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Das Altloch in Ibersheim

Das Altloch in Ibersheim ist heute ein altes aber landschaftlich reizvolles Wasserloch, das durch einen Dammbruch mit anschließender Ausspülung im Jahr 1798 entstanden ist. Neben dem Altloch gibt es folgerichtig auch noch ein Neuloch in der Ibersheimer Gemarkung und auf der gegenüberliegenden Rheinseite bei Groß-Rohrheim ebenfalls ein Alt- und Neuloch.

Altloch Ibersheim 
Altloch Ibersheim

Der gefährliche Rhein

Die Rheinanlieger mussten früher das Wetter und den Rhein viel besser beobachten als heute, weil sie gegen Hochwässer nicht so hoch geschützt waren. Nach drei Tagen Regenwetter wusste man, wie hoch anschließend der Rhein in der Gemarkung stand. Damals war man als Dorfgemeinschaft oft alleine, denn die Nachbarn waren in der gleichen Notlage.

Am 5. Januar 1823 war der Wasserstand am Wormser Pegel bei 6,22 m. Am 1. November 1824 ist das Neuloch durch ein Hochwasser gerissen worden, mit Wasserstand 6,14 m. Bei dem Hochwasser vom 29. Dezember 1882 bis 5. Januar 1883, mit 8,22 m Wasserstand und anschließenden Dammbrüchen an verschiedenen Stellen, waren große Teile der Umgebung überflutet, in Ibersheim 84 % der Gemarkung.

 

Nach den verheerenden Hochwässern mit Dammbrüchen in Ibersheim von 1798 (Altloch) und 1824 (Neuloch) erließ die Großherzogliche Regierung in Darmstadt am 9. Dezember 1825 die "Verordnung betreffend die Bewachung der Rheindämme bei hohem Wasser" mit Instruktionen für Wasserbaumeister und Dammwärter. Davor wurden nur Dammerhöhungen von den jeweiligen Regierungen vorgenommen.

Dammbruch 1798 und Fast-Dammbruch 1955

Bei dem Dammbruch von 1798 wurde das landseitige Gelände tagelang von auslaufendem Wasser ausgespült, sodass ein sehr tiefes Loch entstand. An der gleichen Stelle ist bei dem Hochwasser Anfang 1955 Wasser am Dammfuß ausgetreten. Diese Schwachstelle konnte damals glücklicherweise schnell, von der Hammer Dammwache, entdeckt werden. (Die Rottenbezirksgrenze war damals am Ibersheimer Haspelpfad, heute auf der Gemarkungsgrenze, mit einem entsprechend großen Sandstein gekennzeichnet.) 

Nach der Meldung erfolgte sofort über zuständige Behörden eine provisorische Dammverstärkung, die mehrere Tage andauerte. Für die Gegend wurde sogar der Notstand ausgerufen. Später ist das Altloch um etwa ein Drittel mit Kies und Sand, von einer abgebaggerten Sandbank bei Hamm, aufgefüllt worden. (Mehr dazu auch im Beitrag "Hochwasser 1955 in Ibersheim und Umgebung"

Viel wurde geschützt und vieles ist noch zu schützen.

Die Bewohner am Rhein haben es heute wesentlich besser als früher, weil sie von den zuständigen Behörden gegen Schnaken und Hochwasser mit hohem Aufwand geschützt werden, teilweise sogar von der Europäischen Union mitfinanziert. Gegen Jahrhunderthochwasser erfolgte zwischen 2003 und 2005 im Bereich Ibersheim eine Verbreiterung und teilweise Verlegung des Rheinhauptdeiches. 

Der landseitige Weg zur Dammverteidigung wird gerne als Radweg genutzt. Für die millionenfache Investition ist man hier sehr dankbar. An verschiedenen Stellen wird man immer wieder an frühere Unglücke und mögliche Gefahren erinnert.

Die örtliche freiwillige Feuerwehr ist gleichzeitig Wasserwehr. Die wenigen Mitglieder aus dieser kleinen Ortsgemeinde sind tagsüber weit weg an ihrem Arbeitsplatz. Feuer und Wasser
wären im Notfall eine Katastrophe. Auch der große historische Ortskern scheint ungeschützt zu sein. Dieses permanente Problem konnte für den Notfall noch nicht gelöst werden, weil auch die Retter weit weg sind, in Worms oder am Arbeitsplatz.

Intaktes Angelgewässer

Das Altloch ist mit Grundwasser gefüllt und schwankt zwischen 1 bis 1,50 m, beeinflusst von den Wasserständen des Rheines. Als mittlere Gewässertiefe kann 15 m angenommen werden. Oberflächenwasser fließt nicht in das Loch, sodass eine Verunreinigung ausgeschlossen werden kann. Ein Graben ist zwischen dem Ort und dem Loch seit ca. 1939 vorhanden. Er wurde damals vom RAD (Reichsarbeitsdienst) Ibersheim ausgeschachtet. Bei der Ausspülung des Loches 1798 wurde ein großer Eichbaum mitgerissen. 

Er liegt ungefähr am heutigen Grabeneinlauf und ist mittlerweile, auch bei Niedrigwasser, nicht mehr zu sehen. In Folge dessen kann im Gewässer nur geangelt werden. Abfischen mit einem Netz ist deshalb kaum möglich.

Die Ufer sind landschaftstypisch mit Pappeln und Weiden bewachsen. Am Wasserrand stehen Rohrkolben und andere Schilfarten. Mittlerweile konnten beim Landesvermessungsamt in Koblenz die Namen Altloch und Neuloch in die offizielle Karte eingetragen werden. Beide Gewässer beleben die oft großflächige und eintönige Landschaft. Damit bleibt uns auch die Vogel- und Pflanzenwelt in ihrer Vielfalt erhalten.

Die Pächter

Das Gewässer gehörte der ehemaligen Ortsgemeinde Ibersheim und heute der Stadt Worms. Pächter des Altlochs war in den 1930er Jahren vor dem Zweiten Weltkrieg Philipp Ritscher (1887-1965), Großvater des Autors. Seine Gaststätte nannte er "Zum Karpfen". Dort hing eingerahmt der bekannte Anglerspruch: "Wer glaubt der Angler sei ein Sünder, weil selten er zur Kirche geht, ein Blick gen Himmel, ist besser als ein falsch' Gebet".
Seit 1948 gilt die Ibersheimer Familie Drieß als leidenschaftliche Anglerfamilie, bestehend aus Georg Drieß (1909-1987), dessen Sohn Reinhold (1934- ) und dessen Sohn Harald (1968- ). Sie sorgten stets für einen entsprechenden Fischbesatz. Heute sind praktisch alle Friedfische im Altloch vorhanden, wie Karpfen, Karauschen, Giebel, Rotaugen, Rotfedern, Brassen, Schleien, Barsche, Sonnenbarsche, Aale und als Raubfische ein Wels und Hechte.
Dieser Beitrag ist den Ibersheimer geschichts- und naturinteressierten Petrijüngern Drieß gewidmet, die über viele Jahrzehnte ständig, tatkräftig und alleine dafür gesorgt haben, dass das Altloch am Ortsrand von Ibersheim nicht nur als Angelgewässer intakt blieb. Sie kümmerten sich gleichzeitig auch dafür, dass die unmittelbare schöne Umgebung ihren landschaftstypischen Charakter beibehielt. Daran erfreuen sich immer wieder die Ibersheimer beim Spazierengehen und die Radler im Vorbeifahren. Für eine kurze Rast lädt sogar ein kleiner Tisch mit Stühlen unter den schattigen Bäumen ein.


Edmund Ritscher, Mannheim - Juli 2014