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Der karolingische Münzschatz von Ibersheim

Münzen waren zu allen Zeiten Zahlungsmittel der jeweiligen Herrscher. Heute geben sie uns noch einen guten Einblick in die Geschichte, weil ihr Material die vergangenen Jahrhunderte gut überdauert hat. Nach neuesten Forschungen ist der Ibersheimer Münzschatz einer der vier größten in Europa zur Zeit der Karolinger gewesen.

Karte der bedeutendsten Funde karolingischer Münzschätze; aus: Schulze-Dörrlamm, aus dem Jahrbuch des röm.-germ. Zentralmuseums Mainz von 2010 
Karte der bedeutendsten Funde karolingischer Münzschätze; aus: Schulze-Dörrlamm, aus dem Jahrbuch des röm.-germ. Zentralmuseums Mainz von 2010

Ibersheim an der historischen Wasserstraße Rhein

Die Römer waren auch dafür bekannt, dass sie ein gut ausgebautes und heute noch bekanntes Straßennetz hatten. Nach dieser Zeit wurden die ehemaligen Heerstraßen nicht mehr unterhalten, sodass die Wasserstraße Rhein größere Bedeutung bekam. 

Ibersheim lag günstig in der Mitte des ca. 1200 km langen Rheinstromes. Auf dem gegenüberliegenden rechtsrheinischen Ufer war der Zullestein, die spätere Burg Stein, an der Mündung der Weschnitz. Die dazugehörige Schiffsanlegestelle ist in spätrömischer Zeit errichtet worden, um behauene Steine vom Odenwald (Felsenmeer) bis nach Trier verfrachten zu können.

 

Beschreibungen von drei Wissenschaftlern

Paul Joseph geht auf die vorgefundenen Münzen näher ein und beschreibt bereits in der Einleitung: "Daß in Worms während der Karolingerzeit Geld umlief bedarf keines Beweises; aber welcher Art es war, zeigt am besten ein im Sande am Rheinufer bei dem Dorfe Ibersheim in der Nähe von Worms gehobener kleiner Münzschatz, der durch seine Zusammensetzung am deutlichsten für den Münzverkehr spricht. Er sei daher kurz, hier als Anlage, verzeichnet

Hans Hermannn Völkers beschreibt den "Schatzfund bei Ibersheim": 1880 fand man in Rheinnähe bei Ibersheim den Münzschatz "eines friesischen Kaufmanns, der mit wohl gefüllter Börse nach günstigen Geschäftsabschlüssen in Italien sich auf der Heimfahrt stromab nach Dorestad befunden haben muß." Der Schatz machte etwa 20 karolingische Pfund aus und ist nach 793 vergraben worden. - Dorestadt bei Utrecht war im 7. bis 9. Jahrhundert die bedeutendste Handelssiedlung in den Niederlanden mit einer Prägestätte. -

Mechthild Schulze-Dörrlamm vergleicht die "Gräber mit Münzen Karls des Großen (768-814)" in Europa und stellt dabei die vier größeren Münzschätze heraus, darunter den in Ibersheim: "Das im Sand des Rheinufers bei Ibersheim aufgefundene Skelett mit 30 Denaren Karls des Großen (Nr. 14) dürfte von einem Ertrunkenen stammen, dessen Leiche nie bestattet worden war."

Münzschatz im Museum der Stadt Worms

Den Nibelungenschatz hat man noch nicht gefunden, obwohl er in der Nähe von Worms begraben sein müsste. Der Sage nach, die um 1200 entstanden ist, kennt man weder den genauen Ort noch die ungefähre Zeit der Versenkung. Ersatzweise könnte man sich in Worms vorläufig mit dem Ibersheimer Schatz begnügen, der vor mehr als hundert Jahren in das Museum der Stadt Worms kam.


Literatur

- Paul Joseph: Die Münzen von Worms, nebst einer münzgeschichtlichen Einleitung,
Im Auftrage von W. E. Nebel bearbeitet, Darmstadt 1906, S. 4-5

- Hans Hermann Völkers: Karolingische Münzfunde der Frühzeit (751-800): Schatzfund bei
Ibersheim. Göttingen 1965, S. 110, 186 ff. - nachzulesen in der Wormser Stadtbibliothek

- Mechthild Schulze-Dörrlamm: Gräber mit Münzbeigaben im Karolingerreich, Gräber mit
Münzen Karls des Großen, im Jahrbuch des Römisch-Germanischen Zentralmuseum
Mainz, Band 57, Jahrgang 2010, S. 345-346

Edmund Ritscher, Mannheim - März 2014