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100 Jahre Spar- und Darlehnskasse Ibersheim

Die Idee der genossenschaftlichen Selbsthilfe von Friedrich Wilhelm Raiffeisen (1818-1888) passte auch gut zu den Ibersheimer Verhältnissen, sodass am 19. Januar 1903 eine Spar- und Darlehnskasse gegründet wurde. Die Genossen erlangten dadurch eine wirtschaftliche Eigenständigkeit, mit der sie sich selbst unternehmerisch betätigen konnten.

 
 
 
 

Spar- und Darlehnskasse

Nach Genehmigung der Statuten (Satzung) wurde folgender Vorstand gewählt:
* Heinrich Jakob Forrer, Beigeordneter im Gründungsjahr, Bürgermeister 1905 - 1925
* Rudolf Stauffer, Gemeindeeinnehmer, jetzt noch Rendant (Rechner) der Genossenschaft
* Abraham Stauffer V.
Die Eintragung erfolgte am 28. Februar 1903 in das Genossenschaftsregister mit dem Namen * "Spar- und Darlehnskasse, eingetragene Genossenschaft mit unbeschränkter Haftpflicht
zu Ibersheim".
* Gegenstand der Geschäftstätigkeit war: Gewährung von Darlehen an die Genossen für
ihren landwirtschaftlichen Betrieb, Erleichterung der Geldanlage und Förderung des
Sparsinns.

Entwicklung der Spar- und Darlehnskasse und personelle Verantwortung

* 28.04.1906 Heinrich Volz ersetzt Abraham Stauffer
* 26.11.1913 Geschäftsanteil auf 650 Mark festgelegt und ist sofort einzuzahlen
* 29.12.1920 Haftsumme jetzt 15.000 Mark wegen Inflation
* 12.12.1921 Albert Stauffer ersetzt Heinrich Jakob Forrer
* 05.10.1923 Nach der Währungsreform, Haftsumme 1000 Reichsmark
* 13.07.1933 Neuer Gegenstand: Gemeinschaftlicher Einkauf von Verbrauchsstoffen und
Gegenständen des landwirtschaftlichen Betriebs. Gemeinschaftlicher Verkauf
landwirtschaftlicher Erzeugnisse.
* 30.11.1938 Liesel Stauffer ersetzt Rudolf Stauffer
* 19.03.1939 Rudolf Stauffer wird erneut gewählt
* 12.06.1946 ausgeschieden wegen politischer Belastung:
Albert Stauffer, Liesel Stauffer, Rudolf Stauffer
neu gewählt wurden:
Joh. Heinrich Schäfer I., Rudolf August Seitz, Hertha Bärsch (Rechnerin)
* 11.06.1948 ausgeschieden: Heinrich Volz
* 08.08.1953 ausgeschieden: Joh. Heinrich Schäfer I., Hertha Bärsch (Rechnerin)
neu gewählt: Joh. Heinrich Schäfer II. (Vorsitzender),
Richard Ritscher (Rechner)

Mit der Übernahme von Rechner Ritscher erfolgte ein Umzug in dessen Räume Hammer Straße 7. Das Büro war im Obergeschoß des Wohn- und Geschäftshauses und im ehemaligen Tanzsaal wurde der Lagerraum für Futter- und Pflanzenschutzmittel eingerichtet. Innerhalb weniger Jahre gab es einen Aufschwung im Geld- und Warenverkehr. Um 1960 kam noch eine Sammelstelle der Bezirksgenossenschaft für Gartenbauerzeugnisse in Gimbsheim hinzu.

