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Die Mölsheimer Goldfibel

Das schönste Schmuckstück aus der Zeit der Merowinger hatte man 1930 in Mölsheim gefunden. Es fand weltweite Beachtung und wird seit der Entdeckung im Landesmuseum in Darmstadt ehrenvoll ausgestellt. Ein Bild davon können Sie hier, nach 1350 Jahren, bewundern.

Mölsheimer Goldfibel; Aufnahme aus dem hessischen Landesmuseum Darmstadt. Originalkopie freundlich zur Verfügung gestellt von Edmund Ritscher 
Mölsheimer Goldfibel; Aufnahme aus dem hessischen Landesmuseum Darmstadt. Originalkopie freundlich zur Verfügung gestellt von Edmund Ritscher

Was ist das für ein Schmuckstück?

Es ist eine wertvolle Filigranscheibenfibel, eine Gewandspange, die nur von sehr reichen Persönlichkeiten getragen wurde, um einen Umgang zusammenzuhalten und um ihre persönliche Bedeutung zur Schau zu stellen. Auf einer 8,3 cm großen gegossenen Bronzeplatte ist ein goldenes Deckblech genietet worden. 

Am Rand sind Fassungen für vier quadratische dunkelgrüne, vier gelbe Glasflüsse sowie flach geschliffene Almandinen aufgelötet. 

Im Zentrum ist ein mit Goldblech verzierter Kamee-Stein. Eine Kamee ist ein Schmuckstein mit erhabener figürlicher Darstellung. Im Vergleich dazu ist bei einer Gemme der Stein eingeschnitten.

 

Wo wurde die Fibel hergestellt?

Solche Vierpassfibeln kommen in den Jahren 630 bis 680 linksrheinisch nur im Eifelvorland, dem Saarland und in unserer rheinhessischen Heimat vor. Die Schönste ist jedoch die aus Mölsheim, wie Fachleute feststellten, nicht nur die Lokalpatrioten. 

Die Herstellungstechnik soll ursprünglich sogar aus dem ptolemäischen Alexandria stammen, als dort die bekannte Kleopatra VII. (69 - 30 vor Chr.) lebte. Um die Zeit der Entstehung lebten und regierten hier bei uns die Merowinger. Worms kennt eher deren Nachfolger, die Karolinger mit dem bekannten Karl dem Großen, der hier 783 seine Fastrada heiratete.

Wer hat die Fibel getragen?

Natürlich hat eine Frau sie geschenkt bekommen und getragen. Wahrscheinlich war es eine ältere Dame, denn seit alters her kann man feststellen: Je älter, je reicher geschmückt. Die Mölsheimer denken natürlich zuerst an eine Mölsheimerin, weil sich mit dem Wein Reichtum verbindet.

Eine weitere Vermutung ist, dass auf einer Fernreise, vielleicht von Paris nach Worms, das Schmuckstück verloren ging. Wer sein Ziel, das ehrwürdige Worms, in der Ferne erkennen konnte, ruhte sich vorher noch einmal aus und machte sich wahrscheinlich in dem schönen Zellertal mit Mölsheim stadtfein. Es ist auch vorgekommen, dass man auf einem langen und schwierigen Weg, durch Gewalt oder natürlich, zu Tode kam. Frauen behielten dann ihren Schmuck als Grabbeigabe.

Mölsheim ist heute aus zweierlei Gründen sehr bekannt, bei den Weinfreunden und bei den Kunstfreunden gleichermaßen.

Mit den vielen Geschichten zur Geschichte wurde der Autor für sein Engagement bereits vom Wormser Oberbürgermeister Michael Kissel geehrt. 

Für die gute Zusammenarbeit bei der Internet-Redaktion bedankt er sich mit dem hier gezeigten sehr seltenen und schönen Bild aus seiner Sammlung.


Edmund Ritscher, Mannheim, Januar 2014