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Wo liegt der sagenhafte Nibelungenschatz?

Der Nibelungenschatz ist einer der berühmtesten Schätze in der Weltliteratur. Seit der ersten Aufzeichnung um 1200 hat sich ein Heer von Schriftstellern damit befasst, vielfältig ausgestaltet und wortreich beschrieben. Jedoch wurde das Rheingold noch nicht gefunden.

Ob der Nibelungenschatz bei Lochheim (in der Mitte des Bildes) verborgen liegt? Diese bildliche Darstellung zeigt den Rheinabschnitt zwischen Worms und Germersheim vor - blass gezeichnet - und nach seiner Begradigung (Quelle: Edmund Ritscher) 
Ob der Nibelungenschatz bei Lochheim (in der Mitte des Bildes) verborgen liegt? Diese bildliche Darstellung zeigt den Rheinabschnitt zwischen Worms und Germersheim vor - blass gezeichnet - und nach seiner Begradigung (Quelle: Edmund Ritscher)

Eine sagenhafte Betrachtung eines Einheimischen: Hagen hat den Nibelungenschatz am Schwarzen Ort versenkt!

Zum Glück wurde das Rheingold noch nicht gefunden, sonst müssten mehr als zwanzig Nibelungen-Städte ihre Spekulationen einstellen und es wäre kein Geld mehr damit zu verdienen.

Aus der Geschichte ist bekannt:

Ab 407 kamen die Burgunden auf die linksrheinische Seite und wurden 436 durch den weströmischen Heerführer Aetius, mit seinen hunnischen Hilfstruppen, besiegt. Bei der Schlacht auf den Katalaunischen Feldern 451 sollen rechtsrheinische Burgunden in Attilas Heer mitgekämpft haben. In dieser Schlacht waren Attila und Aetius Gegner gewesen.

Die Familie Nibelung hatte hohe geistliche Ämter in Worms inne, wie der bekannte Wormser Nibelungenforscher Dr. Jürgen Breuer festgestellt hatte. Die letzte Nennung des Namens Nibelung erfolgte in einer Urkunde von 1173 zu einem Rechtsstreit zwischen den Ibersheimer Dorfgenossen mit dem Kloster Otterberg.

Das Rheingold stammt aus den Goldwäschereien. Bei „Loche“, so wird die aufgeschriebene Erzählung interpretiert, soll der Nibelungenhort aus Rheingold von Hagen von Tronje versenkt worden sein.Was unterstützt die These, dass der Nibelungenschatz, wenn es überhaupt einen gegeben hat, am Schwarzen Ort liegen müsste?

 

Die markante Rheinbiegung Schwarzer Ort

... liegt in der Mitte des 1200 km langen Rheinstromes bei der linksrheinischen Gemarkung von Hamm am Rhein. Auf der rechtsrheinischen Seite ist Gernsheim und Biebesheim am Rhein. Wegen den verschiedenen Strömungen an diesem scharfen Rheinknie, mit unterschiedlichen Tiefen, ist diese Gegend bei den Rheinschiffern gefürchtet.

Vor der Rheinregulierung und den anschließenden Uferbefestigungen, hatte sich der Fluss sein Bett selbst gesucht, musste aber an dieser geologischen Stelle stark nach links abknicken. Es entstand ein Prallhang hinter dem der Rhein nicht geflossen seinkann.

Deshalb müssen auch die Nachbarn in Südhessen mit ihrer Meinung verkehrt liegen und können das Nibelungenschatzgebiet nicht für sich reklamieren wollen.

Lochheim im Nibelungenschatzgebiet

Dies ist ein ehemaliger Ort bzw. Wüstung am Rhein in den heutigen Gemarkungen von Hamm am Rhein und Eich (Rheinhessen). Dort soll der Nibelungenschatz am wahrscheinlichsten liegen.

Es gab zwei Ortsteile, das untere Lochheim (inferior) und das obere Lochheim (superior). Im Lorscher Codex sind acht Schenkungen als Belege dafür vorhanden, ausgestellt vom 9. Oktober 770 bis zum 6. Juni 799. Wegen der ständigen Hochwassergefahr wurden diese beiden Siedlungen und auch das benachbarte Steinswörth im Mittelalter aufgelöst.

Nach der Gründung der kurpfälzischen Akademie der Wissenschaften 1763 durch Karl Theodor (1724 – 1799) hatte der Historiker Andreas Lamey (1726 – 1802) von Ferdinand Denis (1736 – 1805) eine Karte 1766 anfertigen lassen, die von G. Schneider gestochen wurde. Dort sind die fränkischen Gaue mit dem alten und neuen Rheinlauf dargestellt und das untere und obere Lochheim eingezeichnet worden. 

Wenn man annimmt, dass Hagen mit dem Nibelungenschatz sich von Worms aus, in einem Kahn rheinabwärts hat treiben lassen, dann ist auf dieser 250 Jahre alten Landkarte die Strecke zwischen Auf- und Abladeort vorstellbar.

Dem listigen Hagen muss man unterstellen, dass er den Schatz alleine, schnell und auf kürzestem Weg beiseite geschafft hat. Alle anderen Spekulationen sind weniger realistisch. Er hat wahrscheinlich den Nibelungenhort in Worms in einen Kahn geladen und auf dem langsam fließenden Rheinstrom ein sicheres Versteck als Abladestelle gesucht.

