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Franzosen am Rhein

Frankreich suchte, in verschiedenen Kriegen, gegenüber seinem starken Nachbarn Deutschland, den Rhein als natürliche Grenze zu festigen. Die rheinhessische Hauptstadt Mainz ist bereits sprachlich mit Mayence fest eingenommen worden.

Das zerstörte Heidelberger Schloss wurde zu einem Sinnbild des Pfälzischen Erbfolgekrieges. Zeitgenössische Darstellung aus dem Jahr 1693, die die Sprengung des Schlosses und die brennende Stadt Heidelberg zeigt. Quelle: wikipedia.de 
Das zerstörte Heidelberger Schloss wurde zu einem Sinnbild des Pfälzischen Erbfolgekrieges. Zeitgenössische Darstellung aus dem Jahr 1693, die die Sprengung des Schlosses und die brennende Stadt Heidelberg zeigt. Quelle: wikipedia.de

Pfälzischer Erbfolgekrieg 1688 - 1697

Hierbei geht es um die frühere Kurpfalz oder rheinische Pfalz und nicht um die heutige Pfalz. Mit einem Vorwand ist der französische Sonnenkönig Ludwig XIV. (14.) mit seinen Truppen eingefallen und hat ganze Gegenden zur verbrannten Erde gemacht. Das Heidelberger Schloss ist deshalb heute noch als Ruine sichtbar. 

Am 22. September 1688 kamen erstmals französische Truppen nach Worms. Im März 1689 wurden die Dörfer Eich, Rheindürkheim und Hamm in Asche gelegt. Ibersheim wird nicht genannt, vermutlich ist es wegen seiner Ortsbefestigung verschont geblieben. 

Ein Feldlager war zwischen der Seebach- und der Pfrimmmündung bei Rheindürkheim und Herrnsheim errichtet worden. An Pfingsten 1689 wurde, nach vergeblichen Bitten und Klagen, mit dem Brand ab Dienstag 31. Mai, 16 Uhr in Worms begonnen. Am Dom kann man heute noch, durch die Hitze des Bandes, abgeplatzte Steine erkennen.

Quellen:
Georg Wilhelm Böhmer: Die schreckliche Zerstörung von Worms im Jahre 1689 …, 1789
Oscar Canstatt: Drangsale der Stadt Worms und ihre Zerstörung durch die Franzosen, 1889

 
Napoleon Bonaparte; Quelle: wikipedia.de 
Napoleon Bonaparte; Quelle: wikipedia.de

Erster Napoleonischer Krieg 1798 - 1802

Nach der Französischen Revolution 1789 wurde unsere Gegend ab 1792 wieder von den Franzosen heimgesucht und besetzt. Die Stadt Mainz ist dreimal belagert worden: im Oktober 1792, im Juli 1793 und im Oktober 1795. Dort war, nach dem Frieden von Luneville, von 1801 bis 1814 der Sitz des Departements Donnersberg (Département du Mont-Tonnerre), das die Gesetze von Paris zu verfolgen hatte. Die Verwaltung war in Unterpräfekturen (Arrondissements) aufgeteilt und diese wiederum in Kantone:
* Mainz mit den Kantonen: Alzey, Bechtheim, Bingen, Kirchheim, Mainz, Niederolm, Oberingelheim, Oppenheim, Wöllstein und Wörrstadt
* Speyer mit den Kantonen: Dürkheim, Edenkoben, Frankenthal, Germersheim, Grünstadt, Mutterstadt, Neustadt, Pfeddersheim, Speyer und Worms
* Kaiserslautern und * Zweibrücken

 

Am Anfang der Revolutionskriege konnte man sich mit einigen Neuerungen noch anfreunden, weil Privilegien des Adels und der Kirche abgeschafft und mit dem "Code Civil" gleiche Rechte und öffentliche Gerichtsverfahren eingeführt wurden. 

