Zum Inhalt (Access key c)Zur Hauptnavigation (Access key h)Zur Unternavigation (Access key u)
Schriftvergrößerung
AAA

Hochmeister trank Ibersheimer Wein

Ibersheim ist einer der ältesten Weinorte im heutigen Rheinhessen mit 1200-jährigem Weinanbau. Das nutzte auch der Deutsche Orden und verfrachtete vor Jahrhunderten Ibersheimer Wein bis zu ihrem Hochmeister, dem Ordensoberen auf der Marienburg im Deutschordensstaat im ehemaligen Ostpreußen.

1200 Jahre Weinbau in Ibersheim

Von 767 bis 829 wurden dem Kloster Lorsch mit 27 Schenkungen 27 Ibersheimer Weinberge geschenkt. Die reiche Adeltrud, verheiratet mit Graf Eberhard, übergab alleine elf Wingert.

Graf Egilolf/Agilolf und sein Sohn Gerold schenkten sieben Morgen Ibersheimer Land. Interessant ist dabei die verwandtschaftliche Beziehung, denn Egilolf war mit Willigard und deren Schwester Hildegard mit Karl dem Großen verheiratet. Im Oktober 783 heiratete Karl der Große in Worms seine zweite Frau Fastrada.
Zu dieser Zeit hatten die Ibersheimer bereits 20 Weinberge dem Kloster geschenkt. Was muss dort alles noch vorhanden gewesen sein und wer lieferte den Hochzeitswein?

Bis in die 1960er Jahre gab es den letzten Weinberg im "Krautland" und in den 1940er Jahren noch zwei weitere im "Killenfeld". Diese letzten Ibersheimer Wingerte wurden vom Schäferhof bearbeitet. Noch heute erinnert sich Leonhard Huppert aus Gundersheim an die Ibersheimer Weinberge seines allzu früh verstorbenen Schwagers und Wormser Stadtrats Johann Heinrich Schäfer II.

 

Wein im Mittelalter

Wein war im Mittelalter besonders wichtig, weil er haltbar war. (Wein wird im Liegen gut und Wasser dagegen schlecht.) Deshalb kann man heute noch die großen Fässer im Heidelberger Schloss und anderswo mit Staunen besichtigen. Mit Wein wurde auch bezahlt. Die früheren Verwalter der Vorräte nannte man deshalb auch einfach Keller.

Der große Deutsche Orden mit einem eigenen Staat im Baltikum wurde von einem Hochmeister regiert. Nur für Deutschland ist ein Deutschmeister zuständig gewesen, der 1439 die Reichsunmittelbarkeit erlangte. In den Wormser Matrikeln von 1521 sind alle reichunmittelbaren Herrscher genannt, darunter auch der Deutschmeister und vier Kammerballeien, die dem Hochmeister direkt unterstellt waren.

Zu den vier Kammerballeien gehörte Koblenz mit seiner Kommende Ibersheim. Diese waren verpflichtet, jährlich eine festgesetzte Abgabe an die Kämmerer des Hochmeisters zu entrichten. Koblenz hatte diese "Steuer", entsprechend der wirtschaftlichen Struktur und den Bedürfnissen der hochmeisterlichen Hofhaltung, als Wein zu zahlen. "Seit der Übersiedlung des Hochmeisters in die Marienburg 1309 bezog der Meister Wein aus der Ballei Koblenz als Kammerzins." (Prof. Klaus Militzer, 1990)

Die Weinlieferungen kamen nicht nur von deren Kommenden am Mittelrhein, sondern auch von Ibersheim. Prof. Udo Arnold schreibt 1989 dazu: "Für Koblenz hatte sogar die ganze Kommende Ibersheim eine am Weinbau und -handel des Ordens orientierte Zulieferfunktion: Ihr wichtigstes Produkt war Holz, teilweise schon vor Ort zu Weinfässern verarbeitet, wie die Zollprivilegien von 1261 und 1290 aufzeigen."

Transportweg Ibersheim - Marienburg

In Ibersheim wurde der Wein wahrscheinlich auf dem Ibersheimer Wörth angebaut. In den Feuchtgebieten standen die Eichen, aus denen man Fässer hergestellt hatte. An dem damals noch bei Ibersheim durchfließenden Altrheinarm konnten bequem die gefüllten Weinfässer auf sogenannte "Oberländer"-Schiffe geladen werden. 

Speziell für Ibersheimer "Erntefrüchte" erteilte König Rudolph I. von Habsburg am 20. Februar 1282 ein Zollprivileg. (Die Grablege und ein Denkmal von ihm ist im Dom zu Speyer.) Die wertvolle Fracht ging rheinabwärts durch das Binger Loch an den Stromschnellen und der Lorelei vorbei. Für diesen Flussabschnitt war das Schiff mit einem völlig flachen Boden gebaut worden. Die Friesen besorgten den Weinhandel und den Weintransport. In Worms hatten sie sogar einen eigenen Stadtteil, die Friesenspitze. Gemächlich durch die Strömung und den Wind ging die Fahrt an der eigenen Ballei Koblenz vorbei, direkt zum großen Umschlagplatz für Rheinwein in Köln. Dort musste auf den niederländischen größeren Schiffstyp umgeladen werden, der für den Niederrhein geeignet war.

Anton Woensam von Worms (* 1492/1500 Worms, + 1541 Köln) fertigte die 'Große Ansicht von Köln im Jahre 1531' an, auf der die zwei Schiffstypen zu sehen sind:
* Oberländer Rheinschiffstyp für den Mittel- und Oberrhein
* Niederländische Schiffstyp für den Niederrhein.

Auf der langen Reise wurde in Kampen (niederländische Hansestadt) wieder angelandet für die Weiterfahrt nach Hamburg. Dort sind die Fässer wieder auf Flussschiffe umgeladen worden, die ab 1398 über den Stecknitzkanal (Elbe - Ostsee) nach Lübeck gelangten. In seegängige "Koggen" (Segelschiff der Hanse) ging es nach Lübeck und von dort weiter zum Zielgebiet Elbing oder Danzig. Anscheinend war kein Weg zu weit, um Rheinwein trinken zu können. Auf dem weiten Rückweg, immerhin als Schiffsweg, wurden Heringe, Salzfische, Bücklinge und Stockfische eingeführt.

Besuch in der Residenz des Hochmeisters des Deutschen Ordens

In der Schatzkommer des Deutschen Ordens in Wien fiel dem Autor und Heimatforscher bei einem Besuch am 9. August 1988 auf, dass Ibersheim als Ordenskommende nicht auf der großen Tafel im Eingangsbereich dargestellt ist. 

Zufällig kam bei dieser Gelegenheit sogar ein Gespräch mit dem Hochmeister Ildefons Pauler (+ 9. Januar 1996 in Wien) zustande. Dabei konnte geklärt werden, dass die dortige Darstellung der Zustand nach dem Verkauf an die Leininger 1465 ist und nur deshalb Ibersheim nicht aufgeführt wurde. 

Nach dem freundlichen Gespräch und mit einer kleinen Widmung in einem Buch, hat man sich im persönlichen Büro des Hochmeisters sehr zufrieden verabschiedet.

Ein Beitrag von Edmund Ritscher, Mannheim