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Kleines Hagendenkmal entdeckt

Die Stadt Worms ist stolz auf ihre Nibelungen, jedoch weniger stolz darauf, dass Hagen deren Schatz im Rhein versenkt hat. Noch schlimmer ist, dass er bis heute noch nicht gefunden wurde, obwohl die Stadt manchmal einen Goldschatz gebrauchen könnte.

Hagendenkmal als Miniaturausgabe
Hagendenkmal als Miniaturausgabe
Der Entdecker der Hagen-Miniatur: Edmund Ritscher
Der Entdecker der Hagen-Miniatur: Edmund Ritscher
Die (neue) Mannheimer Heimat des "kleinen Wormser Hagens": der Ruderverein Amicitia
Die (neue) Mannheimer Heimat des "kleinen Wormser Hagens": der Ruderverein Amicitia
Amicitia Tafel

In Worms erinnerte man sich immer wieder an dieses wichtige Ereignis, bis der Wormser Lederfabrikant und Mäzen Cornelius Wilhelm von Heyl zu Herrnsheim ein Denkmal mit Hagen und dem Nibelungenschatz gestiftet hatte. Danach wurde der Künstler Johannes Hirt (1859-1917) mit der Gestaltung beauftragt. 

Zunächst wurde ein Modell zur Beurteilung und für die Finanzierung geschaffen, zur späteren Herstellung als Galvanoplastik. Die Figur stand nach Fertigstellung von 1905 bis 1932 im Wormser Stadtpark. Im Juni 1932 kam das Standbild korrekterweise an die Rheinpromenade und dort auf den Sockel eines ehemaligen städtischen Rheinkrans. Damit war auch für jeden Schiffer sichtbar, dass hier in der Nähe der Nibelungenschatz versenkt wurde. Die Stadt Worms hatte als Nibelungenstadt hier ein deutliches Zeichen gesetzt.

In der großen Politik herrschte um 1900 eine maritime Begeisterung vor. Der deutsche Kaiser Wilhelm II. bevorzugte seine Marine und infolge dessen war auch der Wassersport mit Rudern und Segeln gesellschaftlich aktuell. 

Deshalb ist verständlich, dass die Stadt Worms für die erste Wormser-Ruder-Regatta am 14. Juni 1914 einen ganz besonderen Pokal als Ehrenpreis stiftete, nämlich das Modell des Hagen-Standbildes mit ca. 30-40 cm Höhe aus Metallguss. In der Chronik des "Wormser Ruderclubs Blau-Weiss von 1883 e. V." ist das genaue Datum festgehalten mit dem Hinweis "Ehrenpreis der Stadt Worms".

Ist das kleine Hagendenkmal nach 100 Jahren noch auffindbar?

Ja, es wurde in den 1980er Jahren gefunden, aber danach ist es dem Wormser Heimatforscher wieder entschwunden, sodass er später nachforschen musste. Leider war es nicht in Worms, obwohl die Wormser Ruderer immer wieder große Siege errungen haben und froh wären, wenn sie diesen Wormser Pokal auch endgültig gewonnen hätten.

Der Autor sah das schöne Stück bei dem "Mannheimer Ruderverein Amicitia von 1876" in deren Festsaal auf der Fensterbank zum Neckar hin. Als ehemaliger Wormser erkannte er damals sofort den Ursprung und erfreute sich daran. Es war für alle Gäste ein "Hingucker", der sofort an eine ruhmreiche Zeit des Vereins erinnerte. Der Wirt konnte noch erklären, dass dies ein Wanderpokal sei, der nach entsprechenden Erfolgen beim Verein Amicitia bleiben durfte. Im Sockel war ein kleines Schildchen angebracht mit der Schrift "Ehrenpreis der Stadt Worms". Man überließ damals das künstlerisch wertvolle Stück der Öffentlichkeit zur Ansicht und zum Schutz.

 

Aber auf einmal stand dort nichts mehr! - und der Autor war nicht mehr verwundert, denn es war schon immer etwas Reizvolles gewesen. Jetzt wollte der ehemalige Wormser von dem heutigen Schatzmeister des Vereins Herrn Quincke wissen, wo der Wormser Schatz geblieben ist. 

Auf eine E-Mail kam sofort die Aufklärung, als Frau Quincke kurze Zeit später anrief und mitteilte, dass im Vereinszimmer der schöne Wormser Hagen steht und selbstverständlich jederzeit dort fotografiert werden kann.

Es ist verständlich, dass der Wormser Heimatforscher sehr erleichtert war, als er diese Nachricht erhielt. Schließlich hat Wormser Kulturgut zwei Weltkriege überlebt und nach 100 Jahren wird weiterhin bei einem Nachbarverein, das verschollen geglaubte Stück, in Ehren gehalten. Für eine Fotografie brauchte er nur wenige hundert Meter in der Mannheimer Oststadt zu gehen, um festzustellen, dass der kleine Hagen unverrückbar dort tatsächlich steht und innerhalb des vereinseigenen Restaurants im Vereinszimmer fotografiert werden kann.

Der Mannheimer Traditionsverein Amicitia von 1876 wird weiterhin seinen und damit auch den Wormser kleinen Hagen in Ehren halten. Zum Bestaunen ist er dort freigegeben. Bei dieser Gelegenheit kann man von der schönen Neckar-Terrasse den Ruderern zusehen und sich noch kulinarisch verwöhnen lassen.

Lesen Sie zusätzlich die Begebenheit zur Entdeckung des "Kleinen Hagen" aus Sicht des Autors ...hier

Edmund Ritscher, Mannheim Januar 2014