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Kleindenkmale in Worms-Ibersheim

Wussten Sie, dass es in der Ibersheimer Gemarkung viele Kleindenkmale gibt, die der Öffentlichkeit in ihrer Bedeutung kaum bekannt sind und die ursächlich alle etwas mit dem Rhein zu tun haben?

 
 
 
Edmund Ritscher: Kolk "Neues Loch", mit blühenden Seerosen, 1824 bei Dammbruch ausgespült (Quelle: wikipedia) 
Edmund Ritscher: Kolk "Neues Loch", mit blühenden Seerosen, 1824 bei Dammbruch ausgespült (Quelle: wikipedia)
Edmund Ritscher: Rheinstrand bei Stromkilometer 454 (Quelle: wikipedia) 
Edmund Ritscher: Rheinstrand bei Stromkilometer 454 (Quelle: wikipedia)
b) Kilometerstein auf dem Ibersheimer Wörth mit der Zahl "460 km von Konstanz (Foto: Edmund Ritscher, Quelle: wikipedia) 
b) Kilometerstein auf dem Ibersheimer Wörth mit der Zahl "460 km von Konstanz (Foto: Edmund Ritscher, Quelle: wikipedia)
Grenzstein Rottenbezirk auf dem Rheinhauptdeich in Ibersheim 
Grenzstein Rottenbezirk auf dem Rheinhauptdeich in Ibersheim
c) Stundenstein  (Foto: Edmund Ritscher) 
c) Stundenstein (Foto: Edmund Ritscher)

Der Rhein und seine Spuren in Ibersheim

Der große europäische Strom ist nicht nur internationale Wasserstraße. Er kann mit seinen Hochwässern auch erhebliche Probleme verursachen. Ein großes Hochwasser kostet der Volkswirtschaft Schäden in Milliardenhöhe, die von Versicherungen nicht abgedeckt werden können. Ein scheinbar friedlich vorbei fließender Rheinstrom kann sehr trügerisch sein, auch wenn er an anderer Stelle noch weinselig besungen wird.

Die anliegende Bevölkerung hat in Notzeiten ihre eigenen Probleme damit. Sie muss "ihren" Damm bewachen, um sich auf weitere Schwierigkeiten einstellen zu können. Ibersheim hat einen 5 km langen Rheinstrand zwischen den Stromkilometern 453,5 und 458,4. In der Vergangenheit sind, durch zwei verheerende Dammbrüche, Ausspülungen (Kolke) entstanden, die heute noch deutlich sichtbar sind: das Alte Loch von 1798 und das Neue Loch von 1824. Danach kam 1825 eine großherzoglich hessische Regierungsverordnung zur Bewachung der Rheindämme heraus. Heute ist das staatliche Wasser- und Schifffahrtsamt Mannheim, auch für den Hochwasser-schutz, zuständig, sodass von den Behörden für die Bevölkerung gesorgt wird.


1. Entfernungszeichen

a) Kilometertafeln
Die Kilometrierung, zur Orientierung für die Rheinschifffahrt, beginnt mit dem Nullpunkt in Konstanz seit 1936. Dazu gibt es in Ufernähe große Rheinstrom-Kilometer-Tafeln. Auf Ibersheimer Gemarkung sind fünf Tafeln mit den Entfernungsbezeichnungen 454 bis 458 aufgestellt. Die Großschifffahrt auf dem Rhein ist, nach verschiedenen Ausbaumaßnahmen, seit 1939 ab Basel möglich.

b) Kilometerstein
Auf dem Ibersheimer Wörth steht bei Stromkilometer 457, ca. 100 m landeinwärts, ein sogenannter Myriameterstein (Nr. 29) mit der Zahl "460" (wasserseitig) und "460 km von Konstanz" (landseitig). Wann dieser weiße Stein gesetzt wurde, konnte nicht festgestellt werden. Als ursprüngliche Entfernung ist jedoch bekannt: Ibersheim - Basel = 295 km und Basel - Konstanz = 166 km, ergibt in der Summe 462 km. Die unterschiedlichen Entfernungsangaben von 461, 460 und heute 457 können von Begradigungen und genaueren Messungen herrühren.

c) Stundenstein
Ein sehr seltenes Kleindenkmal steht auf dem kleinen Damm, der das Hochwasser im Scheidegraben (ehemaliger Altrheinarm) gegenüber dem Wörth zurückhalten sollte. Der Standort ist bei dem heutigen Stromkilometer 458, am Ortsende von Hamm Richtung Gernsheim, rechts ab an der Straße zum Rhein, dort rechts ab, ca. 250 m weiter auf dem kleinen Damm. Für die Zahlenangabe 1093 war bisher keine genaue Begründung, trotz umfangreicher Recherchen, gefunden worden.

