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Das jüdische Worms

Worms ist eine Stadt der Religionen. Juden und Christen lebten mit- und nebeneinander, mindestens in Friedenszeiten. Hier gab es alles für den jüdischen Alltag und eine zentrale Lage für den Fernhandel, den man traditionsgemäß gut beherrschte.

Worms eine Stadt als Handelsplatz

Die Juden folgten den römischen Eroberern als Händler, sodass man schon fast die Frage stellen kann, wer war hier zuerst, die Christen oder die Juden. Die Letzteren sind eine Minderheit geblieben und mussten sich in der Gesellschaft eine Nische suchen, um mit ihrem Glauben leben zu können. Mit dem Handel brachten sie es zur Perfektion und waren mobil, was leider oft notwendig war, um schnell aus einer Gefahrenzone wegkommen zu können. 

Land durfte meistens nicht erworben werden und für die Handwerkszünfte wurde man nicht zugelassen. Im Waren- und Geldhandel sind die Juden zu Spezialisten geworden. Wegen ihrer oft marktbeherrschenden Rolle wurden sie dafür angefeindet.

Die zentrale Lage der Stadt Worms an der Wasserstraße Rhein war ideal für den Handel. Es ist bekannt, das es im frühen Mittelalter Fernhandel zwischen Oberitalien über die Alpen rheinabwärts bis zum Handelszentrum nach Dorestad bei Utrecht gab. Diese Route wählten Friesen und Juden. Der bei Ibersheim gefundene karolingische Münzschatz ist ein Beispiel dafür. Die Friesen hatten sich an der nördlichen Stadtmauer von Worms eingerichtet, denen dort später im 11. Jahrhundert die Juden folgten und in diesem Bereich ihren Mittelpunkt einrichteten.

Wormser Kleidung um 1600* 
Wormser Kleidung um 1600*

Worms als Stadt der Religionen und Konfessionen

Das Judentum ist eine etwa 4000 Jahre alte monotheistische Religion auf dem das 2000-jährige Christentum aufbaute und aus dem wiederum vor 500 Jahren sich der Protestantismus abgespalten hatte. 

Worms spielte bei diesen Religionen und Konfessionen eine Rolle. Die Christen, später Katholiken, hatten einen Bischofssitz. Worms ist 1521 mit dem Luther-Reichstag bekannt geworden, der am Anfang der Abspaltung des Protestantismus stand.

Die Juden hatten innerhalb der Wormser Stadtmauer einen eigenen Stadtbezirk (Ghetto) und konnten dort ein eigenständiges Leben nach ihrem Glauben führen mit:
* Judengasse, eigenes Wohngebiet
* Synagoge, für Gottesdienste
* Mikwe, für rituelle Bäder
* Jeschiwa, die Talmudhochschule
* Tanz- und Hochzeitshaus
* Heiliger Sand, der Friedhof außerhalb der Stadtmauer

Die meisten dieser Gebäude zählen heute zu den ältesten ihrer Art in Deutschland.

Wormser jüdische Persönlichkeiten

 
Wormser Juden um die zweite Hälfte des 16. Jahrhunderts * 
Wormser Juden um die zweite Hälfte des 16. Jahrhunderts *

Kennzeichnung zur Ausgrenzung

Verschiedene Herrscher, kirchliche und weltliche, zwangen die Juden zu bestimmten Zeiten ihre Kleider besonders zu kennzeichnen. Damit wollte man die jüdische Minderheit ausgrenzen und kontrollieren. 

Im Mittelalter war es der Gelbe Ring (Judenring), wie es die beiden Originalkopien zeigen. Nach 1935 sind die Juden gezwungen worden, einen Judenstern auf ihrer Kleidung zu tragen. Diese Kennzeichnungen, im Mittelalter wie in der Neuzeit, erlaubten es später, die Juden leichter aufzufinden, um sie grausam verfolgen und ermorden zu können.

Die beiden Original-Kopien, aus der Sammlung des Autors sind entnommen *aus dem Buch des deutschen Trachten- und Brauchtumsforschers Friedrich Hottenroth (1840-1917): Deutsche Volkstrachten vom 16. bis zum 19. Jahrhundert, Der Süden, Frankfurt a. M. 1898/1902, mit Wormser Trachten auf Tafel 7 und 8.

 

Gewalt, Gemeinsamkeiten und Dialog

Nach den gewaltsamen Ausschreitungen (Pogrome) in Deutschland und auch in Worms am 9./10. November 1938 ("Reichskristallnacht") mit anschließendem Völkermord (Holocaust) hat Deutschland schwere Schuld auf sich geladen. In einem interreligiösen Dialog wird seit Jahren versucht, den Unterschieden in Kultur und Religion respektvoll in einem kritischen Meinungsaustausch zu begegnen. Die am meisten fortgeschrittenen Beziehungen bestehen zwischen dem Christentum und dem Judentum, weil auch dort die gemeinsamen Glaubensregeln mit den Zehn Geboten vorhanden sind.

Edmund Ritscher, Mannheim - April 2014