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Ibersheim am Rhein

Ibersheim liegt in der Mitte des Rheins, der Ort war so klein, dass eine Zusatzbezeichnung "Ibersheim am Rhein" angebracht war. Der Fluss und die Laichgründe boten günstige Verhältnisse für den Fischfang. Aber der Rhein hat auch eine gefährliche Seite ...

Blick auf den Rhein bei Worms-Ibersheim (Foto: R. Uhrig) 
Blick auf den Rhein bei Worms-Ibersheim (Foto: R. Uhrig)

Wo am Rhein liegt Ibersheim?

Ibersheim liegt in der Mitte des mehr als 1200 km langen europäischen Rheinstromes im Norden der Oberrheinischen Tiefebene. Als uralte Wasser- und Handelsstraße ist der Rhein mindestens seit den Römern gut bekannt. Die Zugvögel haben ihn als Leitlinie. Aus dem Weltraum kann man seine Lage sogar in der Nacht als Lichtband von England den gesamten Strom entlang über die Schweiz bis nach Oberitalien erkennen. Den wirtschafts-geografischen Verdichtungsraum und das Städteband mit dem Rhein als Bindeglied nennen die Regionalplaner "Blaue Banane".

Die Rheinkilometrierung beginnt in Konstanz bei 0. Ibersheim liegt zwischen den Strom-kilometern 453 und 458 und hat demnach einen Rheinstrand von 5 km. Die verkehrsreichste Wasserstraße der Welt ist für die Großschifffahrt auf 883 km Länge ab Basel befahrbar. Am Rhein entstand eine Kulturlandschaft mit großen Städten, die fast alle auf der linksrheinischen Seite von den Römern gegründet oder ausgebaut wurden.

Der breite Strom war und ist gleichzeitig Grenze, bereits im römischen Reich und auch heute noch. Ibersheim liegt aktuell in Rheinland-Pfalz, gegenüber ist hessisches Gebiet. Die Gemarkung wird heute durch den Rhein begrenzt. Bis Ende des Mittelalters hatten die Ibersheimer "über dem Rhein" noch Wiesen und Weiden in der Nähe der Burg Stein gehabt.

 

Weshalb liegt Ibersheim am Rhein?

Die ersten fränkischen Siedler, die sich hier vor 1500 Jahren niederließen, bevorzugten die Viehzucht, nachdem sie das Land gerodet hatten. Ackerbau ist ohne Hochwasserschutz nicht möglich. Die Rheinniederung ist Lebensraum von bestimmten Pflanzen und Tieren. Auf den fruchtbaren Schwemmlandböden wachsen verschiedene Bäume zur unterschiedlichen Verwendung: in der Weichholzaue Weiden, Erlen, Pappeln und in der Hartholzaue Eiche, Ulme, Esche und Ahorn. Der Fluss und die Laichgründe boten günstige Verhältnisse für den Fischfang. Heute gibt es wieder mehr als 60 Fischarten im Rhein, nachdem der Verschmutzungsgrad durch Ausbau von Klärwerken zurückgegangen ist.

Wer hat das kleine Ibersheim auf den großen Rheinlaufkarten verewigt?

Der berühmte Kartograph Gerard Mercator hatte in seiner Karte "Palatinatus Reni" bereits 1585 Ibersheim eingezeichnet. Gerard de Jode hat auf dieser Basis 1593 seine Karte "Palatinatus Rheni et circumiacentes regiones" herausgegeben. Die schönste Rheinlaufkarte "Rhenus Fluviorum Europae celeberrimus…", aus dem barocken Zeitalter, entstand um 1600 von Willem Blaeu aus Amsterdam mit Ibersheim in der Mitte des gesamten Rheinlaufs, umgeben von den Wappen der Staaten, die vom Rhein durchflossen werden.

Den Zustand vor etwa 150 bis 200 Jahren geben die genau gezeichneten Karten von Johann Heinrich Haas (1788-1813) und Friedrich Wilhelm Delkeskamp (1794-1872) wieder. Eine Totalansicht von Ibersheim, gezeichnet von Hans Aulmann, Offenbach am Main, ist in dem Buch von Adolf Trieb von 1911. Eine der ersten Fotografien von Ibersheim ist um 1900 entstanden, als Otto Dahlem seine neue Obstbaumanlage zu Werbezwecken aufnehmen ließ.

Wer gab Ibersheim die zusätzliche Bezeichnung?

