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Der Ibersheimer Prinzenapfel

Saftig und würzig, wie man ihn heute kaum noch findet: das ist der "Ibersheimer Prinzenapfel". Zur Freude der adligen Kinder am Darmstädter Hof ließ der Ibersheimer Edelobstzüchter Otto Dahlem sich etwas ganz besonderes einfallen.

der Ibersheimer Prinzenapfel (Bild: Wikipedia) 
der Ibersheimer Prinzenapfel (Bild: Wikipedia)

Der Kulturapfel aus Ibersheim

Der Apfel ist heute, nach der Banane und den Zitrusfrüchten, eine der wichtigsten Obstarten. Gründe hierfür sind die guten Anbaumöglichkeiten, die vielseitige Verwendbarkeit, die unter-schiedlichen Geschmacksvarianten und die gute Lager- und Transportmöglichkeit. Der Prinzenapfel ist einer von mehreren tausend Apfelsorten. Ab der Mitte des 19. Jahrhunderts hatte man ihn gezüchtet. Er ist ein guter Tafel- und Wirtschaftsapfel gewesen, der auch gerne für Apfelsaft und zum Dörren verwendet wurde.

Diesen Kulturapfel kann man wie folgt beschreiben: Frucht mittelgroß und kegelförmig, Fruchtschale glatt, auf der Sonnenseite gerötet und gestreift, Geruch erinnert an Ananas, Fruchtfleisch gelblich-weiß, saftig, mit harmonischem Zucker-Säure-Verhältnis, Geschmack fruchtig aromatisch, Genussreife von November bis Februar. Die feine Würze ist nur dem Prinzenapfel eigen. - Der in Ibersheim geborene Autor, hat ihn aus seiner Jugendzeit in sehr guter Erinnerung und wegen seines süßen Saftes gerne gegessen.

 
Die Villa des Edelobstzüchters Otto Dahlem in Worms-Ibersheim 
Die Villa des Edelobstzüchters Otto Dahlem in Worms-Ibersheim

Musteranlage des Hoflieferanten

Der "Ibersheimer Prinzenapfel" war eine regionale Zuchtform des Ibersheimer Edelobstzüchters Otto Dahlem (* 16. Februar 1872 Ibersheim). Bereits sein Vater Jakob Dahlem IV. befasste sich mit Obstanbau. Die Beratungsstelle für Obst- und Gemüsebau beim Landratsamt Worms hat diese Lokalsorte im Obstsortiment für den Kreis Worms 1952 aufgeführt und der Diplom-Landwirt Hans Walter Rüdinger aus Alzey nennt ihn in seiner Inaugural-Dissertation von 1939 "Roter Prinzenapfel (Ibersheim)".

Otto Dahlem hatte sich nach 1900, hinter seiner Villa an der Steinerwaldstrasse, eine Obstanlage errichten lassen. Dort wurden 2200 Bäume gepflanzt, die mit einer modernen Pumpanlage bewässert werden konnten. Die Dampf-Antriebsmaschine hörte man im ganzen Ort. Gegen den Wind aus westlicher Richtung wurde eine Windschutzmauer errichtet, die ca. 3 m hoch und mehr als 300 m lang war. Sie reichte von der Steinerwaldstrasse bis zur Killenfeldstrasse. Auf der Sonnenseite war eine Spalierobstanlage hochgezogen worden.

Dahlem war Lieferant für Tafelobst an den Großherzoglichen Hof des Ernst-Ludwig von Hessen-Darmstadt (1868 - 1937) gewesen. Zur Freude der adligen Kinder hatte er auf der Sonnenseite von noch unreifen Äpfeln Bilder aufgeklebt. Nach der Ernte wurden diese wieder abgezogen und durch den Farbunterschied erschien eine nette Aufmerksamkeit aus Ibersheim. In Stroh verpackt sind die Erzeugnisse mit einem Pferdefuhrwerk über die Rheinfähre bei Gernsheim, mit dem Hafen für die Regierungsstadt Darmstadt, verfrachtet worden. Eine bekannte Zwischenstation, auf diesem fast 30 km langen Weg, war (Pfungstadt-)Eschollbrücken gewesen.

