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Gehört Rheinhessen noch zu Hessen

Im Jahr 2016 wird aus gutem Grund "200 Jahre Rheinhessen" gefeiert. Damit meint man die politische Zugehörigkeit zum ehemaligen Großherzogtum Hessen (1816 - 1919) und dem nachfolgenden Volksstaat Hessen (bis 1945). Die Bevölkerung war aber schon immer miteinander verbunden.

Am Anfang war die Fränkische Reichsteilung 

Mit dem Vertrag von Verdun 843 wurde das ehemalige Reich Karls des Großen auf seine Enkel in West-, Mittel- und Ostfranken aufgeteilt. Zwischen dem mittelfränkischen Reich (Lothar I.) und dem ostfränkischen Reich (Ludwig dem Deutschen) verlief die Grenze auf dem Rhein, aber mit einer Ausnahme. Zu dem rechtsrheinischen Ostfranken gehörte noch ein linksrheinischer Teil dazu, nämlich die Gaue Mainz, Worms und Speyer mit den späteren Kaiserdomen. Werner I. (814 in Aachen erschlagen) war bereits zu Zeiten Karls des Großen Präfekt des Ostlandes. Er schenkte 812 in Rheindürkheim eine Hofreite dem Kloster Lorsch. Seine Schwiegermutter Adeltrud schenkte in Ibersheim zwischen 770 und 778 viermal dem Kloster, insgesamt sechs Weinberge und fünf "Rebpflanzungen", also elf Wingert. Ludwig der Deutsche wurde 876 in Lorsch begraben. Der Rhein war damals keine Grenze, eher Verkehrsweg. 


Rheinhessen nach der politischen Eingliederung zu Hessen 

Nach der Französischen Revolution 1789, mit der Herrschaft Napoleons, gehörte das linksrheinische Gebiet zu Frankreich. Auf dem Wiener Kongress erhielt das Großherzogtum Hessen 1816 das zwischen Mainz, Worms, Alzey und Bingen gelegene Gebiet und nannte es Rheinhessen. 

Die neue Regierung in Darmstadt zeigte Engagement für verschiedene Reformen. Besonders sichtbar ist dies immer noch an der von dem Darmstädter Georg Moller (1784-1852) geprägten Architektur bei Amtsgebäuden, Kirchen und Bahnhöfen. Großherzog Ernst Ludwig war ein Förderer des Darmstädter Jugendstils. In Worms ist der Nibelungenstil deutlich geworden bei der Nibelungenschule, dem Wasserturm und dem Brückenturm. Auch in den Dörfern gab es um diese Zeit eine Aufbruchstimmung, die mit einem Bauboom verbunden war.
Nach dem Zweiten Weltkrieg wurde Rheinhessen von Hessen abgeteilt, weil der Rhein die Grenze war zwischen der französischen und der amerikanischen Besatzungszone. 1956 gab es ein Volksbegehren mit der mehrheitlichen Entscheidung, dass dieses Gebiet nicht mehr zu Hessen kommen soll. Es wurde deshalb Teil des späteren Rheinland-Pfalz. 


Grenzen kann man ziehen, Bindungen bleiben bestehen. 

Die Sprache verbindet das rechtsrheinische Hessen mit dem linksrheinischen Rheinhessen. In beiden Landesteilen spricht man Hessisch, grenzt sich deshalb gegenüber anderen ab und versteht sich mindestens sprachlich gut. 

Die Hessische und die Rheinhessische Küche unterscheiden sich nicht bei Handkäs mit Musik, Kreppel oder Zwiebelkuchen. Bei den Getränken gibt es regionale Unterschiede: in Hessen Äppelwoi/Apfelwein in einem Trinkglas mit 0,3 Liter und in Rheinhessen Woi/Traubenwein im Piffche mit 0,1 oder in einem Halwe/Halber Schoppen mit 0,2 Liter. 

Die beiden Kirchen behielten auch bis heute ihre früheren Einteilungen. Die Evangelische Kirche in Hessen und Nassau hat eine von sechs Propsteien für Rheinhessen mit Sitz in Mainz. Das Katholische Bistum Mainz umfasst 20 Dekanate, die sich in Hessen und Rheinland-Pfalz verteilen.
In der Literatur machte sich die politische Opposition mit Georg Büchner (1813-1837) bemerkbar. Der erste Träger des Georg-Büchner-Preises war der Arzt und Odenwald-Dichter Adam Karrillon (1853-1938) mit seiner rheinhessischen Frau Bertha Laisé (1854-1962) aus Ibersheim. 

Die verschiedenen Beziehungen zwischen Rheinhessen und Hessen werden weiterhin erhalten bleiben. Der Rhein ist dabei keine Grenze, sondern eher Verbindung. 


Ein Beitrag von Edmund Ritscher, Mannheim (Juli 2013)

 
 
 

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