten Stadt Worms einen Zahlungsaufschub auf zehn Jahre, wobei 4000 Gulden jährlich abgetragen werden sollen.

1762 - 23. November bis 10. Dezember
20.000 französische Soldaten ziehen durch Worms.

1769 - 21. Dezember
weilt Goethe in Worms in der “Eulenburg” als Gast der Familie von Kampf. Hier trifft er Charitas Meixner, die er in Frankfurt im Haus des Legationsrats Moritz kennen gelernt hatte und der er sich sehr verbunden fühlte.

1772
Der Grundstein für das Bürgerhospital wird an der Ecke Martins- und Hardtgasse (heute steht dort das Amtsgericht) gelegt, nachdem die ”Elendenherberge” in der Mainzer Straße den Anforderungen nicht mehr genügt. Die Fertigstellung des Hospitals erfolgt zwei Jahre später. Unter einem Dach sind Altersheim, Versorgungshaus und Krankenhaus vereint.

1773 - 3. September
Das Jesuitenkolleg wird aufgelöst. Im November beschließt Bischof Emmerich Joseph ein fürstbischöfliches Gymnasium in dem ehemaligen Kolleg und der dazugehörenden Schule zu errichten. 

1776 - 4. Januar
Es erscheint die erste Ausgabe einer Wormser Zeitung ”Reichsstadt Wormsisch privilegirtes Intelligenzblatt”. Verlegt wird die Zeitung von dem Buchhändler Heinrich Bender, gedruckt in der Buchdruckerei Kranzbühler.

1778
Wolfgang Heribert von Dalberg (1750-1806), aus der Familie Kämmerer von Worms gen. v. Dalberg, Bruder Karl Theodors, wird Intendant des  Nationaltheaters Mannheim, wo er 1782 die “Räuber” und 1784 den “Fiesco” von Friedrich von Schiller uraufführen ließ.

 
Brunnen mit Justiziafigur am Straßenmarkt (Quelle: Stadtarchiv Worms) 
Brunnen mit Justiziafigur am Straßenmarkt (Quelle: Stadtarchiv Worms)

1778
Von einer Brunnennachbarschaft und der Stadt wird am Straßenmarkt - an der Stelle, an der heute der Siegfriedbrunnen steht - ein Brunnen zur Deckung des Wasserbedarfs errichtet. Wegen seines Standortes beim Rathaus ist der Brunnen mit einer Justitiafigur gekrönt  (”Gerechtigkeitsbrunnen”). 

1782 - 6. November
Friedrich Schiller schreibt an seinen Freund Jacobi, dass er abends um neun Uhr in Worms angekommen sei.

1786 - 11. Juni
Der aus Eygelshoven bei Aachen stammende Peter Joseph Valckenberg (1764-1837) gründet die Weinhandlung Valckenberg. 1784 tritt er in das Handelshaus Friedrich Schuler ein. Mit der Weinhandlung unterhält er Geschäftsbeziehungen nach England. Nach der Säkularisation pachtet er die Liebfrauenmilchweingärten und wird zum Begründer der Liebfrauenmilchwerbung.

1791
Bischof Friedrich Karl Joseph von Erthal stellt dem aus Frankreich geflüchteten Prinz Condé den Wormser Bischofshof zur Verfügung, der von hier aus eine Gegenrevolution führen will. Zu den 5000 Einwohnern kommen noch 2000 französische, vorwiegend adelige Emigranten hinzu.

 

1792
Ludwig von Skell gestaltet den sich nördlich des Schlosses in Herrnsheim anschließenden barocken Park in einen Englischen Garten um, leicht hügelig, mit großer Wiese, Baumgruppen bzw. kleinem Wäldchen mit Gebüsch am Rand und Weiheranlagen im Osten.

Ab 1792
lenken nach Besetzung durch französische Truppen die Sansculotten die Geschicke der Stadt. Ein Jakobinerclub wird gegründet, ein Freiheitsbaum errichtet. Die Stadt erhält eine Munizipalitätsverwaltung nach französischem Vorbild.

1792 - 5. Oktober
Lediglich 146.436 Livres von der ursprünglich auf 600.000 später auf 300.000 Livres festgesetzten Kontribution kann die finanzschwache Stadt zahlen. Bis zur Zahlung der nochmals auf 80.000 Livres reduzierten Restzahlung müssen Rat und Klerus Geiseln stellen. 

1793 - 5./6. März
Als die Geistlichen zum Eid auf die französische Verfassung aufgefordert werden, flüchtet Weihbischof Stephan Alexander Würdtwein in der Nacht vom 5. auf den 6. März verkleidet über Mannheim nach Ladenburg. 

1793 - 30. März 
Die Franzosen fliehen vor den preußischen Truppen, die am 31. März in die Stadt einrücken. Der Magistrat erhält die alte Funktion zurück. Den Personen, die sich während der letzten Monate den neuen Ideen angeschlossen hatten, wird politische Amnestie gewährt. 

1794 - 7. Januar
Die Franzosen kehren nach Worms zurück. Sie beschlagnahmen öffentliche und private Vorräte, auch Kleidung und Wäsche müssen an die Truppen abgegeben werden. Es kommt zu Plünderungen in der Stadt und im Umland.

1794 - 12. Januar
Der fürstbischöfliche Palast, nach Plänen des Barockbaumeisters Balthasar Neumann erbaut, brennt infolge Brandstiftung völlig aus. 

1795
Der am 19.2.1795 als Maire der provisorischen Munizipalität eingesetzte Stadtschreiber Daniel Friedrich Kremer muss im November sein Amt aufgeben, als kaiserliche Truppen in Worms einrücken und die alte Verwaltung wieder herstellen.

1796 - 22. März
Auf dem Marktplatz wird ein Freiheitsbaum aufgestellt.

1796 - 11. April 
Der letzte Wormser Weihbischof, Stephan Alexander Würdtwein, stirbt in Ladenburg im Exil. Er wird in der St. Sebastianskapelle beigesetzt.

1797
Infolge des Friedens von Campo Formio wird Worms völkerrechtlich Teil der französischen Republik. Der reichsstädtische Magistrat hört auf zu bestehen. Worms, als Kantonshauptstadt und Garnisonsstadt gehört nun zum Arrondissement Speyer innerhalb des Departements Donnersberg (Mont Tonnerre) mit Sitz in Mainz.

1798 - 17. Januar
Die Amtsgewalt vom Magistrat geht auf die provisorische Munizipalität unter dem Maire Daniel Friedrich Kremer über. 

1798
Sowohl in Worms als auch in Pfeddersheim wird ein Friedensgericht eingerichtet. Amtssitz des Friedensgerichts Worms ist ein Amtslokal des Stadthauses in der Hagenstraße. 

1799 - 24. August 
Im Rathaus und nicht im Judenviertel wird die erste Ehe eines jüdischen Brautpaares (David Mannheimer und Hebele Durlach) nach der Zugehörigkeit zu Frankreich geschlossen und im Zivilstandsregister eingetragen.