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Der Ibersheimer Geldschisser

Der Ibersheimer Geldschisser ist ein Symbol für den Reichtum in Ibersheim im 19. Jahrhundert, der heute noch an den verschiedenen großen Bauernhöfen aus dieser Zeit erkennbar ist.

Fritz Kehr (1908 - 1985), der unermüdliche Kultur- und Kunstschaffende in Ibersheim und Umgebung, erwarb sich verschiedene Verdienste um die Dorfverschönerung im Rahmen von "Unser Dorf soll schöner werden".

Dazu stellte er das kleine Häuschen, am Ortsende zum Rhein, als Heimatmuseum besonders heraus. Es waren nicht nur ein neuer Anstrich und eine schöne Bemalung notwendig. Fritz Kehr schnitzte, als studierter Holzbildhauer, noch wirkungsvoll eine Figur fachgerecht in den linken Eckständer, gut sichtbar an der Straßenecke. Dabei orientierte er sich an den Fachwerkhäusern in der Entstehungszeit des Häuschens um 1788.

 

Die Figur erhielt von Fritz Kehr einen Namen, der einen Bezug zu Ibersheim hat und gleichzeitig im regionalen Sprachgebrauch herausfordernd, kräftig und hinterlistig wirkt, damit er im Gedächtnis bleibt, im Zusammenhang mit dem Heimatmuseum. Um die materiellen Kosten decken zu können, wurden echte Ibersheimer historische Dachziegel vom "Ammeheisje" genommen und, mit der vom Künstler geschaffenen Figur, bemalt, verziert und verkauft.

Das Material für die Dachziegel stammt aus Aue-Lehm vom Ibersheimer Wörth. Um 1900 hatte der Ibersheimer Backstein- und Ziegelfabrikant Heinrich Volz (1865 - 1947) auf seinem Grundstück den notwendigen Boden dazu ausgebaggert. Das "Volze Loch" ist heute ein schützenswertes Gebiet auf dem Ibersheimer Wörth und von landschaftstypischem Gehölz umgeben. Das Wasser dient als Tränke für die Vogel- und Tierwelt. Die Jäger haben für die Rehe das Ufer abgeflacht.

Die ältesten originalen Ziegel sind handgefertigt. Man erkennt noch auf beiden Seiten den Daumenstrich, der mit nassen Händen, als letzten Arbeitsgang vor dem Ausformen, entsteht.

Erhard Hütz, der bekannte rheinhessische Zeichner aus Alzey, 1949 in Worms geboren, zeichnete 1995 das "Ammeheisje" und stellte dabei den "Geldschisser" besonders heraus. Als Schüler des Naturwissenschaftlichen Gymnasiums in Worms, hatte Hütz dort den Zeichenlehrer Studienrat Wilhelm Baier gehabt. Bereits zehn Jahre vorher, waren die beiden Klassenkameraden Julius Grünewald aus Westhofen und Edmund Ritscher aus Ibersheim bei Baier Schüler gewesen, Heute sind die ehemaligen Klassenkameraden als Heimatforscher für ihren Heimatort bekannt und treffen sich bei den Familienforschern.
Mancher heutige Zeitgenosse hat Sehnsucht nach einer solchen einfallsreichen Figur und wünscht sich, dass es den Ibersheimer Geldschisser auch in Wirklichkeit gäbe.

Edmund Ritscher, Mannheim November 2013

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