Zum Inhalt (Access key c)Zur Hauptnavigation (Access key h)Zur Unternavigation (Access key u)
Schriftvergrößerung
AAA

Die rheinhessischen Familien Ritscher

Seit 400 Jahren gibt es Ritscher im Wormser Altrheingebiet. Aus dieser Urzelle haben sich im Laufe der Zeit verschiedene Familien innerhalb von Rheinhessen verteilt.

Ritscher-Familien gibt es in ganz Deutschland

Die meisten Ritscher-Familien in Deutschland findet man in und um Hamburg. Nördlich davon im Marschgebiet "Alte Land" sind die Ortsteile von Drochtersen, Ritsch und Ritschermoor, gelegen. 

Ein weiteres Verbreitungsgebiet ist in der Gegend um die Wormser Partnerstadt Bautzen, in der Lausitz gelegen. Sogar in der Antarktis ist ein "Ritscherhochland", benannt nach Alfred Ritscher, dem Kapitän der Antarktis-Expedition von 1938/39. 

Dieses Gebiet mit dem "Ritschergipfel" von 2791 m liegt im Neuschwabenland innerhalb des Königin-Maud-Landes.

 

Die Entstehung und Verteilung des Familiennamens

Der Familienname Ritscher ist entstanden aus dem männlichen Rufnamen Richard. Die zwei Bestandteile, "rich" (für reich) und "hart" (für beständig), sind germanisch-altdeutschen Ursprungs. 

Wer Richard englisch ausspricht und das ausgesprochene t in der Schrift weglässt, hat sofort eine Erklärung für die sprachliche Entwicklung. Dazu gehört aber noch eine geografische. Der Name war im west- und südgermanischen Raum gebräuchlich und kam durch Wanderungsbewegungen der Normannen auf die britische Insel und von dort, jetzt Englisch ausgesprochen, wieder auf den Kontinent zum Tor der Welt Hamburg. 

Eine weitere Verteilung ist rheinaufwärts bis Rheinhessen und elbeaufwärts bis in die Lausitz vorstellbar, wozu auch mancher Krieg verantwortlich geworden ist. Der Familienname Ritscher kommt allgemein auch in leichter Abwandlung mit zwei tt oder einem t am Schluss vor. Endgültig vorgeschrieben wurden Familiennamen aber erst in Napoleonischer Zeit 1808, was vor allem die Juden betraf.

Die Ritscher-Familien aus dem Wormser Altrheingebiet

Die ältesten rheinhessischen Ritscher sind nachweisbar bereits seit 1600 im Wormser Altrheingebiet belegt. Ältere schriftliche Quellen, die über den 30-jährigen Krieg hinausgehen, kommen allgemein bei bürgerlichen Geschlechtern kaum vor. Der älteste Heimatort ist Hamm am Rhein. 

Von diesem Ort kamen Verbindungen zum Nachbarort Eich (Rheinhessen) ab ca. 1850 durch Heirat zustande. Danach erfolgte eine weitere Verteilung in die nähere und weitere Umgebung entlang des Rheines von Worms bis Mainz.

Der älteste bekannte Namengeber ist Hanß Ritscher (* um 1600, + 1653), Gerichts- und Gemeindsmann in Hamm und heiratete vor 1627 Elisabeth. Deren Sohn Hanß Jakob Ritscher (* 1627, + 27.2.1687 Hamm) war Akziser (Steuereinnehmer), Gerichts- und Gemeindsmann und wurde für 1659 zum Almosenpfleger der reformierten Kirche gewählt. - Spätere Ritscher-Familien, sind der beigefügten Stammreihe zu entnehmen. (folgt in Kürze)

Für Nachforschungen hatte der Eicher Altbürgermeister Günter Reich das "Eicher Familienbuch", eine Dokumentation über 250 Jahre, in zwei Bänden 2009 herausgegeben. Diese umfangreiche Arbeit wurde von Claudia Kester, geborene Ritscher, in eine ansprechende Schriftform gebracht, sodass damit heute bequem weitere Informationen eingeholt werden können.

Zuwanderer verheirateten sich mit einheimischen Ritscher-Familien

Nach dem 30-jährigen Krieg (1618-1648), mit seinen schrecklichen Verlusten, musste der zurückgekehrte pfälzische Kurfürst Karl Ludwig (1617-1680) sein Land so schnell wie möglich wieder aufbauen. Dazu brauchte er dringend Siedler und forderte dazu seine geflohenen Landsleute zur Rückkehr auf. 