Unverzeihlich ist jedoch, dass er diese Stelle nicht markiert hat oder er müsste in großer Eile gewesen sein. Jetzt scheint, die halbe Welt beim Suchen helfen zu wollen. Ein einfacher Pappelzweig in die Erde gesteckt, hätte genügt, um auch nach hundert Jahren noch die Stelle zu finden, wo mittlerweile ein stattlicher Pappelbaum stehen könnte.

Alle Personen aus dem Nibelungenlied; Bild: Edmund Ritscher 
Alle Personen aus dem Nibelungenlied; Bild: Edmund Ritscher

Ibersheim und das Nibelungenlied

Die Entfernung von Worms nach Lochheim beträgt ungefähr 20 km auf dem Rhein. Für das Abtreiben durch die Strömung mit einem Kahn, auf dem damals langsamer fließenden Strom, musste man eine Tagesreise einplanen. In der Mitte der Strecke liegt Ibersheim, wo man hätte kurz an Land gehen können. Zwischen Ibersheim und dem Nibelungenlied sind zwei historische Zusammenhänge bekannt:

  1. Die reiche Ibersheimerin Adeltrud und Graf Eberhard waren Vorfahren der einzigen Person, die in Dichtung und Wahrheit vorkommt: Pilgrim, Bischof von Passau (* um 920, + 21. Mai 991), der zugleich Oheim von Kriemhild im Nibelungenlied war.

  2. In der vorher genannten Urkunde der Ibersheimer Dorfgenossen von 1173 sind in der Zeugenliste mehr als 40 Personen genannt, bei denen nicht ausdrücklich die Herkunft vermerkt ist.

Man muss annehmen, dass dort alle damaligen Ibersheimer Genossen aufgeführt sind, weil es ihr Vertrag war. Darunter befinden sich unter anderem die Namen: Giselbert, Sigefridus, Gernothus und Nibelung (nur Angeber behaupten jetzt, dass die Nibelungen Ibersheimer waren).

 

Erste bekannte archäologische Grabung nach dem Nibelungenschatz

Intensive Nachforschungen und gegenseitige Abschreibungen in vielen Büchern gab es genug über viele Jahrhunderte. An die Arbeit vor Ort haben sich aber, soweit bekannt, nur zwei Personen bisher herangewagt.

Es waren Dr.-Ing. Hans Jacobi, ehemaliger Bürgermeister und Baudezernent aus Mainz und sein Sohn Dipl.-Ing. Hans Jörg Jacobi, Stadtarchitekt aus Mainz, die seit den 1970er Jahren den Flussabschnitt und das angrenzende Gelände auf Hammer Gemarkung abgesucht haben. Bevor man mit hohem finanziellem Aufwand an eine solche weltbewegende Geschichte herangeht, musste man seiner Sache sicher gewesen sein. Schließlich sollte nicht noch zusätzlich eigenes Geld versenkt werden. Es waren umfangreiche Recherchen notwendig, um mit verschiedenen Methoden den Ort zu finden, der am wahrscheinlichsten als Fundort infrage kommt. 

Wie in der ZDF-Fernsehsendung "Terra X" dargestellt, gab man sich am Ende der Grabung mit einem Teilergebnis zufrieden und "glaubt den Schatz punktgenau geortet zu haben", nämlich an einer bestimmten Position am "Schwarzen Ort".

Die Wormser schützen ihren Nibelungenschatz selbst

Der Golfclub Worms, mit seiner Golfanlage bei Hamm, schützt mit seinem 40 ha großen Gelände das Schatzgebiet gegen mögliche illegale internationale Grabräuber von oben mit intensiver Rasenpflege. Dies ist Ehrensache und Verpflichtung zugleich. Bis zur endgültigen Entdeckung ist man sehr gelassen, denn es ist ein sehr schönes Gefühl für einen Wormser auf dem Nibelungenschatz zu sitzen und ihn beschützen zu dürfen.

Wenn der Nibelungenschatz dort endlich einmal gefunden werden würde, worauf die ganze Welt schon wartet, gäbe es sicher anschließend noch internationale Streitereien um den Besitz. An der Stelle der Versenkung bzw. Hebung oder in seiner ursprünglichen Heimat Worms, würde der Schatz nicht mehr bleiben dürfen und müsste in ein größeres Museum, weil das Wormser dafür nicht ausreichend groß genug ist.

Übrigens hat man auf den "Schatz des Priamos" von Troja auch sehr lange warten müssen, bis er 1873 von Heinrich Schliemann ausgegraben wurde. Heute liegt er als Original in Russland und als Kopie in Berlin, noch nicht einmal in Deutschland und schon gar nicht in der heutigen Türkei, wo er einmal entdeckt wurde.

Lassen wir den Nibelungenschatz wo er ist, dann gehört er noch zu uns und das Hagen-Denkmal braucht nicht mehr an die Abladestelle versetzt zu werden, wie vom Künstler dargestellt. In der Zwischenzeit erfreuen wir uns weiterhin am Nibelungenmuseum und an den Nibelungen-Festspielen in der Nibelungenstadt Worms.

 

Linktipp

Danke

Ein Beitrag von Edmund Ritscher (im März 2012). Herzlichen Dank dafür!

 
 
 
 

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