Spätestens nach den Feststellungen (Aushebungen) der männlichen Bevölkerung für den Wehrdienst in der französischen Armee, waren die neuen Besatzer verhasst, wegen der verlustreichen Eroberungskriege Napoleons. Dann half es auch nicht, wenn man für einige Zeit "in die Hecken" ging, weil Kirchenbücher mit den einzelnen Jahrgängen vorhanden sein mussten. Am sichersten war die Flucht über den Rhein, denn dort war kein französisches Staatsgebiet. Erst nach der Niederlage Napoleons in der Völkerschlacht bei Leipzig im Oktober 1813 räumten die Franzosen wieder unser Gebiet, das man ab 1816 Rheinhessen nannte.

Die Proklamierung des deutschen Kaiserreiches (18. Januar 1871) im Spiegelsaal von Schloss Versailles, Quelle: wikipedia.de 
Die Proklamierung des deutschen Kaiserreiches (18. Januar 1871) im Spiegelsaal von Schloss Versailles, Quelle: wikipedia.de

Deutsch-Französischer Krieg 1870 - 1871

Diesem Krieg ging eine deutsche Vorgeschichte voraus. Nach der gescheiterten deutschen Revolution 1848/1849 gab es noch kein geeinigtes Deutschland. Sogar ein Deutscher Krieg
zwischen Preußen und dem Deutschen Bund fand 1866 statt. 

Danach gab es Streit zwischen Frankreich und Preußen, die zur Kriegserklärung von Kaiser Napoléon III. im Juli 1870 an Preußen führte. Entgegen Napoléons Erwartung traten die süddeutschen Staaten auch gegen ihn an. Am 9. Dezember 1870 erstürmte, das ab 1872 in Worms stationierte Großherzoglich-Hessische Infanterie-Regiment "Prinz Carl" Nr. 118, das größte Loire-Schloss Chambord.

Am 18. Januar 1871, während eines Waffenstillstandes, ließ sich Wilhelm I. im Spiegelsaal von Versailles zum ersten Deutschen Kaiser proklamieren. Damit endete das "Heilige Römische Reich Deutscher Nation". In Frankreich wurde dagegen die Monarchie abgeschafft. Am 26. Februar 1871 unterzeichnete man in Versailles einen Vorfrieden und am 10. Mai in Frankfurt den endgültigen Frieden. Als Kriegsgewinn erhielt Deutschland Elsass-Lothringen und mit den großen französischen Reparationszahlungen konnte die Binnenwirtschaft angekurbelt werden. Man nannte dies später die Gründerzeit.

 
Denkmal des Großherzoglich-Hessischen Infanterie-Regiments "Prinz Carl" Nr. 118 
Denkmal des Großherzoglich-Hessischen Infanterie-Regiments "Prinz Carl" Nr. 118

Erster Weltkrieg 1914 - 1918

Stabile politische Verhältnisse gab es nur wenige Jahrzehnte bis die Deutschen ihrem damaligen "Erbfeind" eine Osterweiterung verwehren wollten. Frankreich konnte andererseits die Schmach von 1870/71 noch nicht vergessen. Anlass für den ersten Weltkrieg, mit 17 Millionen Toten, war ein Attentat in Sarajewo am 28. Juni 1914. 

Österreich-Ungarn erhielt von Deutschland eine bedingungslose Unterstützung und erklärte am 28. Juli 1914 Serbien den Krieg. Serbien wurde von Russland und von Frankreich unterstützt. Deutschland geriet in einen Zweifrontenkrieg. Neutral blieben nur die Schweiz, Spanien und Schweden.

Die Garnisonsstadt Worms erhielt zwischen 1895 und 1898 eine neue Kaserne und ein neues Lazarett. Die Kaserne wurde nach dem General Karl Wilhelm Ludwig von Hessen und bei Rhein (1809-1877), kurz Prinz Carl-Kaserne genannt. Dort war das 4. Infanterie-Regiment Prinz Carl (Nr. 118) mit drei Bataillonen untergebracht. Heute erinnern noch die Kaserne an der Mainzer Straße und das Lazarett in der Ehrenburger Straße an die kaiserlichen Zeiten. Das 118er Denkmal am heutigen Adenauerring wurde 1932 zur Erinnerung an die hohen Verluste eingeweiht. Von den ursprünglich 377 Offizieren und 24.991 Mannschaften sind 87 Offiziere und 2878 Mannschaften gefallen und 176 Offiziere und 7558 Mannschaften verwundet worden.

