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Der Wunderheiler Wormser

Im uralten Worms waren zur Zeit der Römer eher Juden als Christen beheimatet. Vor dem 30-jährigen Krieg bestand die jüdische Gemeinde Worms aus 1400 Seelen, nach Frankfurt mit 2000. Die Synagoge und der jüdische Friedhof haben Kriege und Pogrome überstanden und sind heute jüdische Kulturgüter ersten Ranges.

Grabstätte des Seckel Löb Wormser im hessischen Michelstadt. Foto: wikipedia.de 
Grabstätte des Seckel Löb Wormser im hessischen Michelstadt. Foto: wikipedia.de

und seine Verwandten

Der jüdische Familienname Wormser ist hier entstanden, blieb über Jahrhunderte im Mannesstamm verschiedener Familien erhalten und trägt ihn heute mit dem Namen der Stadt Worms in alle Welt.

 

Wie entstand der jüdische Familienname?

Die Juden kamen früher mit einem jiddischen Rufnamen und zusätzlichem Hausnamen aus. Erst Napoleon verpflichtete jeden, statt des Rufnamens, einen festen und vererbbaren Familiennamen für die Behördenverzeichnisse und für die Erhaltung der Bürgerrechte zu tragen. 

Gegen eine "Gebühr" konnten Juden sich ihren Namen auswählen. Deshalb sind heute die schönsten wohlklingenden Familiennamen jüdischen Ursprungs. Wer damals nicht genug Geld hatte, um sich einen schönen und wohlklingenden Familiennamen zu "kaufen", dem wurde ein Name "zugeteilt". Damit war man dem christlichen Schreiber und seiner etwaigen Böswilligkeit ausgeliefert. 

Auch das kann man heute noch erkennen. Beispiele sollten hier nicht genannt werden. Sie waren aber für die Nachkommen ein furchtbares Erbe, denn ab dieser Zeit konnten die Eltern ihren Kindern nur noch einen Vornamen geben, den man im Englischen "givenname" (Vor-, Ruf- oder Taufname) nennt.


Wie verteilten sich die Familien mit dem Namen Wormser aus Worms?

Wormser ist ein jüdischer Familienname, den man sich ursprünglich als Beinamen und als Erklärung für seine Herkunft gab. In den Wirren des 30-jährigen Krieges, waren viele "Wormser" gezwungen aus Worms zu Verwandten in das Elsass, an die Bergstraße oder in den Odenwald zu fliehen. Mit ihrer Religion und als Händler blieben sie jedoch immer miteinander verbunden. Die Darstellung der nachfolgenden Linien soll einen Hinweis auf die weite Verzweigung geben mit der gemeinsamen Heimat Worms.


Die Elsässer Wormser

Jacob Wormser wurde erstmals 1448 in Straßburg als Ammeister gewählt und war einer der sechs obersten Ratspersonen mit der höchsten Gewalt in der Stadt. Für 1453 und 1460 ist seine Wiederwahl bekannt. Weitere Wormser sind später als Stättmeister (Bürgermeister) gewählt worden: Jacob Wormser 1509 und 1515, Bernhardt Wormser 1530.

Max Mordechai Wormser (* 1590 Worms) war Armeelieferant, Vorsteher und Fürsprecher der Juden in Breisach, war zweimal verheiratet und soll mindestens vier Söhne gehabt haben:
* Heymann, einer davon, kam um 1638 nach Alt-Breisach. 1650 erhielt er einen Schutzbrief
und war, wie sein Vater, dort Vorsteher und Fürsprecher der jüdischen Gemeinde.

** Die nächste Generation ist mit Max Wormser jun. (* 1652) dort bekannt. Er ist um 1658 in Breisach geboren, war zwischen 1698 und November 1709 in Colmar.

"Scheine", die "Schöne", war die Tochter von Max Wormser. Sie ist 1749 gestorben und wurde in Mackenheim, Elsass, beerdigt. Ihre Töchter mit David Lehmann Günzburger waren:

* Magdalena Günzburger, um 1725-1805, verh. mit Seligmann Israel Geismar, 1720-1779

** Bela Barbara Babette Geismar (1760-27.6.1830 Alt-Breisach).

* Gitel, die Gute, Günzburger, (1732-19.6.1810), verh. mit Josef Blum Hirsch, deren Sohn

** Jehuda Josef Lukas Blum (um 1755-31.12.1804 Alt-Breisach)


Die Fränkische Linie Wormser

Eine lange Stammreihe ist leider ohne Daten bekannt:
Josef Wormser, Matiyahu Wormser, Schlomo Wormser, Gütlin Wormser, Reisel/Reislin Wormser, Josel/Josef Wormser, Moshe Wormser, Eliyahu Elia Wormser, Yehuda Josef Wormser, Seckel Yitzchak Wormser, Menachem Mendel Wormser, Isaak Sckein Wormser
Juda Löb Michelstadt, + 1750, mit Sohn