* 29.09.1962 Satzungsänderung, Johann Ruppenthal I. ersetzt Richard Ritscher, der zum
hauptamtlichen Geschäftsführer bestellt wurde
* um 1963 Die Spar- und Darlehnskasse Ibersheim und die Landwirtschaftliche Bezugs-
und Absatzgenossenschaft Hamm errichten in Ibersheim ein gemeinsames
Lagerhaus mit Büroräumen für ca. 250.000 DM (ca. 125.000 €), Getreide konnte jetzt gereinigt, getrocknet und bis 600 Tonnen gelagert werden.
* 04.09.1965 Ernst Sauer ersetzte Johann Ruppenthal I., nach dessen schwerem Sturz beim
Neubau der Lagerhalle
* 23.04.1966 Ernst Sauer wurde stellvertretender Vorsitzender, Heinz-Ulrich Hege ersetzte
Rudolf August Seitz
* 28.10.1968 Johann Heinrich Schäfer II. schied im Vorstand aus und ging als Geschäfts-
führer zur Markthalle Gimbsheim
* 04.12.1969 Ernst Sauer wurde Vorsitzender, Heinz-Ulrich Hege stellvertr. Vorsitzender,
Hermann Delp kam neu in den Vorstand
* 27.05.1970 Generalversammlung in Ibersheim beschließt Verschmelzung mit Hamm
* 23.06.1970 Generalversammlung in Hamm beschließt Verschmelzung mit Ibersheim

Der Name Spar- und Darlehnskasse Ibersheim war mit der Verschmelzung erloschen und wurde für das Warengeschäft geändert in Landwirtschaftliche Bezugs- und Absatzgenossenschaft Hamm/Worms-Ibersheim. Gleichzeitig erfolgte noch die Verschmelzung des Geldgeschäftes zwischen der Spar- und Darlehnskasse Hamm mit Ibersheim. Die Ibersheimer Genossen hatten danach den gleichen Service wie vorher, waren jedoch betriebsintern juristisch getrennt worden:
* Der Geldverkehr erfolgte als Filiale der Spar- und Darlehnskasse Hamm, danach als
Zweigniederlassung der Volksbank Worms-Wonnegau, Osthofen
* der Warenverkehr war im Betriebsteil Ibersheim
* 23.06.1970 Ibersheimer im neuen Vorstand der BAG: Hermann Delp, stellvertretender
Vorsitzender; Richard Ritscher, Geschäftsführer des Lagerhauses
* 23.06.1976 Generalversammlung beschließt: neue Satzung mit neuer Firmierung
Raiffeisen Warengenossenschaft Hamm/Worms-Ibersheim eG,
Genossenschaft mit beschränkter Nachschusspflicht und Haftpflichtsumme
von 750 DM je Geschäftsanteil
* 31.07.1976 Richard Ritscher nach 23 Jahren, als Geschäftsführer wegen Schlaganfall,
zurückgetreten
* 29.10.1979 Werner Ellenberger ersetzt Richard Ritscher im Vorstand
* 11.07.1994 Werner Ellenberger ausgeschieden wegen Umzug
* 25.06.2002 Volker Seber ersetzt Hermann Delp

Ab ca. 2010 hatte man die Ibersheimer genossenschaftliche Immobilie mit den verschiedenen Einrichtungen nicht mehr genutzt.

Nach 100 Jahren Genossenschaft in Ibersheim kann festgestellt werden, dass die dortige Landwirtschaft in ihrer Entwicklung stark gefördert wurde. Bezug und Absatz von Produkten und die dazu gehörigen Geldgeschäfte waren in eigener und kostengünstiger Verantwortung. Im Laufe der Zeit mussten viele Genossenschaften fusionieren, weil die Kosten für die Datentechnik zu hoch oder das Eigenkapital für höhere Kredite zu niedrig waren. Diese Probleme trafen die örtlichen Genossenschaften genauso, wie die höheren Instanzen des Genossenschaftswesens. Die verschiedensten Genossenschaftsformen bewähren sich jedoch weiterhin für ihre Mitglieder. Sie bleiben aktuell und universell, auch nach 150 Jahren seit ihrer Entstehung in Deutschland. In der Dritten Welt erkennt man die Vorteile genauso und versucht, die wirtschaftlichen Ziele mit dieser Methode in verschiedenster Art zu erreichen.

Ein Beitrag von Edmund Ritscher, Mannheim (Mai 2013)

 
 
 

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