Am 4.8.1664 erließ er die "Mennistenkonzession" mit der Zulassung von Wiedertäufern bzw. Mennoniten. Auch 1697 verfasste Kurfürst Johann Wilhelm (1658-1716) eine Proklamation, in der er nach dem Pfälzischen Erbfolgekrieg (1688-1697) zur Rückkehr aufforderte.

- aus der Schweiz

Am 8. August 1671 heirateten in Hamm Hanß Jacob Ritscher (1627 - 27.2.1687) und Anna Barbara Weber (* 17.3.1644) aus Bäretswil im Zürcher Hochland, Tochter des Heinrich Weber (7.1.1621 Hirzel, Horgen - 16.10.1696 Bäretswil). Auch einer der beiden Brüder von Anna Barbara war Jakob, Jagli genannt, Knecht auf dem Ibersheimer Hof. Er ließ sich am 21.4.1671 mennonitisch taufen. 

Dafür musste eine hohe Strafe von 100 Reichstalern für Ausbesserungen an der damaligen reformierten Kirche in Ibersheim gezahlt werden. (Adolf Trieb: Ibersheim am Rhein, 1911, S. 70)

1661 kam die Familie des Ulrich Hagmann (1634-1684) aus Eidberg, heute Stadtteil von Winterthur, mit anderen Schweizer Familien als Erbpächter nach Ibersheim. Dort auf dem Grundstück Nr. 15, heute Hammer Str. 7, außerhalb der nördlichen Ortsbefestigung, errichtete um 1840 Jakob Hackmann (1810-1902), ein Nachfahre der ehemaligen Einwanderer, mit seiner Ehefrau Christina Großkopf (1809-1897), ein Haus. 

Ihre Tochter Maria (1836-1910), verheiratet mit Christian Groll (1835-1904), war die Erbin und danach die nächste Groll-Generation. 1915 übernahmen Philipp Ritscher und Helene Früauff, eine Urenkelin des ersten Erbauers, das Haus. Nach einer Aufstockung 1929 wurde dort 1930 eine Gaststätte mit Nebenzimmer eingerichtet. Der Name "Zum Karpfen" rührte von dem gepachteten Angelgewässer "Altloch" her. 

Mit Pferdefuhrwerken wurden das Bier von der Germania-Brauerei in Wiesbaden und die Limonade "Dofrula" von Georg Donnerstag in Groß-Rohrheim geliefert. Der Wein kam von der Familie Kurt Spindler aus Mölsheim, die Verwandte in Ibersheim hatten.

Mit Philipp Ritscher kam der erste Namensvertreter von Eich nach Ibersheim und heiratete dort 1910 Helene Früauff aus Gimbsheim. Beide Familien gelten im Altrheingebiet als alteingesessen. Die Ritscher sind seit 1600 urkundlich im Kirchenbuch von Hamm belegt. Die Früauff sind noch älter, wie Dr. Werner Grimm, Mainz feststellen konnte. In Bechtheim fand er eine Huldigungliste der Leininger von 1586. Im dortigen Morgenbuch von 1600 werden die Gimbsheimer Vorfahren genannt: Peter Friuff/Früauff 1603, Christoph 1657 und Hans Nicolaus 1669.

- aus dem Gelderland

Bis zum 30-jährigen Krieg hatte die kurpfälzische Hofkammer in Alzey einen Verwalter für den Ibersheimer Hof eingesetzt, der im Schloss wohnte. Der jeweilige Landesherr residierte bis zur Zerstörung 1689 im Heidelberger Schloss und ab 1731 im neu erbauten Mannheimer Schloss. Henric van Mauderick war der erste Pächter des Hofes nach der kurpfälzischen Selbstverwaltung. 

Er wurde um 1615 im Gelderland geboren. Im Hammer Kirchenbuch beschreibt man ihn als "ein Edelmann, der wohledle, gestrenge und ehrenfeste Herr Henricius von Mauderich, gebürtig aus dem Dorfe Mauderich in der Niederbettau im Gelderland." Im März 1652 heiratete er, im heutigen Maurik, Geertruida (Gertrud) Lintius. Danach begaben sich beide nach Ibersheim und übernahmen als Pächter das kurpfälzische Hofgut. Ihre Tochter Marie wurde im Oktober 1656 dort geboren und getauft. (Adolf Trieb: Ibersheim als Wohnsitz von Niederländern, 1912, S. 34) -

Nachdem Heinrich von Mauderich die Erwartungen des Landesherrn in dem verwüsteten Land nicht voll erfüllen konnte und er sich noch zusätzliche Einnahmen mit einer illegalen Zollstelle am Rhein, mit den Bewohnern der Burg Stein, verschaffte, musste er als Raubritter seinen Schweizer Nachfolgern weichen.

