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St. Martin – Die Kirche und ihr Patron

Jedes Kind kennt die Geschichte vom heiligen Mann, der seinen Mantel mit einem frierenden Bettler teilte. Noch heute erinnern Laternenumzüge und das traditionelle Martinsgans-Essen an ihn. An Worms hatte der echte St. Martin wohl eher unschöne Erinnerungen: Dort wo heute die Martinskirche steht, soll er im Kerker einer Basilika eingesperrt gewesen sein.

St. Martin teilt seinen Mantel mit dem armen Bettler
St. Martin teilt seinen Mantel mit dem armen Bettler

Die Legende um den heiligen Martin

Um das Jahr 338 war Martin als Soldat in Amiens stationiert und zwar in der Reiterei der Kaiserlichen Garde. Sie trugen Metallpanzer, Kammhelm, Schild, Schwert und über allem die Chlamys, einen weißen Überwurf aus zwei Teilen im oberen Bereich mit Schaffell gefüttert (der besagte Mantel).

An einem Tag im Winter begegnete Martin am Stadttor von Amiens einem armen, unbekleideten Mann. Außer seinen Waffen und seinem Militärmantel (damals kaum mehr als eine rechteckige Decke) trug Martin nichts bei sich. In einer barmherzigen Tat teilte er seinen Mantel mit dem Schwert und gab eine Hälfte dem Armen.

In der folgenden Nacht sei ihm dann im Traum Christus erschienen, bekleidet mit dem halben Mantel, den Martin dem Bettler gegeben hatte.

Was hat es mit Martinsgans und Laternen auf sich?

Eine weitere Legende besagt, dass Martin im Jahr 371 in der Stadt Tours von den Einwohnern zum Bischof ernannt werden sollte. Da er aber andere Pläne hatte, versteckte er sich in einem Gänsestall. Die Bürger von Tours suchten ihn mit Laternen und manche stimmten wohl Lieder an. Daher gibt es auch heute noch die Laternenzüge.

Die aufgeregt schnatternden Gänse verrieten aber seine Anwesenheit im Gänsestall und er musste das Bischofsamt annehmen

 
 
 
 
Die Martinskirche in Worms steht an der Stelle, an der St. Martin in einem Kerker eingesperrt gewesen sein soll 
Die Martinskirche in Worms steht an der Stelle, an der St. Martin in einem Kerker eingesperrt gewesen sein soll

Heiliger Martin in Worms eingekerkert

Die Martinskirche in Worms war die Stiftskirche des Martinsstifts, dessen Bauten fast völlig verschwunden sind. Sie ist eine dreischiffige, querhauslose Pfeilerbasilika mit geradem Chorabschluss. In ihr zu finden sind Bauformen des 12. bis 15. Jahrhunderts. Sie ist Grablege der Familie Kämmerer von Worms, genannt von Dalberg, deren Besitztümer in der heutigen Kämmererstraße im Umfeld der Kirche lagen.

In der Basilika in Worms soll sich ein Kerker befunden haben, in dem der heilige Martin im Jahre 357 eingekerkert wurde, weil er gegenüber Kaiser Julian den Kriegsdienst verweigert hatte.

In die Zeit Bischof Burchards (1000–1025) fällt auch vermutlich die Gründung St. Martins als zweites Stift. Möglicherweise wurde die Kirche schon früher, um 900 gegründet.

 

Martinstag am 11.11.

Am am 8. November 397 starb Martin, zu diesem Zeitpunkt Bischof von Tours. Am 11.11. wurde er beigesetzt. An diesem Tag findet daher traditionell jedes Jahr ihm zu Ehren das Martinsfest mit Laternenumzügen und Martinsgans-Essen statt.

In Worms-Hochheim wird das Martinsfest alljährlich mit Martinsfeuer und Martinsspiel im Pfrimmpark gefeiert.

Linktipp

Tolle Geschichten, Martinslieder, Laternenbasteln und vieles mehr rund um St. Martin finden Sie unter
www.martin-von-tours.de

St. Martins Zeit in Worms

Nachdem die Germanen erneut in Gallien einfielen, zogen die Römer am Rhein ein Heer zusammen. Im Heerlager bei Worms kam es zu der entscheidenden Begegnung zwischen dem christlichen Gardeoffizier und Kaiser Julian, dem die Geschichte den Beinamen „Apostata“ (d. h. der Abtrünnige) gegeben hat, weil er selbst das Christentum ablehnte und es auch seinen Soldaten abspenstig zu machen suchte.

Wie in jenen Zeiten üblich rief der Imperator vor dem Kampfeinsatz seine Soldaten einzeln zu sich, um ihnen das „donativum“, eine Prämie, zu übergeben.

Als Martin aufgerufen wurde, nahm er kurzentschlossen diese Gelegenheit wahr, um seine Entlassung aus dem Militär zu erbitten. Weil er sich als Christ nicht berechtigt sah, mit der Waffe zu kämpfen und Blut zu vergießen, wollte er folgerichtig auch keine Prämie annehmen. Deshalb sprach er zum Kaiser: „Bis heute habe ich Dir als Soldat gedient; erlaube, dass ich in Zukunft für Gott streite. Deine Prämie möge annehmen, wer kämpfen will. Ich bin ein Soldat Christi. Mir ist es nicht erlaubt, mit der Waffe zu kämpfen.“

Der Kaiser erzürnte wegen dieser Rede und herrschte Martin an: „Aus Furcht vor der Schlacht verweigerst du den Dienst, aber nicht aus religiösen Gründen!“ Martin aber erwiderte unerschrocken und bestimmt: „Wenn man meine Haltung der Feigheit, nicht aber der Glaubenstreue zuschreibt, werde ich morgen unbewaffnet vor die Schlachtreihe treten, und im Namen des Herrn Jesus werde ich unter dem Schutz des Kreuzes, ohne Schild und Helm, sicher durch die Reihen der Feinde gehen.“

Der Kaiser ließ ihn gefangen nehmen. Er soll in einem Kerker in Worms, der sich in der Basilika des Martinsstifts befunden haben soll, inhaftiert gewesen sein, um ihn am folgenden Tag den Feinden gegenüber zu stellen. Ehe es jedoch dazu kam, sandten die Germanen eine Botschaft und ergaben sich dem Kaiser.

(Quelle: www.martin-von-tours.de © Dr.theol. Manfred Becker-Huberti, Köln)

 
 
 

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