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Kriegsende in Ibersheim unter Franzosen

Die Deutschen haben einen Krieg begonnen, der letztlich nicht gewonnen werden konnte. Die Amerikaner haben als Alliierte unser Volk von der Diktatur befreit, indem sie gegen unsere Regierung kämpften und dabei das Land zerstörten. Danach wurden wir aber finanziell und materiell unterstützt. Der organisatorische Wiederaufbau mit einer Besatzungszone und mit einem neuen Bundesland Rheinland-Pfalz ist jedoch das Ergebnis der Franzosen.

Stürmische Zeiten mit wichtigen Entscheidungen

Nachdem die Amerikaner unsere Gegend Ende März 1945 erobert hatten, erfolgte die Kapitulation am 8. Mai 1945. In der Berliner Erklärung vom 5. Juni 1945 übernahmen die Siegermächte die oberste Regierungsgewalt. 

Am 13. Juli 1945 übergaben die Amerikaner Teile ihrer eroberten Gebiete an die Franzosen zur Bildung der französischen Besatzungszone ab. 

Dieses Gebiet wurde nach und nach den Deutschen zur Verwaltung übergeben. Am 30. August 1946 ist das Land Rheinland-Pfalz gegründet worden mit einer eigenen Regierung ab dem 1. Dezember 1946.

Sehen Sie eine Landkarte der französischen Besatzungszone

(aus: Der Zweite Weltkrieg in Bildern und Dokumenten, von Hans-Adolf Jacobsen und Hans Dollinger, 3. Band Sieg ohne Frieden 1944-45, Verlag R. Löwit Wiesbaden, Karte auf Seite 262)

 

Im Sommer 1945 bezogen die Franzosen in Baden-Baden ihr Hauptquartier für die Verwaltung der französischen Zone ab dem 31. Juli 1945 mit den wichtigsten Verwaltungen:

  • Oberkommandierende (in Brenners Parkhotel): Pierre Koenig
  • Militärverwaltung mit Geheimdienst und Polizei: Emile Laffon
  • Vertreter im Alliierten Kontrollrat: Louis-Marie Koeltz
  • Befehlshaber der franz. Besatzungsstreitkräfte: Goislard de Monsalbert

Die Verwaltung der Besatzungszone geschah nicht reibungslos zwischen dem Militär und den Zivilisten. Selbst die Grenzen waren am Anfang sehr strittig bis mit den Amerikanern ein Kompromiss gefunden wurde. Die Bevölkerung von Baden-Baden bestand 1946 aus 31.000 Deutschen und 44.000 Franzosen.

Die Amerikaner verteilten gelegentlich noch Kaugummi an die Kinder. Bewusst ließen auch amerikanische Frontsoldaten ihre wasserdichten Essenspakete zurück, die aber nur mit großer Skepsis geöffnet wurden, weil man nicht wusste, was in den Dosen ist. Marodierende ausländische Zivilarbeiter bzw. Fremdarbeiter, die vorher in der Landwirtschaft beschäftigt und noch nicht nachhause transportiert wurden, suchten mit Hochgefühl alles ab, um an Essen zu kommen. Die Deutschen konnten, in dieser recht unsicheren Zeit, denen nur aus dem Wege gehen.

Die französischen Besatzer hatten in ihrem eigenen Land fast die gleichen Probleme zu lösen wie hier in ihrer Zone. Das Land war zerstört, die Wirtschaft lag danieder und der Bevölkerung fehlte es am Nötigsten. Innerhalb dieser Zone gab es nur vier große Städte: Koblenz, Kaiserslautern, Mainz und Ludwigshafen. Die französische Militärregierung hatte am 16. Juli 1945 sogar angeordnet, dass die offizielle Sprache das Französische ist. Offizieller Schriftwechsel ohne Übersetzung wurde wieder an den Absender zurückgeschickt. Zur Entmilitarisierung, Entnazifizierung und dem Demokratisierungsprozess kam noch die die Demontage hinzu.

Dort wo man sich als Gemeinschaft stark genug fühlte, konnte man sich mit großem Risiko widersetzen. Der Autor erinnert sich an eine Versammlung bei der Heinrich Ries (Ortsvorsteher der Nördlichen Innenstadt in Ludwigshafen von 1960 bis 1989) eindringlich die damalige Situation bei der BASF schilderte: Die Franzosen wollten die wertvollen Maschinen demontieren und nach Frankreich transportieren. Dann setzten sich Familienväter darauf und mussten in die Maschinengewehre sehen, denn letztlich wollten sie nur ihre Arbeitsplätze erhalten, damit sie ihre Familien ernähren konnten. (Dabei blieb kein Auge trocken.) Dies waren wieder Anfänge der Gewerkschaftsbewegung und endlich gab es auch wieder halbwegs einen Post- und Zugverkehr.

Wie war der Alltag unter Franzosen?

