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Wormser Ratsherrenfamilien

Der Wormser Stadtrat hat heute 52 Mitglieder. Diese werden bei den Kommunalwahlen direkt von den Bürgerinnen und Bürgern gewählt. Das war nicht immer so: Wie sich der Stadtrat vor 300 Jahren zusammensetzte, beschreibt Gunter Mahlerwein in der 2005 veröffentlichten „Geschichte der Stadt Worms“ Seite 308 ff :

„Der Magistrat als Regierungsbehörde bestand bis zum Ende der Reichsstadt aus zwei Ratskörperschaften, dem Dreizehnerkollegium als beständigem Rat und dem mit zwölf Mitgliedern besetzten wechselnden Rat… 

Mitglieder des Dreizehnerkollegiums waren auf Lebenszeit ernannt und konnten nur auf Beschluss des wechselnden Rats amtsenthoben werden. Bei der Neubesetzung einer Dreizehnerratsstelle schlug das Dreizehnerkollegium dem Bischof zwei Kandidaten vor, aus denen der neue Ratsherr zu wählen war. Im Rat führte der Stättmeister den Vorsitz; für dieses jährlich wechselnde Amt wurden dem Bischof ebenfalls zwei Kandidaten vorgeschlagen. Der gesamte Magistrat wählte jährlich aus der Gemeinde 24 Bürger, aus denen der Bischof zwölf für den wechselnden Rat bestimmte… 

Ausgeschiedene Mitglieder des wechselnden Rats wurden in der Regel nach zwei Jahren wieder gewählt, sodass de facto die Ratskörperschaft insgesamt aus 36 Personen bestand, von denen zwölf im Rat saßen. Diese 36 Herren wurden bei wichtigen Anlässen zur Beratung versammelt. Im wechselnden Rat führte der Bürgermeister den Vorsitz. Er wurde vom gesamten Magistrat dem Bischof vorgeschlagen. Zu Beratungen tagten die Räte in der Regel getrennt, um dann zur Beschlussfassung zur gemeinsamen Sitzung unter der Leitung des Stättmeisters zusammenzukommen. Die Regierungsgeschäfte leitete der Stättmeister. Juristisch gebildete Ratskonsulenten berieten Rat und Gerichte.“

Dieser „Behördenaufbau … zeigt die dominante Stellung einer kleinen Gruppe von Wormser Bürgern in allen Fragen städtischer Politik, Justiz und Verwaltung.“

„Im 16. Und 17. Jahrhundert folgte etwa ein Drittel der Ratsherren einem männlichen Verwandten in das Dreizehnerkollegium“ (S. 311)… „die engen familiären Verflechtungen führten zu einer „Familienpolitik“ im Interesse weniger Personen“ (S. 310). Diese waren größtenteils Handelsleute, Küfer, Apotheker oder Juristen.

Am Beispiel der Wormser Ratsherrenfamilien Lentz, Weiher, Schuler, Goldmann und Kremer lassen sich die vorherrschenden Berufe und die familiären Verflechtungen nachweisen.

10.03.2014,  Til Schrecker

 

Wormser Ratsherrenfamilien