Am 12. September 1701 heirateten in Hamm Johann Veltin Knippenberger (9.1.1670 Hamm - 8.1.1712 Hamm) und Anna Clara Ritscher (18.12.1681 Hamm - 12.9.1701 Hamm). Die Familie Knippenberger kam ursprünglich aus dem Gelderland und nannte sich dort van der Knippenborgh. Cornelius Knippenburck ist um 1600 in den heutigen Niederlanden geboren und am 20. Mai 1661 in Hamm gestorben. 100 Jahre später heirateten am 11. März 1801 in Hamm wieder zwei Personen aus diesen beiden Familien: Jacob Joh. Adam Knippenberger (11.4.1779 - 23.5.1858) und Justina Ritscher (5.1.1779 - 27.9.1836).

Das Familienwappen Ritscher

Aus den bekannten Wappenbüchern von J. Siebmacher sind Wappen von bürgerlichen Familien Ritscher aus Hamburg, Lübeck und Riga bekannt. Der Autor konnte aber eines dieser Wappen nicht für sich verwenden, weil klare verwandtschaftliche Zusammenhänge dazu notwendig gewesen wären. Er hat deshalb ein eigenes neues Familienwappen gestiftet.

 

Das neue Familien-Wappen ist im Wappenschild zweigeteilt. Als Symbol für die Altrheiner Heimat ist ein Fisch in der oberen Hälfte. Hamm hat drei Hechte im Ortswappen und Eich ebenfalls einen Fisch. Die Ibersheimer Ritscher-Familie hat ein Karpfen im Wappen. 

Der erste Ritscher in Ibersheim Philipp Ritscher, verheiratet mit Magdalene (Helene) Früauff, war Angler und hatte dazu das "Altloch" als Angelgewässer gepachtet. Seine Gaststätte nannte er deshalb "Zum Karpfen". Im unteren Teil des Wappenschildes ist die Tätigkeit der Vorfahren mit drei gelben Scheiben, als Symbol für Münzgeld enthalten. - Die verschiedenen Beschäftigungen mit Geld können der beigefügten Stammreihe entnommen werden.

Die Wappenbeschreibung, in der Heraldik Blasonierung genannt, ist folgende: Gold über Rot geteilt, oben ein roter Karpfen, unten drei goldene Scheiben. Auf dem rot-golden bewulsteten Helm mit gleichen Decken, rechts ein rot beringtes goldenes und links ein golden beringtes rotes Büffelhorn.

Für die Wappenerstellung, nach den heraldischen Regeln, waren verschiedene Fachleute notwendig, damit letztlich eine Eintragung in eine Wappenrolle möglich war:

Heraldik: Frieder Boss, Dipl.-Archivar (FH) im Hessischen Staatsarchiv Darmstadt, 64331 Weiterstadt

Genealogie: Anneliese Mischewski, Dipl.-Archivarin (FH) im Hessischen Hauptstaatsarchiv Wiesbaden, 67294 Ilbesheim

Zeichnung: Dieter Schäfer, Heraldiker, 61194 Niddatal-Assenheim

Eintragung: "Hessische Wappenrolle", Nr. 759, Darmstadt, 12. Febr. 2003.

Veröffentlicht: "Hessische Familienkunde", Zeitschrift, Band 26, Heft 4, Dezember 2002;
"Hessische Wappenrolle 1960-2010", geführt von Hermann Knodt und
Frieder Boss, Buch im Verlag Degener & Co., 91610 Insingen, 2014

Die vielen Ritscher-Familien heute

Die vielen Personen mit dem Familiennamen Ritscher und deren verwandtschaftlichen Zusammenhänge können, nach 400 Jahren, nur noch grafisch auf einem großen breiten Band mit ca. 3 x 0,8 Meter dargestellt werden. 

Dies erfolgte erstmalig zum 75. Geburtstag des Autors und Wappenstifters am 6. und 7. April 2013 in Augsburg und im Juni darauf bei einem Vortrag unter Familienforschern in Worms.

Das Stammhaus Ritscher in Ibersheim, um 1840 erbaut und seit 1910 von den ersten Ritscher bewohnt, ist als Wohn- und Geschäftshauses 2001 verkauft worden. Heute lebt keine Ritscher-Familie mehr in Ibersheim. 

Die Nachfahren haben sich, beruflich bedingt, in Deutschland verstreut über Berlin, Dresden, Bad Homburg, Augsburg und Mannheim.

Sehen Sie die Stammfolge der Familie Ritscher in einer Übersicht.

Edmund Ritscher, Mannheim - Oktober 2014

Diese Webseite verwendet Cookies. Durch die Nutzung der Webseite stimmen Sie der Verwendung von Cookies zu. Datenschutzinformationen