Dahlem hatte auf nationalen und internationalen Gartenbauausstellungen, mit einer damals beachtlich großen Fotografie (35 x 28 cm, im Besitz des Autors), seine mustergültige Anlage gezeigt. Man war stolz darauf, dass Ibersheimer Tafelobst einen "Vergleich mit dem schönsten französischen Obste aushält" (Adolf Trieb: Ibersheim am Rhein, 1911).

 
 
 
 

Bevorzugtes Anbaugebiet

Die natürlichen Grundlagen für den Obstanbau sind in Rheinhessen durch das günstige Klima und die guten Bodenverhältnisse gegeben. Die hohe Sonnenscheindauer ist nicht nur für den Weinbau, sondern auch für den Obstbau wichtig. Infolge dessen sind um Worms aus den 1930er Jahren folgende Zahlen interessant:

 Ort (heute Wormser Stadtteil)
 landwirtschaftliche Fläche (in Hekta)
 Baumzahl
 Herrnsheim  1395
 16.000
 Pfeddersheim  1269 15.000
 Heppenheim   940  17.500
 Ibersheim   750  12.500

In Ibersheim wurden um 1900 vorzugsweise Winteräpfel erzeugt, die sich für die Lagerung gut eigneten. Wer zuhause keinen Apfelkeller hatte, um später wertsteigernd verkaufen zu können, lieferte seine Erzeugnisse bei einer Ortssammelstelle ab. In einer Bezirksabgabestelle, Worms oder Gimbsheim, wurden danach die einzelnen Partien an Händler versteigert.

Der Prinzenapfel bevorzugt feuchte und schwere Böden. Der Ertrag ist nicht sehr hoch. Der Apfel eignet sich vor allem für den Sofortverzehr. Nach dem Zweiten Weltkrieg erforderten arbeitstechnische und wirtschaftliche Gründe eine rationellere Tafelobstproduktion, die zur Anlage von Intensivobstanlagen führten. Mit dem Großanbau verschwanden viele alte Sorten und auch der Prinzenapfel.

Die Frucht des Apfelbaumes ist im Laufe der Zeit als Nahrungsmittel wichtiger geworden und macht heute in Deutschland 60 % der jährlichen Obsternte aus. Die Naturliebhaber erfreuen sich aber bereits an der Apfelblüte, denn mit ihr kommt der Frühling. Neben dem kalendarisch fest stehenden astronomischen und meteorologischen Frühlingsanfang, gibt es noch den phänologischen Beginn, der sich nach dem Entwicklungsstand der Pflanzen richtet. 

Der Kulturapfel ist dafür eine Zeigerpflanze. Der Vollfrühling beginnt in Europa mit dem Aufblühen der Apfelbäume im Südwesten Portugals und zieht weiter nach Nordosten, wo er in Deutschland die südliche Oberrheinische Tiefebene erreicht. Von dort kommt er mit einer Geschwindigkeit von ca. 40 km/Tag in den Wormser Raum.

Der Ibersheimer Wörth ist früher mit seinem Blütenmeer Anziehungspunkt von Wanderfreunden gewesen, bis man in den 1950er Jahren den unwirtschaftlich gewordenen Obstanbau auf den Hochstammbäumen fast zum Erliegen brachte.

Heute werden dort die restlichen alten Bäume gepflegt und neue hinzugepflanzt, damit der ehemalige Charakterbaum in diesem Landschaftsschutzgebiet erhalten bleibt.


Lesen Sie hier "Was Computer mit Äpfeln zu tun haben"

Danke

Ein Beitrag von Edmund Ritscher. Vielen Dank dafür!

 
 
 

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