Der Ort ist so klein und so wenig bekannt, dass eine Zusatzbezeichnung angebracht war. Adolf Trieb, Lehrer in Ibersheim 1902 und 1903, schrieb die erste große Abhandlung über Ibersheim und gab seinem Buch von 1911 den Titel "Ibersheim am Rhein". Auch die Nachbargemeinde Hamm trägt diese Zusatzbezeichnung offiziell seit dem Jahr 2002. Unsere Region ist stolz auf einen Namen in Verbindung mit dem Rhein. Seit 1816, als das Gebiet zu Hessen kam, wurde es Rheinhessen genannt. Die Weinwirtschaft im größten Weinanbaugebiet Deutschlands, hält diesen Begriff in Ehren. Auf Millionen von Weinflaschen wird jährlich damit für Rheinhessen geworben.

Weshalb leben die Ibersheimer gerne am Rhein?

Das Kleinklima um Ibersheim ist in der oberrheinischen Tiefebene angenehm warm. Im Sommer wird es gelegentlich erdrückend heiß und schwül. Bei einer Inversionswetterlage findet kein Luftaustausch mehr statt, dann steht die Luft oft im Juli. Die Niederschläge sind gering, weil sie aus der Hauptwindrichtung von dem Donnersberg verteilt werden. Die Sonnenscheindauer ist relativ hoch. Bis die Luftschadstoffe von der Industrie von Süden her nach Ibersheim kommen, haben sie sich weitgehend verflüchtigt. Verkehrslärm auf der Straße und in der Luft hält sich sehr in Grenzen, sodass man von einer Oase der Ruhe reden kann. Wenn hier nicht die Nachtfröste oder die Eisheiligen der Landwirtschaft zu schaffen machen würden, hätte man hier ganzjährig sogar oberitalienische Klima- und Vegetations-verhältnisse. Gesellschaftlich hat der kleine Ort auch seine Vorteile. Jeder kennt jeden so gut, sodass man nicht mehr von einem überrascht werden kann.

Das Leben in der Rheinniederung und am Rhein bietet dem Naturfreund Abwechslung. An bestimmten Stellen wird die Natur sich selbst überlassen, sodass sie geschützt wird oder schützenswert ist. Die Wasserstraße Rhein bietet mit den unterschiedlichen Schiffstypen und den Flaggen eine Anregung. Die weitläufigen Sandstrände zwischen den Buhnen werden, nach der besser gewordenen Wasserqualität, von Familien mit Kindern gerne genutzt.

Was macht den Rhein gefährlich?

Jeder Feuerwehrmann kennt oder lernt schnell mit den möglichen Gefahren am Rhein umzugehen. Bereits die Geräte im Feuerwehrhaus geben einem eine Vorstellung, was alles an dem sonst so vielbesungenen wunderschönen deutschen Rhein passieren kann. Hoch- und Niedrigwasser oder Eisbildung waren über Jahrhunderte Gefahren, die man als höhere Gewalt hinnehmen musste. Ein Jahrhunderthochwasser kann Schäden von mehreren Milliarden Euro verursachen, die höchstens zur Hälfte mit Versicherungen abgedeckt werden können. Ein überschwemmter Acker bringt einem Landwirt oft einige Tausend Euro Ertragsverluste. Obstbäume in dem dafür bestens geeigneten Schwemmlandboden anzulegen, kann sehr riskant sein, deshalb hat man früher Hochstämme auf Pflanzhügel gesetzt.

Bei den großen internationalen Anstrengungen um den Hochwasserschutz überwiegt in der heutigen Zeit die Freude am Rhein leben zu können. Die gelegentlichen großen Gefahren, die der scheinbar friedlich vorbeifließende Strom den Menschen auferlegt, werden mit großen finanziellen Aufwendungen in Grenzen gehalten.

Danke

Ein Beitrag von Edmund Ritscher. Vielen Dank dafür!

Widmung

Der Titel dieser Geschichte geht zurück auf eine Empfehlung von Frau Simone Rhein, Auszubildende bei der Stadtverwaltung Worms, in der Inneren Verwaltung 2012 (genauer: bei der Internetredaktion, Anmerkung der Redaktion). Frau Rhein war damit beschäftigt die Autorenbeiträge für die Wormser Anekdoten "Wussten Sie 's?" auf worms.de in das städtische Redaktions-System umzusetzen und passende Bilder einzustellen. Der Familien- und Heimatforscher, mit der beruflichen Prägung durch das betriebliche Bildungswesen, hatte an dem Familiennamen Gefallen und bot Frau Rhein an, dass sie sich ein Thema bei ihm wünschen darf. Das kam dann auch spontan: Wenn schon, dann bitte ein Beitrag vom Rhein.

Am Beispiel Ibersheim wurde deshalb für Frau Rhein, zur Erinnerung an ihre Ausbildungszeit, dieser Beitrag geschrieben.

 
 
 
 

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