Hierzu soll aber eine Chronologie über die Orientierungszeichen für die Rheinschifffahrt weiterhelfen. Nachdem der Rhein immer mehr zu einer internationalen Wasserstraße geworden ist, wurde eine genauere Vermessung notwendig:

  • 1792-1814 war das linksrheinische Gebiet am Oberrhein französisches Staatsgebiet.
  • vor 1816 wurden die Einzelstrecken am Rhein in "Stunden" schriftlich ermittelt. (Josef Franz Ockhardt, kurpfälzischer Hofkammerrath und Rheinschifffahrtsdirektor: Der Rhein nach der Länge seines Laufs und der Beschaffenheit seines Strombettes, Mainz 1816)
  • 1821 ist im Großherzogtum Hessen das Metrische System eingeführt worden.
  • 1817-1839 erfolgte eine Gesamtvermessung des Rheines, die unbefriedigt war.
  • 1826 begradigte Johann Gottfried Tulla ab dieser Zeit den Oberrhein.
  • 1831 ist die "Centralkommission für die Rheinschifffahrt" gegründet worden.
  • 1863 wurde eine Längenbestimmung mit Basel als Nullpunkt angeordnet.
  • 1867 wurde beschlossen, "Myriametersteine" (alle 10 km) zu setzen.
  • 1874-1876 wurden auf der pfälzischen Seite "Myriametersteine" gesetzt.
  • 1890 war die Längenmessung des Rheines beendet, jedoch ungenau.
  • 1902-1903 erfolgte die Kilometrierung auf der ganzen hessischen Strecke.
  • 1939 wurde die durchgehende Kilometrierung des Rheines ab Konstanz festgelegt.

Weil auf dem Entfernungsstein mit der Nr. 1093 keine zusätzliche Erklärung steht und auch nicht bekannt ist, muss man annehmen, dass er vor 1816 gesetzt wurde, nachdem damals Einzelstrecken am Rhein in "Stunden" ermittelt wurden. Was soll die Zahl ausdrücken? Der Verfasser nimmt an, dass es sich um die Entfernung von Ibersheim bis Basel in Gehwegstunden handeln muss und errechnet diese Zahl wie folgt: Die Entfernung Ibersheim - Basel betrug vor der Rheinbegradigung 295 km, multipliziert mit 3,7035 km/Wegstunde, ergibt genau 1093 Gehwegstunden. Das Maß 3,7035 km bedeutet eine Gehwegstunde oder eine halbe Meile (bzw. zwei Seemeilen).

Auf dem Ibersheimer Wörth steht demnach ein 200 Jahre alter "Stundenstein", wie er zurzeit am gesamten Rheinlauf wahrscheinlich nur an dieser Stelle bekannt ist.


2. Grenzmarken

Zur Verteidigung der Orte gegen Hochwasser wurden die Zuständigkeiten Mitte des 19. Jahrhunderts, für die Dammbewachung in Notzeiten, geklärt. Aus diesem Grund hatte man den Rheinhauptdeich in Rottenbezirke (Dammstrecken) mit 1500 Hessische Klafter (3,75 km) eingeteilt und dazu auf dem Dammrücken beschriftete Sandstein-Quader aufgestellt. Innerhalb dieser Markierungen haben auch heute noch die Dammwachen in Notzeiten, Tag und Nacht, den Damm zu kontrollieren und Auffälligkeiten sofort zu melden.

a) Rottenbezirk Ibersheim- Hamm
Der Grenzstein für diesen Rottenbezirk wurde 2003, im Rahmen der Dammverstärkung, von der Ortsnähe bei Ibersheim auf die Gemarkungsgrenze Ibersheim - Hamm versetzt.

b) Rottenbezirk Ibersheim - Rheindürkheim
Dieser Grenzstein steht seit ca. 150 Jahren auf der Gemarkungsgrenze.