Ein großes Problem war die Wohnraumnot und die Beseitigung des Trümmerschuttes in den Städten. Am Anfang standen nur einfache Werkzeuge zur Verfügung bis endlich Gleise in den Straßen verlegt werden konnten, um mit Loren das nicht mehr Brauchbare abtransportieren zu können.

Schulspeisung wurde in der Französischen Zone ab Mai 1949 eingeführt, in den anderen Zonen schon zwei Jahre früher. In Ibersheim konnte Frau Harder dafür gewonnen werden, aus dem angelieferten Material, den Kindern eine warme Mittagsmahlzeit bei der Schule zu kochen, Gefäße und Löffel waren mitzubringen. Parallel dazu hatte, Landwirt und erster Bürgermeister nach dem Krieg, Johann Heinrich Schäfer sen. in Eigeninitiative ein größeres Mittagessen von seiner Frau anrichten lassen, damit besonders die ausgebombten Wormser Bewohner im RAD-Lager, sich davon etwas abholen konnten.

Die wirtschaftliche Situation in der amerikanischen Zone, auf der anderen Rheinseite, war viel besser. Dort erhielt man sogar "weißes Mehl", wovon man auf unserer Seite nur träumen konnte. (Heimatjahrbuch für die Stadt Worms 2010, Beitrag Edmund Ritscher: Normales Mehl gab's drüben, S. 52 -55) 

Ein Überwechseln in die andere Zone war nur mit Passierschein auf einer Schiffsfähre in Worms möglich. Den Autor hatte man damals mit einem kleinen Rucksack auf die andere Seite geschickt, damit er sich bei seiner Großmutter für einige Zeit "wieder satt essen" konnte.

Wie war der Schulbeginn in Worms?

Bei der Anmeldung zum Schulbeginn 1950 an der Oberrealschule in Worms hatte der Autor Schwierigkeiten. Weil sein Vater erst 1948 aus dem Krieg zurückkam, war er mittlerweile zu alt für einen Start an dieser Schule. Es musste eine Sondergenehmigung bei dem damaligen Kultusministerium in Mainz eingeholt werden.

Oberstudiendirektor Wilhelm Armbruster übernahm diese Hürde, weil auch gerade ein Ritscher-Verwandter aus Osthofen das beste Abitur abgelegt hatte. Danach konnten vier Ibersheimer Schüler, mit Dieter Grüning Wolfgang Kunz und Manfred Schönmehl, jeden Morgen mit der Altrheinbahn nach Worms zur Schule fahren. Das Ganze war nicht nur für die Schüler anstrengend, sondern auch für die Eltern, weil neben der entsprechenden Kleidung noch Schulgeld gezahlt werden musste. Dies konnte bei guten Leistungen ganz oder teilweise erlassen werden. 

Die Schulverwaltung achtete streng auf den Zahlungseingang. Wenn in den ersten Tagen eines Monats noch kein Geld vorhanden war, wurde man aus den Klassen herausgerufen und ermahnt. Mit den damaligen "Bildungsmaßnahmen", von den aus dem Krieg zurückgekehrten Pädagogen und unter dem späteren Direktor, der Klassenlehrer war, sind Vergleiche zur heutigen Zeit kaum möglich, weil man später merkte, dass man oft unter Soldaten lernen musste.

Wie lange dauerte die Besatzung?

Mit dem Grundgesetz vom 23.5.1949 hat der Parlamentarische Rat eine vorläufige Verfassung für eine rechtliche und politische Grundordnung geschaffen. Die volle Souveränität erlangte die Bundesrepublik aber erst mit dem Deutschlandvertrag, der zwar am 26. Mai 1952 geschlossen, aber erst mit Nachverhandlungen in abgeänderter Version in Kraft treten konnte. 

Am 5. Mai 1955 trat der Deutschlandvertrag in Kraft, nach dem das Besatzungsstatut aufgehoben und die Alliierte Hohe Kommission aufgelöst wurde. Voraussetzung war der Beitritt der Bundesrepublik zur NATO und eine vertrauenswürdige Partnerschaft mit den Westalliierten zur Zeit des Kalten Krieges. Kontrollrechte bestanden jedoch bis zur Verabschiedung der Notstandsgesetze 1968 und bis zur Wiedervereinigung 1990.

Bis dahin übten die Amerikaner in Abständen von wenigen Jahren die Rheinübergänge in unserer Gegend, besonders nördlich von Hamm auf den Rheinwiesen. Dabei gab es zum Teil erhebliche Manöverschäden mit den Kettenfahrzeugen. In Straßenkurven war manche Fahrbahndecke nur noch zu Fuß zu überqueren. Später errichtete man NATO-Rampen (straßenartige Zufahrten beiderseits des Rheins für Amphibienfahrzeuge) in unserer Gegend bei Rheindürkheim und zwischen Hamm und Gernsheim.

Alles Erlebte ist eine Lehre für das spätere Leben. Aus den Erfahrungen durch bestimmte Ereignisse entsteht eine Lebenserfahrung, die man anderen aber gerne ersparen möchte.

Edmund Ritscher, Mannheim - November 2014

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