 
Briefmarke mit dem Wormser Dom von 1947 aus der französischen Besatzungszone, Rheinland-Pfalz, Quelle: wikipedia.de 
Briefmarke mit dem Wormser Dom von 1947 aus der französischen Besatzungszone, Rheinland-Pfalz, Quelle: wikipedia.de

Zweiter Weltkrieg 1939 - 1945

Dies war der bisher größte militärische Konflikt überhaupt, an dem direkt und indirekt über 60 Staaten beteiligt waren. Die Zahl der Kriegstoten lag zwischen 60 und 70 Millionen. Dieser Krieg war gekennzeichnet durch zahllose Kriegsverbrechen, wie Blitzkriege, Flächenbombardements, Holocaust und Atombombenabwurf. 

Er begann mit einem deutschen Überfall auf Polen am 1. September 1939. Darauf erhielt Deutschland von Großbritannien und Frankreich sofort eine Kriegserklärung. Die deutsche Wehrmacht überfiel Holland und Belgien und besiegte anschließend die französische Armee. Im Juni 1940 erfolgte ein Waffenstillstand mit Frankreich. Danach wurden zweidrittel des Landes besetzt.

Am 8. Mai 1945 musste Deutschland bedingungslos kapitulieren nachdem die Städte zerbombt, Millionen zu Tode gekommen sind und das Land Dorf für Dorf erobert wurde. Rheinhessen ist Ende März 1945 von Amerikanern eingenommen worden. Deutschland wurde danach in vier Besatzungszonen eingeteilt. Ab 5. Juni 1945 war hier die französische Besatzungsmacht zuständig, die am 30. August 1946 das Land Rheinland-Pfalz errichtete. Aus dieser Zeit gibt es noch genügend Zeugen, die von ihren Erlebnissen berichten können.

 
Der französische Staatspräsident Charles de Gaulle und Bundeskanzler Konrad Adenauer 1958; Quelle: wikipedia.de 
Der französische Staatspräsident Charles de Gaulle und Bundeskanzler Konrad Adenauer 1958; Quelle: wikipedia.de

Uralter Streit mit Freundschaftsvertrag beigelegt

Wir haben es den beiden großen Politikern Adenauer und de Gaulle zu verdanken, dass sie nach verheerenden Kriegen unter den beiden Völkern ein großes Gemeinschaftswerk vollbracht haben. Seit 1963 gilt der deutsch-französische Freundschaftsvertrag. Davor gab es über Jahrhunderte einen ewigen Kampf mit unvorstellbarem Leid.

Im Juli 1960 folgte der Autor der Einladung der befreundeten Familien Letouzé und Molinari nach Rambouillet in Frankreich. Bei dieser Gelegenheit konnte er die deutsch-französische Freundschaft erfahren, die durch Verbindungen seines Vaters während des Krieges, zustande kam. Auf dem nahen Schloss Rambouillet wurde bei einem Rundgang auch das alte große Bett gezeigt in dem frühere Staatsgäste übernachteten. Nur wenige Tage später verbrachte dort Bundeskanzler Konrad Adenauer vom 29. auf den 30. Juli 1960 wahrscheinlich eine unruhige Nacht, weil er von Staatspräsident de Gaulle mit seinem Konzept für eine enge deutsch-französische Zusammenarbeit überrascht wurde, das in den Elysée-Vertrag vom 22. Januar 1963 mündete.
Mittlerweile sind wir stolz darauf, dass die vertragliche Freundschaft mindestens 50 Jahre gehalten hat. Manchmal wünschen wir uns sogar, "wie Gott in Frankreich" leben zu wollen.


Edmund Ritscher, Mannheim - Februar 2014