3. Hochwassermarken

Für unseren Rheinabschnitt ist der Wasserstand am Pegel Worms maßgebend. Verschiedene Hochwasser-Höchststände sind zur Erinnerung an frühere Katastrophen für Bevölkerung, Landwirtschaft und Tierwelt festgehalten worden. In der Reihenfolge der Höchststände waren dies die Wasserstände von 1882, 1955, 1880, 1988, 1896 und 1983.

a) Historisch höchster Wasserstand von 1882
Der Hochwasser-Höchststand war am 29. Dezember 1882 am Wormser Pegel mit 822 cm gemessen worden. Die Folgen dieses Hochwassers waren verheerend für die ganze Umgebung auf beiden Rheinseiten. In Ibersheim befand sich eine kleine rote Sandstein-Säule zur Erinnerung an diesen jemals gemessenen höchsten Wasserstand. Das kleine Denkmal stand auf der Wasserseite des Hauptdammes an der Dammüberfahrt. Bei der Dammverbreiterung 2003 ist diese Marke weggenommen worden.

b) Wasserstand von 1983
Am 28. Mai 1983 war der Höchststand 727 cm. Eine entsprechende Markierung befindet sich heute auf einer Messingplatte, die an der Durchfahrt des großen landseitigen Sommerdammes am Krippenweg angebracht wurde.


4. Deichschließe

Am Heimatmuseum Ibersheim steht eine ehemalige Sperrschleuse, die die Freiwillige Feuerwehr Ibersheim restauriert und vom Wörth hierher versetzt hatte. Im Ort wird damit an frühere Zeiten erinnert, in denen die Bevölkerung hier sehr viel durch den Rhein hatte erleiden müssen. Auf diesem Platz vor der Dammauffahrt werden in Notzeiten die Sandsäcke gefüllt und von dort an mögliche Schwachstellen auf den Dämmen, von den Helfern der Freiwilligen Feuerwehr, verteilt.


5. Gedenktafel

Zwischen 2003 und 2005 wurde eine umfangreiche Deichsanierung vorgenommen, die auch von der Bundesrepublik Deutschland und der Europäischen Union mitfinanziert wurde. Nach dieser Hochwasserschutzmaßnahme kann die unmittelbare Bevölkerung vor einem möglichen Jahrhunderthochwasser geschützt werden. Eine informative Gedenktafel, auf einer schönen Stele, erinnert an die damalige kilometerlange Großbaustelle zur Sicherung der Bevölkerung. Bei dieser Gelegenheit wurde ein landseitiger Bermenweg zur Deichunterhaltung angelegt, den die Radfahrer als Teil des Rhein-Radweges Schweiz - Niederlande (EuroVelo EV 15) benutzen. -
Allerdings besteht weiterhin die Gefahr vor dem aufsteigenden Grundwasser aus den kiesigen und sandigen Böden, wenn darüber längere Zeit Hochwasser steht. Dagegen helfen nur wasserdichte Keller bei Neubauten.


6. Dorfbrunnen

Vor der zentralen Wasserversorgung ab 1961 und der Abwasserkanalisation ab 1966 gab es, die mit einem Rohr "geschlagenen" Brunnen. Dabei beachtete man die Fließrichtung des Grundwassers zum Rhein hin und an möglichen Sickergruben vorbei. Vor dieser Zeit waren gemauerte Brunnen mit ca. 4 - 5 m Tiefe üblich, die zum Teil heute noch mit ihrer Fassung im Untergrund vorhanden sind:

a) Schlosshof
In der Menno-Simons-Straße, am Eingang zum Schlosshof rechts, ist ein Brunnen, neben einem gepflanzten Baum! im Straßenpflaster markiert. Hinter dem Schloss, vor Haus Menno-Simons-Straße 12, am früheren Durchgang zum Schlosshof, ist ebenfalls noch ein Brunnen bekannt.

b) Hammer Straße 7
Zwei weitere Brunnenfassungen gibt es auch außerhalb der Ortsbefestigung. Im Vorgarten ist dort der ehemalige Brunnen um 1970 bis auf das Grundwasser gesäubert und abgedeckt worden. Auf der Grundstücksgrenze zum Nachbargrundstück, ca. 3 - 4 m von der Straße, unterhalb der weißen Kalksandsteinmauer, befindet sich auch noch ein aufgefüllter Brunnen.


Ein Beitrag von Edmund Ritscher, Mannheim (Mai 2013). Herzlichen Dank dafür!

 
 
 

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