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Wilhelm Küchler

Geboren am 4. September 1846 in Biedenkopf

Gestorben am 31. Oktober 1900 in Darmstadt

Wormser Bürgermeister von 1882 bis 1888 / Oberbürgermeister von 1888 bis 1898

 
 
 
Wilhelm Küchler (Quelle: Stadtarchiv Worms, M11401) 
Wilhelm Küchler (Quelle: Stadtarchiv Worms, M11401)
Das Küchler-Denkmal, eine Bronzeplastik auf einem Sockel aus Granit,  in der Hagenstraße, 1905-1945. (Postkarte, Stadtarchiv Worms) 
Das Küchler-Denkmal, eine Bronzeplastik auf einem Sockel aus Granit, in der Hagenstraße, 1905-1945. (Postkarte, Stadtarchiv Worms)

Leben

Sein Vater Ernst Ludwig Küchler war Großherzoglich Hessischer Steuerrat, sein Onkel Friedrich Küchler (1822–1898) Provinzialdirektor, Präsident des Hessischen Verwaltungsgerichtshofes und Ehrenbürger von Mainz.

Nach dem Besuch des Gymnasiums in Darmstadt studierte Küchler Rechtswissenschaften in Heidelberg und Gießen. Hier war er Mitglied der Corps Rhenania Heidelberg und Teutonia Gießen sowie 1868 stellvertretender Vorsitzender des Kösener Congresses.

Seine berufliche Laufbahn begann er nach Teilnahme am Deutsch-Französischen Krieg als Kriegsfreiwilliger, Ableistung der Referendarszeit und verschiedenen befristeten Anstellungen 1877 als Kreisassessor in Friedberg. 1882 wurde er zum Bürgermeister von Worms gewählt. 1888 erhielt er den Charakter als Oberbürgermeister.

Küchlers Amtszeit in Worms stand ganz im Zeichen des Aufschwungs, der sich in einer verstärkten Wirtschaftstätigkeit, einer starken Bevölkerungszunahme und einer zusätzlichen sozialen Fürsorge der Verwaltung ausdrückte. Es entstanden u.a. das Krankenhaus an der Mainzer Straße (1888), das städtische Gas- und Wasserwerk (1889), das Spiel- und Festhaus (1889), das Kanalisationsystem, der Handelshafen, verbunden mit einer Rheinregulierung und neuen Uferbauten zum Hochwasserschutz (1890–1893), neue Schulgebäude und mehrere Nebenbahnverbindungen ins Umland. Schon 1883 erfolgte auf seine Initiative hin der Umbau des Stadthauses, dessen Situation unzumutbar geworden war.

Als Bürgermeister hat er zweifellos das städtische Leben und auch das Stadtbild geprägt wie kein zweiter zuvor. Als 1894 turnusgemäß seine Wiederwahl anstand, wurde er nicht wie bisher auf zwölf Jahre, sondern nach § 31 der hessischen Städteordnung auf Lebenszeit gewählt.

Dennoch wechselte er 1898 als Präsident des Großherzoglich-Hessischen Finanzministeriums nach Darmstadt. Hier machte er sich besonders durch den Vollzug der großen hessischen Steuerreform (Einführung der Einkommens- und Vermögenssteuer) einen Namen. Wegen einer Kehlkopfkrebserkrankung schied er schon 1900 aus dem Amt aus. Diesem Leiden ist er wenig später erlegen. Seine Asche wurde auf dem Alten Friedhof in Darmstadt beigesetzt.

Lesen Sie hier mehr über Küchlers Leben:

Nachruf - über den Studenten und Corpsmitglied

Küchlers Wohnhaus in Worms

Küchlers Ahnenliste

 

 

Ehrungen

Aus Anlass seines Ausscheidens aus dem Amt als Oberbürgermeister wurde Küchler am 5. Juli 1898 „wegen seiner großen Verdienste um das Wohl der Stadt“ zum Ehrenbürger ernannt. 

Ein von dem Karlsruher Bildhauer Johann Hirt ausgeführtes, überlebensgroßes Küchler-Denkmal (1904), initiiert von Cornelius Wilhelm von Heyl zu Herrnsheim stand von 1905 bis 1945 in der Hagenstraße gegenüber des Rathauses auf einem kleinen Platz, der im Volksmund bis dahin „Lindenplatz“, dann „Küchlerplatz“ genannt wurde.

Nachdem der "Küchlerplatz" 1945 der Stadtplanung zum Opfer fiel, wurde 1982 eine Straße nach Küchler benannt. In der Friesenstraße in Worms befindet sich das sogenannte „Küchlerhaus“ mit einem Porträtmedaillon des Bürgermeisters über dem Eingang.  

Das Küchler-Denkmal wurde nach 1945 vor dem ehemaligen altsprachlichen Gymnasium auf den Barbarossaplatz platziert.

Im Zuge der Rheinuferneugestaltung in Zusammenhang mit dem Bau der zweiten Rheinbrücke wurde auch der Barbarossaplatz neu gestaltet – und ein Teil offiziell in Küchlerplatz umbenannt. Dort steht seit Ende 2013 das umfassend sanierte Küchler-Denkmal: fast am gleichen Ort wie zuvor – aber nun den beiden Rheinbrücken abgewandt und mit Blick auf die Ernst-Ludwig-Schule (ehemals altsprachliches Gymnasium).