* Schlomo Salman Wormser, + 1807 Fulda, verh. mit Zerle Adler, (danach II. Ehe mit Isaak Seckel Wormser), + 1832, Tochter von Nathan Adler und Kela 

Isaak Seckel Wormser, + 1839 Fulda, verh. mit Zerle Adler (II. Ehe), + 1832, deren Tochter:
* Kela Wormser, 1804 Fulda - 1881 Würzburg, verh. mit Yitzchak Halevi Bamberger, Sohn:
** Rabbi Moses Löb Bamberger, 12.4.1838 Wiesenbronn - 29.9.1899 Bad Kissingen


Die Bergsträßer Linie Wormser

Jehoshua Emrich war der erste Jude, der sich während des 30-jährigen Krieges in Hemsbach ansiedelte und einen Schutzbrief 1670 und 1677 erhielt. Er hatte zwei Söhne:
1. Isaac Emrich, 1637 - 1720
2. Josef Emrich, 1647 - 1722, verh. mit Gitele
2.1 Feiss Emrich, 1684 - 1747, Untereinnehmer in Hemsbach, verh. mit Zippora
2.1.1 Josel Emrich, + 1794 Hemsbach, verh. mit Hebele
2.1.1.1 Feiss Emrich, 1754 - 1823 Hemsbach, verh. mit Bräunle Schriesheim, +1823
Hemsbach, Tochter von Moses Emrich und Zerle. 5 Kinder von Feiss und Bräunle:
a. Moses Emrich, * 1786, verh. mit Esther Breidenbach, deren fünf Kinder:
- Braunle Emrich
- Hannah Emrich, 1828 - 1911 Cleveland, Ohio, verh. mit Isaac Wormser, 1826 - 1894,
Sohn aus II. Ehe von Seckel Löb Wormser, Michelstadt
- Ferdinand Feiss Emrich
- Amalia Emrich
- Moses Emrich
b. Liebmann Emrich, 1792 - 1861 Hemsbach, verh. mit Babette Oppenheimer, * 1799,
Tochter von Hertz Oppenheimer, 1759-1842 und Rebekka. Babette hatte fünf Kinder:
Joseph, Regina, Feiss, Isaak, Moses Emrich
c. Zipera Emrich, * 1795, deren Tochter Sara, * 1829
d. Abraham Emrich, * 1801, verh. mit Minna Stern, deren zwei Söhne:
Feiss und Isaack Aron Isodor Emrich
e. Sara Emrich, * 1804


Die Familie des Wunderrabbi Wormser

Einer der bekanntesten Juden mit dem Familiennamen Wormser ist Seckel Löb Mattes Wormser. Er lebte vor ca. 200 Jahren und gilt heute bei orthodoxen Juden als Wunderrabbi. Deshalb ist sein Grab in Michelstadt im Odenwald ein Wallfahrtsort.

Seckel Löb Mattes Wormser ist 1768 in Michelstadt im Odenwald geboren. Seine Eltern sind nicht genau bekannt. Er war Rabbiner und Gelehrter, wohnte in der Erbacher Str. 12 und hatte aus zwei Ehen insgesamt 15 Kinder, von denen 9 bekannt sind. Die Einzelheiten sind den beigefügten Ahnentafeln des Autors zu entnehmen. Wegen der Übersichtlichkeit sind jedoch nur wenige Generationen ausgedruckt worden.

Außer den hier genannten gibt es noch weitere bekannte Wormser:
* Moritz (Moshe) Wormser (1867-1940) war praktischer Arzt in Karlsruhe, sein Vater Jacob Wormser (1836-1874) und sein Großvater Baruch Hayum Wormser (1809-1872).

Quellen:
* Straßburgische Chronick oder kurze Beschreibung, Straßburg bey Johann Carolo 1625
* Max Levy: Die Geschichte der Wormser jüdischen Gemeinde, Worms 1911
* Hans Riebsamen: FAZ Rhein-Main: Ein Wunderrabbi für alle Fälle, 30.01.2005
* Karl Erich Grötzinger: Der Ba'al Schem von Michelstadt, Campus 2010, ISBN-10
3593392828, ISBN-13 978-3593392820
* Katharina Schmidt-Hirschfelder: Deutschlandradio Kultur: Deutschlands letzter jüdischer
Wunderheiler, 14.01.2011
* Darmstädter Echo Online:
** Pilgerschar am Grab des Baal Schem, 14.09.2010
** Reinhard Köthe: Hunderte Gläubige aus aller Welt strömen auf jüdischen Friedhof,
21.09.2012
* Südwest Presse online-Dienste: Ein jüdischer Gelehrter in Michelstadt, 06.06.2013
* Wikipedia:
** Seckel Löb Wormser
** Moritz Wormser
** Oliver Wormser (franz. Wikipedia)


Edmund Ritscher, Mannheim - Januar 2015